Airbus
- Martin Mrowka - Redakteur

Airbus gegen Boeing: Wer hat die Nase vorn?

Seit Jahren liefern sich die beiden Flugzeugbauer ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wer der Größte ist. Die Produktion läuft bei beiden auf Hochtouren – daran wird sich auf absehbare Zeit kaum etwas ändern. Auch beide Aktien bleiben aussichtsreich.

Doch der Reihe nach. Boeing hat im vergangenen Jahr 763 Flugzeuge ausgeliefert, 2018 sollen es noch mehr werden. Im ersten Quartal hat das bereits geklappt: Mit 184 Fliegern wurde die Zahl des Vorjahresquartals von 169 übertroffen. Halbjahreszahlen werden in den kommenden Tagen erwartet.

Produktionsprobleme bei Triebwerk-Zulieferer

Der Erzrivale Airbus kam im Jahr 2017 auf insgesamt 718 Verkehrsflugzeuge – ein neuer Rekord für die Europäer. Im laufenden Jahr will Airbus sogar 800 Flieger ausliefern. Doch noch hat das Unternehmen einen großen Rückstand: Aufgrund von Produktionsproblemen beim Triebwerke-Lieferanten Pratt & Whitney konnten in den ersten sechs Monaten erst 303 Passagierflieger ausgeliefert werden. Käufer haben bei den betroffenen A320neo-Jets alternativ den Triebwerkstyp des amerikanisch-französischen Herstellers CFM zur Wahl. Doch auch bei diesem hatte Airbus wiederholt eine fehlende Produktreife bemängelt.

Ende Juni standen vor den Airbus-Hallen 86 praktisch fertige Maschinen der A320neo-Familie, denen nur noch die Triebwerke fehlten, wie der Chef der Verkehrsflugzeugsparte, Guillaume Faury berichtete.

Boeing schnappt sich Embraer, Airbus übernimmt Bombardier C

Der amerikanische Luftfahrt-Konzern leidet derzeit unter den Unsicherheiten im Handelsstreit mit China, der die Bestellungen aus dem Reich der Mitte bremst. So attackiert Boeing nun Airbus an anderer Stelle: Boeing übernimmt das Geschäft mit Regionaljets des brasilianischen Konkurrenten Embraer. In einem Milliarden-Deal gründen dazu beide Konzerne ein Gemeinschaftsunternehmen, in das Embraer sein Verkehrsflugzeug- und Servicegeschäft einbringt. Boeing wird 80 Prozent an dem Joint Venture halten und damit die Kontrolle übernehmen. Der Deal bewertet Embraers ziviles Flugzeuggeschäft mit 4,75 Milliarden Dollar und Boeings Beteiligung mit 3,8 Milliarden Dollar.

Airbus hat seinerseits die Mehrheit an Bombardiers C-Serie übernommen, die ebenfalls auf Kurzstrecken eingesetzt werden. Details dazu will Airbus-Chef Tom Enders auf der Farnborough Airshow bekanntgeben. Dort südwestlich von London dürfte es ab 16. Juli wieder massenhaft Neuaufträge hageln. Zu den Interessenten der Luftfahrtmesse zählen auch Regierungen, da der Rüstungsbereich in Farnborough stark vertreten ist.

Höhere Margen möglich

Mit den Regionalflieger-Deals wird faktisch ein Duopol in der Branche für Passagierflugzeuge zementiert. Boeing hat mit Embraer einen rentablen Mitbewerber übernommen, der den Amerikanern höhere Margen bescheren könnte. Airbus-Partner Bombardier dürfte zunächst hohe Entwicklungskosten verursachen, so dass Boeing die Nase vorn haben könnte.

Letztlich profitieren beide. Embraer und Bombardier hatten sich jahrzehntelang ein Duell im Bereich kleinerer Jets mit 70 bis 100 Sitzen geliefert. Airbus und Boeing konkurrieren derweil vor allem bei mittelgroßen Jets und Langstreckenmaschinen.

Billionen-Markt wartet

Beide Konzerne dürften in den kommenden Jahren weiterhin den Markt für Verkehrsflugzeuge dominieren. Airbus geht davon aus, dass sich die weltweite Flotte an Flugzeugen in den kommenden 20 Jahren mehr als verdoppeln wird. Erwartet wird eine Nachfrage nach 37.390 Maschinen im Wert von 5,8 Billionen US-Dollar.

Den Anstieg des Verkehrsaufkommens beziffert das Unternehmen wie im Vorjahr auf durchschnittlich 4,4 Prozent pro Jahr. Angefacht werde die Nachfrage vor allem durch die Zunahme des privaten Konsums in den Schwellenländern, höhere verfügbare Einkommen und die nahezu Verdoppelung der Mittelklasse weltweit.

Im Aufwärtstrend-Kanal

Die Airbus-Aktie zeigt nach dem Allzeithoch bei gut 106 Euro eine Korrektur. Wegen der Unsicherheiten um den Handelsstreit mit China rutschte der Kurs wieder leicht unter die 100-Euro-Marke. Angeblich hat China bereits eine Bestellung von 180 Airbus-Flugzeugen aufgeschoben, damit Peking möglicherweise mehr beim US-Hersteller Boeing kaufen kann, um die Amerikaner im Handelsstreit zu besänftigen. Das Analysehaus Jefferies hat die Einstufung von Airbus dennoch auf "Buy" belassen – mit einem Kursziel von 110 Euro.

 

Der Airbus-Kurs läuft seit Oktober in einem breiten Aufwärtstrend-Kanal, der nur kurz im Februar (wegen der Triebwerks-Probleme beim A321neo) nach unten verlassen wurde. Die obere Parallele zur Trendlinie verläuft derzeit bei 110 Euro. Das längerfristige Kursziel belässt DER AKTIONÄR bei 125 Euro. Das aktuelle Kursniveau bietet sich daher für Nachkäufe an.

Bei der Boeing-Aktie sieht es ähnlich aus. Auch der amerikanische Blue Chip hat die untere Linie eines mittelfristigen Aufwärtstrends erreicht. Nach oben zeigt der Chart kurzfristiges Kurspotenzial bis etwa 330 Euro. Das langfristige Ziel hat DER AKTIONÄR bei 355 Euro gesetzt.

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