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17.03.2022 Wall Street Journal

Opec: Weltwirtschaftswachstum und Ölnachfrage durch Ukraine-Krieg in Gefahr

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Von Will Horner
The Wall Street Journal
Übersetzung: Thomas Steer

Der Ukraine-Krieg könnte laut der Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC) das weltweite Wirtschaftswachstum und die Ölnachfrage stark beeinträchtigen. Die OPEC wartet derzeit noch mit der Revision ihrer Prognosen für die Ölnachfrage, das Ölangebot und das Weltwirtschaftswachstum. Grund dafür ist die instabile Lage in der Ukraine.

Der Einmarsch Russlands in die Ukraine wird der Weltwirtschaft wahrscheinlich einen schweren Schlag versetzen – was auch die Ölnachfrage belasten könnte. Aufgrund der sich rasch verändernden Lage sei es jedoch schwierig, die genauen Auswirkungen abzuschätzen, erklärte die OPEC am Dienstag.

In seinem monatlichen Marktbericht revidierte das Ölkartell nicht seine Prognosen für die Ölnachfrage, das Ölangebot und das Weltwirtschaftswachstum. Als Begründung hieß es, durch die sich schnell ändernde, ungewisse Situation in der Ukraine könne die OPEC die weitreichenden Folgen des Konflikts für die weltweiten Energiemärkte nicht genau vorhersagen.

Gleichwohl hat die OPEC unmissverständlich erklärt, dass die Auswirkungen des Krieges auf das Weltwirtschaftswachstum schwerwiegend sein würden und in der Folge auch die Ölnachfrage beeinträchtigen könnten.

Wie das Ölkartell mitteilte, treibe der Ukraine-Konflikt die Rohstoffpreise in die Höhe, was die ohnehin schon hohe weltweite Inflation noch verschärfe. Die Handelsströme, die sich gerade erst von den coronabedingten Lieferkettenengpässen erholt haben, kämen erneut ins Stocken. Und die Entwicklungsländer würden wahrscheinlich die Auswirkungen der Inflation der Lebensmittelpreise zu spüren bekommen. Sollten der Konflikt und diese negativen Auswirkungen anhalten, sei ein Konsumrückgang wahrscheinlich, so die OPEC.

„Die Herausforderungen für die Weltwirtschaft – insbesondere ein verlangsamtes Wirtschaftswachstum, die steigende Inflation und die anhaltenden geopolitischen Turbulenzen – werden sich auf die Ölnachfrage in verschiedenen Regionen auswirken“, heißt es in dem OPEC-Bericht.

In einem seltenen Schritt erklärte die Organisation jedoch, dass die Situation in der Ukraine noch zu unbeständig sei, als dass sie genaue Zahlen zu den Auswirkungen nennen könne. Ihre Prognosen, so die OPEC, für das Wachstum der weltweiten Ölnachfrage, das Wachstum des Nicht-OPEC-Angebots und das globale Wirtschaftswachstum im Jahr 2022 würden auf dem Stand vom letzten Monat bleiben und weiterhin überprüft werden.

Im Februar prognostizierte die OPEC einen Nachfrageanstieg von 4,2 Millionen Barrel pro Tag und rechnete mit einem Anstieg des Nicht-OPEC-Angebots von 600.000 Barrel pro Tag im Jahresvergleich. Außerdem sei mit einem Weltwirtschaftswachstum von 4,2 Prozent zu rechnen.

„In Anbetracht der komplexen Situation, der raschen Entwicklungen und des instabilen Marktes sowie der bislang begrenzten Daten zur Einschätzung der weitreichenden Folgen dieses Konflikts ändern sich die Prognosen fast täglich. Das macht es schwierig, eine konkrete, recht zuverlässige Zahl zu ermitteln“, erklärte die OPEC.

Dieses Vorgehen zeigt erneut, dass der Krieg in der Ukraine das normale Funktionieren der Rohstoffmärkte erschwert. Letzte Woche hat die Londoner Metallbörse den Handel mit Nickel ausgesetzt, einem wichtigen Metall für die Automobil- und Stahlproduktion. Der Stopp erfolgte, nachdem sich die Preise innerhalb von wenigen Stunden verdoppelt hatten.

Der Einmarsch in die Ukraine hat dazu geführt, dass der Westen eine Reihe von Sanktionen gegen die russische Wirtschaft verhängt hat. Dadurch besteht nun die Gefahr, dass die Welt von den reichhaltigen russischen Energieressourcen abgeschnitten wird – und das, obwohl die Ölmärkte bereits angespannt waren und die Preise ein Mehrjahreshoch erreicht hatten. Auch die russischen Lieferungen von Nickel, Aluminium und Palladium sind gefährdet.

Russland ist der weltweit drittgrößte Öllieferant und produziert täglich etwa zehn Millionen Barrel Rohöl, wovon die Hälfte exportiert wird. Die USA haben angekündigt, russische Ölimporte gänzlich zu verbieten. Das Vereinigte Königreich wiederum hat erklärt, dass es russische Öllieferungen bis Ende des Jahres schrittweise einstellen werde.

Selbst in Ländern, die keine Sanktionen verhängt haben, zögern viele Käufer beim Handel mit russischen Rohstoffen. Denn sie befürchten, in neue Beschränkungen verwickelt zu werden oder ihren guten Ruf zu beschädigen. Energieunternehmen haben ihren eigenen Boykott von russischem Öl angekündigt. Gleichzeitig verzichten Tankerreedereien auf rasant steigende Frachtpreise für Fahrten von und zu russischen Häfen, da sie die Risiken scheuen.

Der Preis für ein Barrel Öl, der bereits vor der Invasion der Ukraine gestiegen war, ist seitdem weiter in die Höhe geschossen. Der Rohölpreis der Sorte Brent erreichte letzte Woche den höchsten Schlussstand seit 2008. Grund dafür war die Besorgnis über die russischen Lieferungen.

In den letzten Tagen haben die Sorgen über die steigende Anzahl von Corona-Fällen und erneute Lockdowns in China die Ölrally gedämpft. Am Dienstag verlor die internationale Referenzölsorte Brent 6,5 Prozent und schloss bei 99,91 Dollar pro Barrel. Die US-Referenzölsorte West Texas Intermediate schloss 6,4 Prozent niedriger bei 96,44 Dollar.

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