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Amazon-Aktie: Wenn Sie das wüssten, würden Sie sofort ...

Gestern erst berichteten wir vom neu entstehenden 100-Milliarden-Markt E-Commerce-Werbung, an dem Amazon sich qua natura den größten Anteil sichern wird. Etwa zur gleichen Zeit brachte ein anerkannter Experte auf einer Konferenz in New York ein anderes Thema, eine noch höhere Summe ins Spiel. Sie könnte für Amazon-Aktionäre wirklich alles ändern, was sie bisher über das Unternehmen zu wissen glaubten. Denn wenn er recht behält, dann ist die aktuelle Bewertung nicht mehr als ein Witz. Und Kursänderungen wie gestern und vorgestern absolut uninteressant. 

Doch der Reihe nach: Amazon ist derzeit mit einer Marktkapitalisierung von 835 Milliarden US-Dollar das drittwertvollste Unternehmen der Welt – nach Apple und Microsoft. Wir schätzen, dass das Segment E-Commerce-Werbung in den kommenden Jahren ganz maßgeblich zur Umsatz-, vor allem aber aufgrund seiner Margenstärke zur Ertragsentwicklung beitragen wird. Branchenkenner gehen davon aus, dass Amazon schon in fünf Jahren 28 Milliarden Dollar mit Werbung erwirtschaften wird. Dennoch sehen Börsianer derzeit vor allem eine andere Sparte als größten Treiber für die Aktie: Das Cloud-Geschäft (Amazon Web Services) ist inzwischen Milliardenschwer, und extrem Margenstark. Exakt diesen Bereich hat Scott Galloway nun auserkoren, seine auf den ersten Blick aberwitzige Prognose aufzustellen, die da lautet: Amazon wird in Kürze das Cloud-Geschäft ausgliedern und als eigenständige Gesellschaft an die Börse bringen.

Jetzt wird es ein wenig verrückt: Er schätzt den Wert dieser Ausgliederung auf 70 bis 600 (!) Milliarden US-Dollar. Das entspräche an der oberen Spanne etwa Dreiviertel der aktuellen Amazon-Bewertung. Der Professor, der Marketing an der New York University lehrt, liefert die Begründung für seine Prognose gleich mit:

  1. Die Aktionäre von Amazon werden nicht länger akzeptieren, dass der Wert von AWS in der Konzernbilanz versteckt wird.
  2. Der Aktienmarkt schreit förmlich nach einer Möglichkeit, direkt in einen Cloud-Anbieter investieren zu können (Wettbewerber Azure gehört zu Microsoft, Google hält seine Cloud ebenfalls unter dem Konzerndach versteckt). Amazon würde damit nur die Nachfrage eines hungrigen Marktes befriedigen und so eine hohe Bewertung realisieren können. „There's no pure way to play“, so Galloway.
  3. Amazon rückt (wie viele andere dominierende Tech-Player) zunehmend ins Visier von Kartell- und Wettbewerbsbehörden. Die Abspaltung eines so zentralen Geschäfts wie AWS würde die Gemüter besänftigen und Amazon aus der Schusslinie nehmen.

Klingt nach einer Win-Win-Situation für alle. Für Amazon-Aktionäre würde sie eine Wende einläuten: Amazon würde wieder stärker als E-Commerce-Anbieter in Erscheinung treten, dabei über sehr viel frisches Kapital verfügen, das es wiederum nutzen könnte, um neue Geschäftsfelder zu erschließen. Naheliegende Geschäftsfelder wie E-Commerce-Werbung (der Bereich könnte AWS hinsichtlich der Ertragskraft ablösen), aber auch solche, die auf den ersten Blick eher weiter weg scheinen, aber nicht minder attraktiv sind.

Und der Aktienmarkt hätte endlich das, wonach er offenbar giert: Die Möglichkeit direkt und ohne Umwege in einen reinen Cloud-Anbieter mit marktbedeutender Stellung zu investieren. Ob ihnen das 600 Milliarden Dollar wert sein wird, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Galloways Prognosefähigkeit jedenfalls ist nicht zu unterschätzen. Und so verrückt die Summe klingt, sie könnte real werden. Zuvor hatte Galloway vorausgesagt, dass Amazon in den stationären Einzelhandel einsteigen werde (durch die Übernahme von Whole Foods ist genau das passiert). Ebenso zielsicher sagte er vorher, dass Amazon seinen zweiten Konzernsitz entweder in New York oder Washington D.C. eröffnen werde. Im November gab Amazon bekannt, den neuen Standort auf New York und Washington aufzuteilen.

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