DAX
- Jochen Kauper - Redakteur

„Keine Panik bei Kursrückgängen“

Ob aus Brexit-Angst oder aus anderen Gründen – wer hektisch aussteigt, halbiert die Rendite. Sinkende Wachstumsraten in China, Euro-Krise, Brexit-Angst: Gleich mehrere Krisenszenarien sorgten im ersten Halbjahr 2016 an den Aktienmärkten für hohe Volatilität und bei Anlegern für große Unsicherheit.„Manche Investoren reagierten panisch und stießen Aktien ab. Ein Fehler, wie eine unserer Auswertungen zeigt: Die 15 besten Börsentage tragen seit Einführung des DAX 1987 fast die Hälfte zur Gesamtrendite des DAX bei. Die meisten der besten Börsentage lagen in stürmischen Zeiten“, sagt Lutz Neumann, Leiter der Vermögensverwaltung der Sutor Bank.

Warum lassen sich Anleger so schnell verunsichern?

Viele Anleger, die die Finanzkrise 2008 in ihren Depots miterlebt haben, lassen sich von starken Kursrückgängen leicht verunsichern. „Dahinter steht die Angst massiver Verluste, die im Nachgang zur Finanzkrise 2008 beim DAX rund 50 Prozent betrugen. Doch wer vorschnell verkauft, beraubt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit der Chance, Verluste umgehend wieder wett zu machen. 

Seit Initiierung des DAX im Jahr 1987 – Ende Dezember 1987 wurde der DAX auf 1.000 Indexpunkte normiert – erzielte der DAX insgesamt bis Juni 2016 (Stichtag: 20.06.2016) eine jährliche Wertentwicklung von 8,41 Prozent. Ohne die 15 besten Tage hätte der DAX nur eine Wertentwicklung von 4,21 Prozent jährlich erzielt. Damit sorgten lediglich 15 Tage in der Entwicklung des DAX für die ‚halbe Miete‘. Wer diese 15 Tage oder auch nur einige Tage davon verpasst hat, verzichtete somit auf einen erheblichen Rendite-Anteil. Wer beispielsweise die sechs besten Tage des DAX verpasste, erzielte eine jährliche Rendite seit 1987 von 6,40 Prozent – zwei Prozentpunkte weniger als der DAX über alle Tage“, sagt Lutz Neumann.

Beste Börsentage in stürmischen Phasen

„Die besten Börsentage liegen vor allem in stürmischen Marktzeiten. Demnach waren die drei besten DAX-Börsentage im Oktober und November 2008 – unmittelbar zur Zeit der Lehman-Pleite und der nachfolgenden Finanzkrise, in deren Verlauf es zu hohen Ausschlägen, immer wieder auch nach oben, an den Aktienmärkten kam. Auch andere Tage mit besonders hohen Kursgewinnen lagen in Krisenzeiten: Im Juli 2002 hielten der Enron-Skandal und der Vorgriff auf die militärische US-Intervention im Irak die Märkte in Atem, gefolgt von Kurssteigerungen; 2002 befanden sich die Märkte noch in den Nachwehen der geplatzten Dotcom-Blase und boten zwischenzeitlich Erholungspotenzial; im Januar 1991 gab es im Zuge der militärischen Befreiung Kuweits einige Kurssprünge“, so Neumann. 

Die Krise kommt schnell – ohne Warnsignale

Das Wesen der Krise ist, dass sie sich nur selten mit langem Vorlauf oder mit klaren Warnsignalen ankündigt. In der Regel kommt sie schnell über die Märkte und lässt kaum Handlungsspielraum. „Gleiches gilt für die Kurserholung – manchmal reicht schon ein kleines positives Marktsignal, um die Kurse kurzfristig wieder nach oben zu treiben. Da niemand konkret vorhersagen kann, wann die besten Börsentage sein werden, sollten Anleger auch bei hoher Volatilität an den Märkten einen kühlen Kopf bewahren und nicht überhastet ihr Depot auflösen“, so lautet das Fazit von Lutz Neumann.

 

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  • Dennis Pagel -
    Genau deswegen machen Stoppkurse längst nicht immer Sinn. Vor allem bei Kursen im freien Fall verkauft man damit oft zu Kursen deutlich unter dem Stop. Die Aktien fangen sich nur allzu oft innerhalb weniger Stunden wieder und schließen dann deutlich über dem Stoppkurs. Ich setze nur noch Trailing Stopps.

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