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Foto: Tesla
24.02.2022 Wall Street Journal

Tesla: Gigafactory Berlin wartet immer noch auf Genehmigung

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Tesla

Von William Boston
The Wall Street Journal
Übersetzung: Laura Markus

BERLIN – Rocco Pigola, ein 59-jähriger Raffinerie-Arbeiter aus Bayern, hat bereits sechs Tesla-Fahrzeuge gekauft. Als er von dem neuen Werk des Elektroautoherstellers in der Nähe von Berlin hörte, bestellte er sofort ein Model Y Performance. 

„Ich will der erste sein, der einen Tesla ‚Made in Germany‘ fährt“, sagte er.

Doch bis dahin müssen er und andere deutsche Fans sich noch gedulden. Laut Tesla sind die Produktionsanlagen installiert und stellen seit Ende letzten Jahres Testfahrzeuge für die Vorproduktion her. Ohne die Genehmigung für den kommerziellen Betrieb kann das Werk seine Produktion jedoch nicht steigern und keine Fahrzeuge verkaufen.

Die Fabrik sollte ursprünglich im Sommer letzten Jahres eröffnet werden. Der Termin wurde jedoch mehrmals verschoben, und es gibt immer noch kein offizielles Eröffnungsdatum.

Analysten und lokalen Behörden zufolge war der Hauptgrund für die Verzögerungen eine Entscheidung von Tesla, die durch die deutschen Bauverfahren erschwert wurde.

Das Werk liegt in Grünheide, einem von Seen und Wäldern umgebenen Dorf in Brandenburg. Laut Analysten ist die Fabrik entscheidend für das Wachstum und die Rentabilität von Tesla. Tesla will in dem Werk, das eine Produktionskapazität von rund 500.000 Fahrzeugen pro Jahr haben wird, zunächst das Model Y bauen. Das geht aus dem Bauantrag von Tesla und den Aussagen des Managements in den letzten zwei Jahren hervor.

Tesla meldete für 2021 einen weltweiten Absatz von 936.222 Fahrzeugen, was einem Anstieg von 87 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Analysten gehen davon aus, dass das Unternehmen in diesem Jahr weltweit bis zu 1,5 Millionen Autos verkaufen könnte. Durch das deutsche Werk kann das Unternehmen die europäischen Automärkte bedienen, ohne auf teure Importe aus seinen Fabriken in China und den USA angewiesen zu sein.

Foto: Börsenmedien AG, BMW

Der letzte geplante Eröffnungstermin war im vergangenen Herbst. Tesla-CEO Elon Musk betonte mehrfach, dass das Werk Ende 2021 mit dem Bau einiger weniger Fahrzeuge beginnen und wahrscheinlich Anfang 2022 mit den Auslieferungen starten würde. Das Hochfahren auf die volle Produktionskapazität würde aber noch Zeit in Anspruch nehmen.

„Die Massenproduktion zu erreichen, wird länger dauern als der Bau der Fabrik. Das wird nicht leicht“, sagte er im Oktober im Werk Grünheide.

In gewisser Weise hat Tesla es geschafft: Das Werk ist betriebsbereit. Das Bundesministerium für Wirtschaft bestätigte im Januar, dass Tesla ein Stück Bahnstrecke gekauft hat, um einen Pendelverkehr zwischen dem nahe gelegenen Erkner und dem Werk zu ermöglichen und den Arbeitern so den Weg zu erleichtern. Die IG Metall hat in der Nähe des Werks ein Büro eingerichtet, um die Belegschaft zu unterstützen. Kunden bestellen bereits Autos, die dort gebaut werden sollen.

Um die kommerzielle Produktion in Gang zu setzen, fehlt nur noch die endgültige Genehmigung.

Einige der Verzögerungen sind durch Einwände von Umweltschützern gegen das Werk zu erklären. Die größte Verzögerung entstand jedoch durch den verspäteten Antrag von Tesla für den Bau einer Batteriefabrik, die nicht im ursprünglichen Genehmigungsantrag angegeben war.

„Das hat sie weitere sechs Monate gekostet“, so Stefan Bratzel, Direktor des Forschungsinstituts Center of Automotive Management. Dennoch sagte er, dass „die Anlage in Rekordzeit gebaut wird“.

Tesla (WKN: A1CX3T)

Die Brandenburger Landesregierung hat die Gesetze zur Beschleunigung des Genehmigungsverfahrens genutzt, die nach der deutschen Wiedervereinigung eingeführt wurden. Der Staat hat eine vorläufige, stufenweise Genehmigung für die Anlage erteilt, sodass Tesla das Werk errichten und einige Fahrzeuge zum Testen der Systeme produzieren kann. Die kommerzielle Produktion ist jedoch erst nach der endgültigen Genehmigung möglich.

Nach deutschem Recht musste Tesla eine Umweltverträglichkeitsstudie vorlegen, zu der die Öffentlichkeit Stellung nehmen konnte. Dabei äußerten Bürger und Umweltverbände Bedenken über die Auswirkungen der Anlage auf die Region. Während der öffentlichen Anhörungen 2020 und 2021 sammelte der Staat mehr als 800 Beschwerden.

Laut Behörden müssen alle Einwände geprüft und die erforderlichen Änderungen an der Anlage vorgenommen werden, um sicherzustellen, dass die endgültige Genehmigung auch nach der offiziellen Eröffnung des Werks rechtlichen Fragen standhalten kann.

Einer Sprecherin des brandenburgischen Umweltministeriums zufolge befindet sich das Genehmigungsverfahren in der Endphase. Einen genauen Termin könne sie jedoch nicht nennen.

Bei einer Genehmigung könnte das Werk dennoch auf Widerstand stoßen. Die Anwohner und Umweltverbände befürchten, dass das Werk und die Dienstleister, die sich dort ansiedeln könnten, zu viel Wasser verbrauchen und die Versorgung der Anwohner beeinträchtigen. Die meisten dieser Klagen wurden von den Gerichten abgelehnt.

Umweltaktivisten haben dagegen geklagt, dass ein Versorgungsunternehmen über ein zweites Wasserwerk mehr Wasser aus dem Boden zieht, um die Tesla-Fabrik zu versorgen. Sollte das Gericht den Klägern recht geben, würde das Versorgungsunternehmen nach eigenen Angaben so große Verluste erleiden, dass die gesamte Gemeinde betroffen wäre.

„Kurz gesagt: Kein Wasser – kein Tesla“, so der Wasserverband Strausberg-Erkner.

Analysten halten es für unwahrscheinlich, dass die Genehmigung für die Fabrik, genannt Giga Berlin, verweigert wird. Eine solche Entscheidung, die Tesla dazu zwingen könnte, das Werk aufzugeben und das Gelände wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen, würde Investoren wahrscheinlich jahrelang vor Deutschland abschrecken.

Der Raffinerie-Arbeiter Rocco Pigola hat im September ein Model Y Performance bestellt und einen voraussichtlichen Liefertermin im Januar genannt bekommen. Im November wurde ihm telefonisch mitgeteilt, dass das Fahrzeug wahrscheinlich nicht vor März fertig sein wird. Und dass es bei dem von ihm gewählten weißen Modell noch länger dauern würde.

„Ich habe mich dann doch für Schwarz entschieden“, sagte er. „Einen festen Liefertermin habe ich aber immer noch nicht.“

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