Apple
- Werner Sperber - Redakteur

Apple bringt neuen Schwung; Börsenwelt Presseschau IV

Die Fachleute von Dirk Müllers Cashkurs-Trends erinnern an die seit den 1990er Jahren bestehenden Überkapazitäten und die dadurch bedingte Krise der Automobilbranche. Doch bald könnte das sich selbst fahrende Auto kommen, das autonome Auto oder "the driverless car". Es wird geschätzt, sich selbst fahrende Taxis, "Robo-Taxis", würden den Fahrpreis für die noch immer nötigen Fahrgäste in Großstädten um 25 bis 35 Prozent senken. In den Mega-Großstädten Asiens seien preiswerte und umwelt-effiziente Lösungen gefragt und damit geht es um die Entscheidung Milliarden in den öffentlichen Personennahverkehr zu investieren oder auf Robo-Taxis zu setzen. Diese autonomen Autos und die sich in den kommenden fünf Jahren durchsetzenden rein elektrisch angetriebenen Autos kommen also zusammen.

Edmund Gerald Brown Jr., Gouverneur des US-Bundesstaates Kalifornien, dürfte noch in diesem Jahr Gesetze zum autonomen Fahren erlassen. In Europa haben die Politiker über eine Vielzahl rechtlicher Gesichtspunkte noch nicht einmal geredet. Diplom-Soziologe Alexander Dobrindt (CSU), Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), möchte bis zur Internationalen Automobilausstellung (IAA) im September dieses Jahres erste rechtliche Eckpunkte vorlegen, welche dafür sorgen sollen, autonome Autos künftig verkaufen und nutzen zu dürfen, dem automatisierten Fahren in Deutschland also weitere Dynamik verleihen sollen. Auf den Autobahnen A9 in Bayern sowie A2, A40 und A42 in Nordrhein-Westfalen sollen autonome Autos fahren dürfen, dort wäre es ideal, sagen der Bayerischer Staatsminister des Innern, für Bau und Verkehr, Joachim Herrmann (CSU) und Minister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen Michael Groschek (SPD).

Schätzungen zufolge würde der Absatz von Automobilen um 25 bis 40 Prozent sinken, wenn sich autonome Automobile flächendeckend durchsetzen. Die Vorstände der großen Fahrzeug-Unternehmen wiegeln ab, wenn es darum geht, ob sie sich serienreife autonome Autos bis zum Jahr 2020 vorstellen können. Das Zeitalter des automatisierten Fahrens hat mit dem Anti-Blockier-System (ABS), der Elektronischen Stabilitätskontrolle (Elektronisches Stabilitäts-Programm, ESP; Electronic Stability Control, ESC) Spurhalte- oder Einpark-Hilfen bereits seit mehr als zehn Jahren begonnen.

Alexander Hars, Unternehmensberatung Inventivio, schätzt, durch den flächendeckenden Einsatz sich selbst fahrender Autos würde die Zahl von derzeit 43 Millionen in Deutschland von Privatpersonen zugelassener Pkw auf vier Millionen sinken. Die Unternehmens-; Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) schätzt für die Vereinigten Staaten von Amerika, 99 Prozent der 245 Millionen Autos werden überflüssig, wenn es ein dichtes Netz von Robo-Taxis gibt. Die Automobil-Konzerne könnten demnach sofort aufhören, Autos zu bauen. Dass die sich selbst fahrenden Autos vor allem die Geschäftsmodelle dieser Automobil-Konzerne zerstören, wird im Moment erstaunlicher Weise nicht gesehen.

Die Forscher von Boston Consulting schätzen, bis zum Jahr 2035 wird (teil)-automatisiertes Fahren ein Massenmarkt, der vor allem in der Volksrepublik China, Japan und Europa erfolgreich sein wird, weil die Anpassungen an autonome Autos dort am schnellsten vorangehen. Sich selbst fahrende Autos müssen aus Umwelt- und Überlebensgründen rein elektrisch angetrieben sowie mit überragenden Sensoren, Kartenmaterial und Navigationssystemen ausgestattet sein und eine vollkommen überarbeitete und neu geschaffene analoge und digitale Verkehrsinfrastruktur benötigen. Ohne ein sogenanntes Internet der Dinge, also Maschinen, welche mit Hilfe des Internets direkt miteinander kommunizieren, ist die Idee der sich selbst fahrenden Autos nicht umzusetzen. Dr. Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, schätzt, mit autonomen Autos sinkt die Zahl der Autounfälle um 99 Prozent.

