2G Energy
- Michael Schröder - Redakteur

AKTIONÄR-Hot-Stock 2G Energy steht unter Strom: Da geht noch einiges!

2G Energy hat sich eindrucksvoll zurückgemeldet. Im Vorjahr wurde beim Umsatz das bisherige Rekordniveau aus dem Jahr 2014 übertroffen. Aber auch in Sachen Profitabilität ist der KWK-Spezialist auf dem Vormarsch. Es spricht einiges für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends.

Ein Temperaturrekord jagt den nächsten. Die letzten Wochen haben erneut gezeigt: Der Klimawandel ist längst kein Zukunftsszenario mehr. Effiziente, leistungsfähige und umweltschonende Energielösungen werden daher immer wichtiger. „Trotz aller internationalen Bemühungen schreitet der Klimawandel voran und verschärft den Druck, ressourcenschonende und emissionsarme Technologien wie Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) verstärkt einzusetzen“, stimmt Dr. Karsten von Blumenthal, Analyst bei First Berlin, zu.

Als KWK bezeichnet man die gleichzeitige Erzeugung von mechanischer Energie und Nutzwärme. Während die mechanische Energie unmittelbar in Strom umgewandelt wird, kann die Wärme zum Heizen, Kühlen oder zur Erzeugung von Dampf genutzt werden. Die bei der Stromproduktion entstehende Wärme entweicht also nicht einfach ungenutzt in die Atmosphäre, sondern wird sinnvoll genutzt. Folge: Bis zu 40 Prozent an Primärenergie werden gespart. Die CO2-Emissionen sinken um bis zu 60 Prozent gegenüber herkömmlicher Stromerzeugung im Großkraftwerk.

Als einer der führenden Hersteller dezentraler Energieerzeugungssysteme mittels KWK ist die 2G Energy AG hier bestens aufgestellt. „Als mittelständisches Unternehmen agiert 2G schneller und flexibler als die Platzhirsche GE Jenbacher und Caterpillar MWM. Kleinere deutsche Anbieter verfügen weder über die Finanzstärke noch über die Service-Breite von 2G,“ sagt von Blumenthal. Das Einsatzgebiet der 2G-Kraftwerke ist vielseitig und reicht von Wohnhäusern über Büro- und Verwaltungsgebäude bis hin zu Schulen, Krankenhäusern sowie Industrie- und Gewerbebetrieben.

Das Marktumfeld passt. Der Staat fördert den Verkauf von biogasbetriebenen Anlagen vermutlich noch bis mindestens 2020. Der für die Rentabilität bei erdgasbetriebenen Anlagen wichtige Spark Spread, der das Verhältnis von Strompreis zum Erdgaspreis abbildet, liegt auf einem hohen Niveau. Bei der Kürzung der viel zitierten EEG-Umlage zeichnet sich ein Kompromiss ab.

Das Umfeld und die gute Positionierung spiegeln sich auch im Zahlenwerk wider. 2G hat das Geschäftsjahr 2017 mit einem Rekordumsatz und höherer EBIT-Marge abgeschlossen. Wesentliche Impulse für die positive Geschäftsentwicklung kamen insbesondere aus einem starken Auslandsgeschäft mit einer hohen Nachfrage aus den USA, Großbritannien, Frankreich und Japan. Ebenfalls positiv entwickelten sich die Servicedienstleistungen sowie der Verkauf von Ersatzteilen. Der sehr lebhafte Auftragseingang im ersten Halbjahr 2018 (+50 Prozent auf 96,3 Millionen Euro) deutet auf eine Fortsetzung des Wachstumskurses hin.

Daher rechnet der Vorstand im Gesamtjahr mit Umsatzerlösen in einer Bandbreite von 180 bis 210 Millionen Euro. Die EBIT-Marge soll zwischen 3,5 bis 5,5 Prozent liegen. Bei Umsätzen von mehr als 200 Millionen Euro und einer Marge von mindestens 4,5 Prozent sieht DER AKTIONÄR den Gewinn je Aktie im laufenden Jahr daher in Richtung 1,40 Euro (Vorjahr: 1,11 Euro) steigen.


Um das Geschäft nachhaltig voranzutreiben, hat sich der Vorstand drei Themen auf die Fahne geschrieben: eine noch stärkere Digitalisierung der Aktivitäten, die Reorganisation nach Lean-Prinzipien und die weitere Internationalisierung. „Unser Lead-to-Lean-Projekt sowie die Internationalisierung und Digitalisierung werden 2018 konsequent fortgeführt“, so 2G-Vorstand Christian Grotholt. „Wir sind sicher, dass wir damit eine vielversprechende Basis für die zukünftige Entwicklung unseres Unternehmens legen.“ Auch von Blumenthal sieht die Gesellschaft so auf dem richtigen Weg. „Die Digitalisierung der KWK-Anlagen ermöglicht eine flexible Steuerung und den Einsatz in virtuellen Kraftwerken. Mit der flexiblen Fahrweise ergänzen die KWK-Anlagen die fluktuierende Stromproduktion aus Sonne und Wind hervorragend.“ Doch damit nicht genug: Die Digitalisierung erlaubt zudem eine Online-Überwachung aller relevanten Parameter und eine Online-Reaktion auf Unregelmäßigkeiten, bevor die Leistung abfällt. „Rund 80 Prozent der Störmeldungen werden von 2G inzwischen ‚remote‘, also ohne physischen Eingriff vor Ort, gelöst“, weiß der Analyst.

Die bereits eingeleiteten Effizienzsteigerungsmaßnahmen wie die Reorganisation des Services und die Industrialisierung der Einkaufs- und Produktionsprozesse werden auch in Zukunft zu Kostensenkungen, Qualitätssteigerungen und zur Glättung der Saisonalität führen – und damit helfen, die Profitabilität nachhaltig zu steigern, im In- und Ausland.

Aktuell profitiert 2G noch von der hohen deutschen Nachfrage nach Biogas-KWK-Anlagen. „Viele Märkte bergen beim Einsatz flexibler und hocheffizienter Energielösungen im Vergleich zum bereits gut entwickelten deutschen Markt noch große Wachstumspotenziale“, so der First-Berlin-Analyst. Die Internationalisierung dürfte damit der zen­trale Wachstumstreiber der nächsten Jahre sein. Im Vorjahr wurden die Umsätze mit dem Verkauf von KWK-Anlagen in das Ausland um ein Drittel gesteigert. Spielt 2G die eigenen Stärken – also die Flexibilität bei Nachfrageänderungen und die Forschungsstärke – gezielt aus, dürfte die Gesellschaft sich bietende Wachstumschancen weiter konsequent nutzen.

Die starke Position im Heimatmarkt bietet 2G Energy eine solide Basis. Die anziehende internationale Nachfrage nach KWK-Energielösungen eröffnet der Gesellschaft mittelfristig deutliches Wachstumspotenzial. Die eingeleiteten Effizienzmaßnahmen sollten ihre Wirkung nicht verfehlen und helfen, die Profitabilität nachhaltig zu steigern. Die Aktie hat sich zuletzt bereits von den Tiefstständen lösen können. Angesichts der guten Aussichten dürfte dies aber erst der Startschuss für eine neue Aufwärtsbewegung gewesen sein. Das Kursziel liegt bei 28 Euro.

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