Deutsche Bank
- Fabian Strebin - Redakteur

Analyst Hein: Weitere Kapitalerhöhungen bei Deutscher Bank nicht auszuschließen

Die Deutsche Bank will mit der vierten Kapitalerhöhung seit 2010 erneut frisches Geld einsammeln. Großaktionäre haben bereits ihre Beteiligung zugesichert - zumindest die meisten. DER AKTIONÄR sprach mit dem Bankanalysten Dieter Hein von Fairesearch über die aktuelle Maßnahme.

Im Interview erklärt der Analyst, warum die aktuelle Kapitalerhöhung nicht die letzte bei dem Geldhaus sein könnte.

DER AKTIONÄR: Die Deutsche Bank wird jetzt die sechste Kapitalerhöhung in neun Jahren durchführen. Sind weitere Kapitalmaßnahmen für die nahe Zukunft wenigstens auszuschließen?

Dieter Hein: Das bezweifle ich. Zwar wurde das bei den vergangenen Kapitalerhöhungen immer wieder von der Deutschen Bank angekündigt, zuletzt 2014. Das Grundproblem der Bank ist aber, dass die Profitabilität zu gering ist, um die strengeren Kapitalvorschriften aus Gewinnen zu erfüllen. Natürlich erfüllt der Konzern die Anforderungen der Aufsichtsbehörden bei der Eigenkapitalunterlegung, allerdings nicht das, was der Kapitalmarkt von einem Geldhaus mit so riskantem Investmentbanking fordert. Deshalb ist die Deutsche Bank hier seit Jahren Getriebene der Märkte.

Was heißt das konkret?

In den vergangenen zehn Jahren hat die Deutsche Bank inklusive der anstehenden Kapitalerhöhung 33 Milliarden Euro bei den Anlegern eingesammelt. Zusätzlich wurden für fünf Milliarden Euro AT1 Anleihen begeben, die ebenfalls dem Eigenkapital zuzurechnen sind. Derzeit hat die Aktie an der Börse aber nur eine Marktkapitalisierung von ungefähr 24 Milliarden Euro. In der Summe wurde also mehr Kapital aufgenommen, als die Bank aktuell am Markt Wert ist.

Zumindest ist doch aber die leidige Diskussion um die Kapitalausstattung der Bank nach der Ausgabe neuer Aktien beendet, oder? Immerhin strebt die Deutsche Bank eine harte Kernkapitalquote von 13 Prozent an.

Nein, nicht unbedingt. Bei der letzten Kapitalerhöhung 2014 hat die Bank 8,5 Milliarden Euro neues Eigenkapital aufgenommen. Dieser Betrag wurde durch die Verluste, die den Aktien zuzurechnen sind, der folgenden zwei Jahre wieder komplett aufgezehrt. Da man bei der Strategie weiterhin den Fokus auf das Investmentbanking-Geschäft legt, sehe ich nicht, wie sich hier etwas ändern soll. Problematisch ist zusätzlich, dass natürlich niemand wissen kann, welche Belastungen durch Geldstrafen und Vergleiche noch auf die Bank zukommen. Deshalb bleibt die Unsicherheit bei der Aktie hoch, da die Geldbußen einen beträchtlichen Teil der Verluste der letzten Jahre ausmachten.

Herr Hein, vielen Dank für das Gespräch.

 


 

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