Amazon
- Benedikt Kaufmann

Amazon hat wieder Hunger – Kaufchance!

Die Marktmacht von Amazon ist nicht nur für die Einzelhändler ein Problem – auch Restaurantketten und Essens-Lieferdienste leiden unter dem Riesen. Denn wer online bestellt, geht seltener in die Stadt und braucht damit auch keine Kaffee- oder Essenspause beim Shoppen. Eigentlich positiv für die Lieferdienste – doch mit Amazon Restaurants wird Ihnen ebenfalls das Leben schwer gemacht.

Vor knapp zwei Jahren startete Amazon Restaurants erste Tests. Mittlerweile ist der Food-Delivery-Dienst in über 20 US-Großstädten aktiv. Zwar besetzt Amazon mit rund sieben Prozent aktuell nur einen Bruchteil des Marktes, doch der Dienst wächst innerhalb der Branche am schnellsten. Analysten von Morgan Stanley schätzen, dass Amazon Restaurants in den kommenden fünf Jahren um durchschnittlich 54 Prozent jährlich wachsen dürfte.

Zum Vergleich: Für den aktuellen US-Marktführer GrubHub erwarten die Analysten ein Wachstum von 16 Prozent. Diese unterschiedliche Wachstumsrate dürfte in den nächsten Jahren zu massiven Verschiebungen am Food-Delivery-Markt führen.

Gegenüber GrubHub hat Amazon mehrere entscheidende Vorteile: Die Marke Amazon ist bekannter und verfügt dank der Prime-Abonnenten über Nutzer, die bereitwillig auf die unterschiedlichen Dienste zurückgreifen. Hinzu kommen die Milliarden an Dollar, die der E-Commerce-Konzern bereit ist, in Wachstumsmärkte zu investieren, ohne dass zwangsläufig sofort profitabel gewirtschaftet werden muss.

„Die Umwälzungen durch Amazon werden eine enorme Herausforderung.“, sagte Starbucks-Chef Howard Schultz in einer Analystenkonferenz. Der Internet-Konzern bietet seinen Kunden schlichtweg einen Mehrwert: Sei es die Zeitersparnis, der Komfort oder die größere Auswahl.

Immer auf der Suche nach neuen Wachstumsmärkten

Gleichzeitig schreckt Amazon vor keinem neuen Markt zurück, der auch nur die Chance für zusätzliches Wachstum bietet. Jeff Bezos schrieb hierzu in einem Aktionärsbrief: „Die meisten großen Organisationen schätzen Innovation hoch, dennoch sind die Firmen nicht dazu bereit, die hierfür notwendigen Fehlversuche zu ertragen. Wenn Sie denken, dass das FirePhone ein großer Fehler (Anm. d. Red.: Amazon hat mit dem FirePhone hunderte Millionen Dollar verloren) war, kann ich Ihnen versichern, dass wir bereits jetzt an viel größeren Fehlern arbeiten.“

Amazon Music, Amazon Shopping, Amazon Restaurants, Amazon Books, Amazon Games, Amazon Web Services und Amazon Video – das ist nur eine unvollständige Aufzählung unterschiedlicher Geschäftsfelder, an die sich der Internet-Konzern herangetraut hat. Die hohen Beträge, die in das zukünftige Wachstum investiert werden, verunsichern gelegentlich jedoch die Anleger – zuletzt nach den Q2-Zahlen.

DER AKTIONÄR riet daher, einen Teil der Gewinne mitzunehmen und den Rücksetzer abzuwarten. Mittlerweile scheint sich der Kurs im Bereich der 200-Tage-Linie zu stabilisieren – das Vertrauen in Amazons Wachstums-Strategie kehrt zurück. Das aktuelle Kursniveau bietet damit eine gute Chance zu reinvestieren, denn Amazon ist ohne Zweifel eine langfristige Long-Position. GrubHub mag zwar kurzfristig Potential bieten, doch im Kampf gegen Amazon wird der Lieferdienst langfristig den Kürzeren ziehen – kein Kauf.

 

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