Der Wandel von der Gesellschaft mit privat besessenen, mit fossilen Brennstoffen betriebenen Autos hin zu einer mit von mehreren oder allen besessenen, rein elektrisch angetriebenen Autos oder Robo-Taxis verläuft in drei Stufen: Erstens wurden und werden Fahr-Assistenz-Systeme wie die oben bereits erwähnten eingeführt. Zweitens werden teil-autonome Autos eingeführt, also solche, die sich auf Autobahnen bereits selbst fahren und in Städten noch mehr Fahrer-Hilfen bieten. Drittens werden nach Schätzungen der Wirtschaftszeitschrift "Economist" und der Unternehmensberatungsgesellschaft Boston Consulting die autonomen Autos ab dem Jahr 2025 die Massenmärkte erreichen und nach dem Jahr 2030 Marktanteile von mehr als fünf Prozent haben.

Um das wahr werden zu lassen müssen diese sich selbst fahrenden Autos sicher gemacht werden gegen Attacken von Computer-Verbrechern (Cyber-Attacken). Die ehemaligen Fahrer und weiterhin Fahrgäste müssen ihre Angst verlieren, in ein Fahrzeug ohne Lenkrad einzusteigen. Zudem müssen Gesetze eindeutig sicher stellen, wer bei Unfällen haftet, der Fahrgast, der Automobil-Konzern oder das Software-Unternehmen. Überhaupt sind die rechtlichen Gesichtspunkte enorm wichtig. Derzeit gilt weltweit die im Jahr 1968 verabschiedete sogenannte Wiener Konvention, nach welcher der Führer eines Fahrzeugs (egal ob Ochsenkarren oder Ferrari) dauernd sein Fahrzeug beherrschen muss. Mittlerweile sind sich selbst fahrende Systeme erlaubt, wenn sie jederzeit vom Fahrer gestoppt werden können. In den nächsten drei bis fünf Jahren muss sich zeigen, wie schnell die Idee einer neuen und vernetzten Autokultur tatsächlich verfängt. Um einen Vergleich zu bemühen: Was mit der Schallplattenindustrie durch die Einführung des iPods und der MP3-Technologie passiert ist, ist kein Vergleich dazu, was der Autoindustrie bevorsteht. Betrachtet man, wie stiefmütterlich die Autokonzerne in den vergangenen zehn Jahren mit dem elektrischen Antrieb umgegangen sind, muss einen das vorsichtig werden lassen.

Kein anderes Unternehmen hat die Entwicklung der Technologie in den vergangenen zehn Jahren so geprägt wie Apple. Seit ein paar Wochen gibt es Gerüchte, der US-Elektrotechnik-Konzern stelle Spezialisten für Batterie- und Mobilitätsthemen ein und habe Mitarbeiter von Ford und Tesla Motors abgeworben. Im Jahr 2018 würden sich Apple und Tesla Motors zusammenschließen, wofür Apple 75 Milliarden Dollar ausgeben würde. Zudem hätte sich Apple erste Patente für Markenrechte auf Fahrzeugnamen gesichert. Apple scheint tatsächlich die Zukunftsmärkte Energiewende und Mobilitätswende ernsthaft ins Auge zu fassen. Apple investiert 850 Millionen Dollar in ein Solarkraftwerk auf dem Gelände des Firmensitzes. Pläne für ein autonomes Fahrzeug mit dem Arbeitsnamen "Titan" gibt es auch. Apple hat der Diskussion um die autonomen Autos noch einmal zusätzlichen Schwung verliehen.

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| Michel Doepke | 0 Kommentare

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