Allianz
- Martin Mrowka - Redakteur

Allianz, Munich Re und Hannover Rück im Aufwind - was ist da los?

Der italienischen Schuldenmisere und den Turbulenzen bei Griechen-Banken zum Trotz zeigten sich Deutschlands Finanzwerte zuletzt stabil. Vor allem die Aktien der Versicherer profitieren - den steigenden Zinsen bei festverzinslichen Wertpapieren zu verdanken.

Während an den Anleihemärkten in den USA schon seit Monaten steigende Renditen beziehungsweise fallende Kurse zu beobachten sind, hinken deutsche Staatsanleihen hinterher. Jedenfalls bis vor ein paar Tagen. Mittlerweile ist das Anleihenbarometer Bund Future deutlich unter Druck geraten und hat am Terminmarkt am Donnerstag zeitweise die Marke von 158 Punkten unterschritten.

Lebensversicherer erhöhen Aktienquote

Die steigenden Renditen sind ein Labsal für das Geschäft der Versicherer wie Allianz, die unter den jahrelangen Nullzinsen leiden. Traditionell legen Lebensversicherungen das Geld der Anleger in relativ sicheren festverzinslichen Wertpapieren an. Alte Verträge werden oft noch mit bis zu 4,0 Prozent verzinst - bei zeitweisen Minus-Zinsen sind derartige Renditen schwer zu ertragen. Vielleicht muss man sagen, waren schwer zu ertragen. Denn der Tiefpunkt bei den Zinsen liegt wohl hinter uns. Im Vergleich zu amerikanischen Ländern ist ordentlich Potenzial vorhanden (siehe Grafik).

Außerdem will die Allianz künftig mehr und mehr Geld ihrer Kunden in Aktien und alternative Investments stecken, kündigte Markus Faulhaber, Chef von Allianz Lebensversicherung, vor wenigen Tagen an. Die Aktienquote solle in den nächsten drei bis vier Jahren von aktuell zehn Prozent auf 13 bis 18 Prozent steigen. Ein weiteres Drittel des Geldes werde in alternative Anlagen wie erneuerbare Energien oder Immobilien fließen.

Analysten sind zuversichtlich

Auch andere Versicherer sind dabei, ihr Portfolio grundlegend umzubauen – und gehen dabei immer stärker ins Risiko. "Es war überraschend zu sehen, wie sehr die Risikobereitschaft der Versicherer im laufenden Jahr zugenommen hat", sagte Patrick Liedtke von Blackrock kürzlich dem Handelsblatt. "Heute sind die Assekuranzen bereit, viel stärker ins Risiko zu gehen als noch vor zwei, drei Jahren." 

Auch die Analysten glauben an die Branche. Die US-Bank JPMorgan bestätigte gerade ihre Einstufung für Allianz auf "Overweight" und einem Kursziel von 219 Euro. Dass die US-Investmenttochter Pimco einen kleineren Konkurrenten übernommen habe, passe zur Strategie des Versicherungskonzerns, schrieb Analyst Michael Huttner in einer Studie. Zudem stünden dem Versicherungskonzern weitere Kostensenkungen im Nicht-Leben-Geschäft sowie in der Vermögensverwaltung ins Haus. Er hält außerdem Übernahmen im Volumen von bis zu 10 Milliarden Euro ohne Kapitalerhöhungen für denkbar. Die Münchener dürften auch weiter eigene Aktien zurückkaufen.

Die Entwicklung an den Anleihemärkten sorgte auch bei den Rückversicherern Munich Re (heute an der Spitze im DAX) und Hannover Rück für steigende Kurse. Letztere erreichten bei 123,90 Euro sogar ein neues Allzeithoch und gehörten zu den größten Tagesgewinnern im MDAX. Der seit Anfang Juli anhaltende Aufwärtstrend dürfte sich noch fortsetzen. Bei beiden Werten sorgte auch das verhältnismäßig ruhige Wetter über dem Atlantik für Entspannung. Nur ein neuer großer Hurrikan nach "Florence" entwickelt sich derzeit vor der Ostküste der USA, bewegt sich aber kaum nach Westen. (Hier können Sie aktuelle Satelliten-Bilder sehen.)

Allianz-Aktie bald wieder über 200 Euro

Auch die Deutsche Bank ist optimistisch für die Versicherungs-Branche. Analyst Hadley Cohen hat seine Einstufung für Hannover Rück auf "Hold" belassen. Vor den anstehenden Investorentagen einiger europäischer Versicherungen zeigte er sich auch für Axa, Generali und die Allianz positiv gestimmt. Für Allianz hat der Experte das Kursziel von 220 Euro ausgegeben.

Bei der Allianz hat sich die Situation auch charttechnisch gebessert. Sowohl die 200-Tage-Linie als auch der Abwärtstrend seit Januar konnten überwunden werden. Neue 17-Jahres-Höchstkurse jenseits der 207-Euro-Marke werden absehbar. DER AKTIONÄR hatte mehrfach zum Kauf der Allianz Aktie geraten und ein Kursziel von 225 Euro ausgegeben. Ein Stopp zur Absicherung wird bei 170 Euro platziert.

 

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    Das nennt man Konfus: "Die steigenden Renditen sind ein Labsal für das Geschäft der Versicherer wie Allianz" - contra: "Außerdem will die Allianz mehr und mehr Geld ihrer Kunden in Aktien und alternative Investments stecken"
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    Komisch - jetzt ist doch nicht die Zeit einzusteigen - der Zug ist doch schon lange abgefahren!

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