Apple
- Markus Horntrich - Chefredakteur

Apple: Gleiche Aktie, neue Chance?

Nach den jüngsten Apple-Quartalszahlen stellte sich Ernüchterung bei den Aktionären ein. Die Aktie verlor zwischenzeitlich 15 Prozent an Wert. Ist die Apple-Wachstumsstory am Ende oder bietet die Korrektur neue Chancen? Immerhin handelt es sich noch immer um dieselbe Aktie, die vor wenigen Wochen noch jeder günstiger haben wollte.

Der Sprung des Apple-Konzerns über die 1-Billion-Dollargrenze beim Börsenwert wurde groß gefeiert. Die Zeiten als Börsenbillionär sind allerdings vorbei – zumindest vorübergehend. Vom Hoch hat die Aktie des iPhone- und iPad-Herstellers rund 15 Prozent verloren, der Börsenwert ist auf 966 Milliarden Dollar geschrumpft. Nun mehren sich erste Skeptiker zu Wort, der US-Gigant könnte an seine Wachstumsgrenze stoßen.

iPhone-Absatz an Wachstumsgrenze?

Die Skepsis wächst, seit Apple die Bilanz für das vierte Quartal vorgelegt hat. Zwar fiel das Zahlenwerk per Ende September mit 2,91 Dollar Gewinn je Aktie bei fast 63 Milliarden Dollar Umsatz besser als erwartet aus. Der Ausblick auf das Weihnachtsquartal respektive erste Quartal des neuen Geschäftsjahres war für manchen Analysten aber ernüchternd. Hinzu kommt: Ab sofort will Apple keine Stückzahlen zu verkauften Geräten mehr nennen, was viele Beobachter verprellt hat. Deswegen befürchten Skeptiker, dass Apple beim Hardwareabsatz an seine Wachstumsgrenze stößt. Diese Meinung wird auch durch einen weiteren Vorgang bestärkt: Apple hat seinen Smartphone-Assemblern Foxconn und Pegatron mitgeteilt, die Pläne für weitere Produktionslinien für das kürzlich eingeführte iPhone XR auf Eis zu legen.

Noch Chancen beim iPhone
Gerade beim iPhone, das für fast zwei Drittel der Umsätze steht, ist das eine fatale Perspektive. Da hilft auch der Umstand wenig, dass Apple durch seine Preispolitik den durchschnittlichen Verkaufspreis je Gerät Richtung 800 Dollar gebracht hat und sogar weiter nach oben schrauben wird. Wo soll also das Wachstum in der Zukunft herkommen, wenn der Smartphone-Markt stagniert?

Zugute dürfte Apple in den nächsten Quartalen der hohe Anteil von älteren Geräten an der installierten Basis kommen. Davon besitzen 46 Prozent ein iPhone 6s oder älter. Das betrifft etwa 300 Millionen Geräte, die älter als drei Jahre sind. In China ist dieser Anteil mit 55 Prozent sogar noch höher. Zwar werden die Erneuerungszyklen über die gesamte Branche hinweg länger, die Wahrscheinlichkeit, dass die ausgesprochen treuen Apple-Kunden ein Upgrade machen werden, steigt aber zunehmend.

Eine Chance beim iPhone-Absatz bietet immerhin der indische Markt, der noch in den Kinderschuhen steckt. Die Zahl der Mobilfunknutzer in Indien soll gegenüber 2018 um 30 Prozent auf 442 Millionen im Jahr 2022 wachsen. Bezogen auf den Weltmarktanteil Apples von knapp 14 Prozent wartet in Indien somit ein Potenzial von gut 60 Millionen Geräten.

Unterschätztes Potenzial
Große Hoffnungen setzt Apple auf das Servicegeschäft mit AppStore, iTunes, Apple Music und dem geplanten TV-Angebot, mit dem sich Apple mit Net­flix und Amazon Prime anlegt. Im kürzlich abgelaufenen Jahr machte das Servicegeschäft mit 37 Milliarden Dollar 14 Prozent der Umsätze aus. Bis 2022 dürfte der Anteil schon bei 25 Prozent und 86 Milliarden Dollar liegen.

Aufgrund der hohen Marge (siehe Grafik oben) wird der Serviceanteil am Bruttogewinn Richtung 40 Prozent tendieren. Das Apple-Ökosystem bietet im Servicegeschäft riesige Potenziale, die Apple nutzen will. Die Tatsache, dass man künftig keine Geräteabsätze mehr veröffentlichen wird, dokumentiert auch das Selbstverständnis, dass Apple künftig als Service- und Abo-Business wahrgenommen werden will. Derartige Geschäftsmodelle werden an der Wall Street mit Bewertungsprämien versehen.

Entsprechend haben sich auch erste Analysten hervorgewagt, die 80 Prozent des Apple-Kurses durch das Service-Business abgedeckt sehen.

Korrektur = Chance

Die Apple-Aktie ist nach der jüngsten Korrektur auf Kaufniveau. Durch die gedämpften Erwartungen nach den Q4-Zahlen dürfte es dem Konzern leichter fallen, bei den nächsten Zahlen die Erwartungen erneut zu schlagen. Das Servicegeschäft sorgt zudem für die nötige Wachstumsfantasie. Zwischen 190 und 205 Dollar ist die Aktie ein klarer Kauf.

 

Hinweis auf möglichen Interessenskonflikt: Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die durch die durch die Publikation etwaig resultierende Kursentwicklung profitieren: Apple.

 

 

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