- Alfred Maydorn - Redakteur

„Ein 50-Prozent-Rückgang an den Aktienmärkten ist absehbar“

Aus der aktuellen Ausgabe von Maydorns Meinung: Gerade einmal zwei Monate ist es her, dass Ron Paul vor einem möglichen Rückgang um 25 Prozent an den Aktienmärkten gewarnt hat. Der ehemalige Präsidentschaftskandidat (2008 und 2012) argumentierte damals, dass die Wall Street zu hoch bewertet sei und die Anleger dir Stärke der Wirtschaft überbewerteten. Zudem habe die US-Notenbank die Zinsen zu lange zu niedrig gehalten. 

Abwärtsprognose verdoppelt

Am Wochenende hat Paul nun nachgelegt und sein Rückschlagpotenzial für die Aktienmärkte auf 50 Prozent verdoppelt: „Ein 50-Prozent-Rückgang ist absehbar. Ich glaube nicht, dass es zehn Jahre dauert. Ja ich denke sogar, dass es noch nicht einmal ein Jahr dauert, sagte er in einem Interview dem Finanzsender CNBC. Dieses Mal sieht er vor allem das „Chaos in Washington“ und den „unberechenbaren Präsidenten“ als größte Belastungsfaktoren für den Aktienmarkt.

Wobei der Republikaner seinem Partei-KollegenTrump nicht die alleinige Schuld an der aktuellen Situation gibt. Die heutigen Probleme seien nicht allein in den vergangenen sechs Monaten entstanden, so Paul, sondern sie wachsen bereits seit sechs bis zehn Jahren an. „Das Fundament unseres Systems ist auf Sand gebaut, ein starker Wind reicht, um es zum Einsturz zu bringen.“ 

An schönen Bildern und Metaphern hat es den Crash-Propheten noch nie gefehlt, da bildet auch Herr Paul keine Ausnahme. Und auch die Erhöhung des Abwärtspotenzials ist praktisch „Standard“ unter den Schwarzmalern. Denn nur so bekommen sie neue Sendezeit. Aber die Begründungen von Paul enthalten nichts, was man nicht schon gefühlte 100 Mal gehört hätte. 

Und was glauben die Anleger?

Warum ich trotzdem über Herrn Paul und seine Prognose berichte? Ganz einfach, weil der Fernsehsender CNBC zu dem Interview-Video mit Herrn Paul eine Umfrage gestartet hat. Die Frage ist ganz einfach, ob die Zuschauer an einen 50-prozentigen Rückgang bei Aktien in den kommenden zwölf Monaten glauben. Ehrlich gesagt, hätte ich damit gerechnet, dass sich maximal zehn Prozent der Befragten einen solchen crash-ähnlichen Kurssturz vorstellen können. Weit gefehlt, tatsächlich glauben 28 Prozent daran. 15 Prozent sind sich nicht sicher und 57 Prozent glauben nicht an minus 50 Prozent. Zusammengefasst sind also nur etwas über die Hälfte aller Befragten davon überzeugt, dass es in den kommenden zwölf Monaten keinen Markteinbruch um 50 Prozent gibt – ist das nicht beängstigend? 

Nein, im Gegenteil. Dieses Ergebnis lässt darauf schließen, dass viele Amerikaner entweder gar nicht oder nur unterdurchschnittlich investiert sind – und das wiederum macht es eher unwahrscheinlich, dass es wirklich zu einem solchen Einbruch kommt. Sie wissen ja, je besser die Stimmung am Aktienmarkt, desto größer die Gefahr eines größeren Kursrutsches – und eben umgekehrt. 

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  • Dennis Pagel -
    Mir schleierhaft, wie man aus einer Fernsehumfrage bei CNBC das herauslesen kann. Da rufen sicherlich keine Profiinvestoren an, sondern eher gelangweilte Normalos, die sonst nix Besseres zu tun haben...
  • Jakob Eidenberger -
    Danke für das erfrischende Fazit!

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