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01.06.2022 von Barron's

Bristol-Myers Squibb: Die Rally fängt gerade erst an

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Bristol-Myers Squibb Co

Von Jacob Sonenshine
Barron’s
Übersetzung: Laura Markus


Bristol-Myers Squibb ist ein Lichtblick in einem sehr schwierigen Markt – und der Aufwärtstrend der Aktie hat gerade erst begonnen. Das Pharma-Unternehmen aus New York könnte in Zukunft hohe Gewinne erzielen. Der S&P 500 sieht sich einem Bärenmarkt gegenüber, aber Bristol hat 2022 um 24 Prozent zugelegt. 


Obwohl dieser Kursgewinn hoch scheint, ist die Bristol-Aktie erst jetzt wieder annähernd auf dem Stand vom August 2016. Die Aktie war wegen einer gescheiterten Studie zu einem Krebsmedikament eingebrochen. Außerdem hatte die Sorge um das ablaufende Patent des Kassenschlagers Revlimid (ein Medikament gegen multiples Myelom) die Aktie unter Druck gesetzt.

Die Bedenken bezüglich des Revlimid-Patents sind zwar nicht verschwunden, aber das Unternehmen scheint jetzt besser für die Übergangszeit gerüstet zu sein. Neue Medikamente sind auf den Markt gekommen und die Pipeline von Bristol ist voller potenzieller Erfolgsprodukte, die verhindern könnten, dass sich so etwas wie 2016 bald wiederholt. Obwohl die Aktie in diesem Jahr zugelegt hat, ist sie immer noch günstig. Nach Jahren des Wartens scheint Bristol langsam wieder zu den Gewinnern zu gehören.

Bristol-Myers Squibb Co (WKN: 850501)

Jedes Gespräch über Bristol muss mit Revlimid beginnen. 2021 erreichte der Umsatz des Medikaments 12,8 Milliarden Dollar und machte etwa 28 Prozent des Gesamtumsatzes des Unternehmens aus. In Bristols letztem Berichtsquartal hat sich der Umsatzrückgang beschleunigt. Das Management führte das bei der Bilanzkonferenz für das erste Quartal 2022 auf eine schneller als erwartete „Abschwächung“ des Revlimid-Umsatzes auf den internationalen Märkten zurück. Laut FactSet erwarten Analysten, dass der Umsatz bis 2027 auf einige hundert Millionen Dollar fallen wird. Aber das hat die Aktie nicht beeinträchtigt. Ihr Kurs ist seit dem Bericht vom 29. April unverändert geblieben.

Bristol, das einen Marktwert von 165 Milliarden Dollar hat, macht diese Umsatzverluste bereits mit neuen Medikamenten wett, denn es hat die Zulassung für den Verkauf neuer Medikamente. Die Food and Drug Administration (FDA) hat Opdualag zugelassen, ein Medikament zur Behandlung metastatischer Melanome. Außerdem wurde Camzyos zugelassen, wissenschaftlich bekannt als Mavacamten. Es wird zur Behandlung eines Herzleidens namens hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie eingesetzt.

„Die Zulassung von Opdualag war gut [für die Aktie], aber noch wichtiger war die erfolgreiche Zulassung von Mavacamten“, so Tim Anderson, Analyst bei Wolfe Research. Anderson zufolge könnte der Umsatz von Opdualag bis 2030 auf 1,1 Milliarden Dollar steigen, verglichen mit sechs Millionen Dollar im ersten Quartal nach der Markteinführung im März. Der Umsatz von Mavacamten könnte auf 3,6 Milliarden Dollar steigen, verglichen mit 18 Millionen Dollar im zweiten Quartal 2022.

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Und Bristol entwickelt bereits weitere Medikamente, um seine Pipeline aufzustocken. Das Unternehmen erwartet Mitte des Jahres die Ergebnisse der Phase-2-Studie für Milvexian, ein Medikament zur Vorbeugung von Sekundärhirnschlägen. Auf seiner letzten Bilanzkonferenz erklärte das Management, dass das Medikament Ende des Jahres in Phase 3 übergehen soll.

Derzeit prognostizieren die Analysten für Milvexian bis 2030 einen Umsatz von weniger als zwei Milliarden Dollar, so Steve Chesney, Analyst bei Atlantic Equities. Diese Prognose würde sich jedoch auf etwa fünf Milliarden Dollar erhöhen, wenn die Studien erfolgreich verlaufen und das Medikament kurz vor der Zulassung steht.

Am 16. November teilte das Management auf einer Investorensitzung mit, dass sich mehr als 50 Medikamente in der frühen Entwicklungsphase befinden, darunter zwölf aus dem Bereich Onkologie. Nicht alle werden Erfolg haben, aber einige schon. Mehr braucht Bristol nicht. „Sie kommen langsam in Fahrt“, meint Evan Seigerman, Analyst bei BMO Capital Markets. Er geht davon aus, dass die Aktie 92 Dollar erreichen wird, was einem Anstieg von 19 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Mittwoch entspricht.

Da sich die neuen Präparate der Zulassung nähern und neue Medikamente im Frühstadium angekündigt werden, könnten die Anleger die Bristol-Aktie neu bewerten. Sie wird zum knapp 10-Fachen der 7,81 Dollar pro Aktie gehandelt, die das Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten voraussichtlich einnehmen wird. Das ist weit weniger als das 34-Fache von Eli Lilly, das 17-Fache von Johnson & Johnson und das 12,7-Fache von Merck. Nur Pfizer ist mit dem 8,5-Fachen günstiger, aber das liegt eher daran, wie Anleger dessen Corona-Impfstoff-Umsätze bewerten.

Der Vergleich mit Merck ist besonders naheliegend. Die Konsensprognosen für Bristol deuten darauf hin, dass die Umsätze von 2022 bis 2027 jährlich um knapp ein Prozent steigen werden und dann voraussichtlich 48,7 Milliarden Dollar erreichen. 19 Milliarden Dollar davon entfallen auf neue Medikamente. Die Umsätze könnten aber noch weiter steigen, wenn sich mehr der neuen Medikamente bewähren. Dann läge das Umsatzwachstum bei etwa drei Prozent, ähnlich wie bei Merck. Das könnte Bristols operative Gewinnspannen bis 2027 von schätzungsweise 41 Prozent auf etwa 46 Prozent steigern, so wie bei Merck.

Das Management erwartet nach eigenen Angaben, dass sich der jährliche Umsatz mit neuen Medikamenten bis 2029 auf 25 Milliarden Dollar belaufen wird.

Wenn die Aktie jedoch ihr durchschnittliches KGV der letzten fünf Jahre von 11,7 wieder erreicht, würde sie bei 91,38 Dollar liegen. Das wäre ein Plus von 18 Prozent gegenüber dem Schlusskurs von letztem Mittwoch. Wenn die Aktie den 13-Fachen Wert von Merck erreicht, würde sie bei 101,53 Dollar liegen, ein Plus von 31 Prozent.

„Die Investoren fühlen sich mit der Pipeline von Bristol immer wohler“, so Dan Eye, Chief Investment Officer der Fort Pitt Capital Group, die die Aktie besitzt.

Und es geht gerade erst los. In Zukunft kann man bei Bristol solide Gewinne erwarten.

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