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20.01.2022 Wall Street Journal

Exxon Mobil: Netto-Null-Emissionen bis 2050

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Exxon Mobil

Von Christopher M. Matthews
The Wall Street Journal
Übersetzung: Stefanie Konrad

Exxon Mobil will seine Treibhausgasemissionen reduzieren oder ausgleichen. Damit hat das Unternehmen auf den Druck der Investoren und der Öffentlichkeit reagiert. Ölproduzenten sollen verstärkt Maßnahmen zum Klimaschutz ergreifen. Exxon will nun die Emissionen aus seinen Anlagen bis 2050 auf Null reduzieren. Das gilt aber nicht für die Emissionen aus der Nutzung seiner Kraftstoffe.

Am Dienstag erklärte der Ölkonzern, er habe detaillierte Pläne zur Emissionsreduzierung für wichtige Anlagen und Standorte entwickelt. Das Unternehmen könne so seinen Übergang zu umweltfreundlicheren Energiequellen rentabel gestalten. Letztes Jahr gab es einen heftigen Streit um die Stimmrechte. Ein aktivistischer Hedgefonds hat daraufhin drei neue Mitglieder in den Vorstand gewählt, nachdem er die Übergangsstrategie von Exxon kritisiert hatte.

In seiner neuen Strategie geht Exxon nicht auf die Emissionen aus der Nutzung seiner Produkte ein – zum Beispiel Benzin und andere Treibstoffe, die aus raffiniertem Erdöl gewonnen werden, oder Erdgas, das in Haushalten verwendet wird. Diese Produkte sind für den Großteil der Emissionen verantwortlich, die auf das Unternehmen zurückzuführen sind. Die Strategie gilt auch nicht für Ölfelder oder andere Anlagen, in die das Unternehmen zwar investiert, die es aber nicht selbst betreibt.

„Wir entwickeln einen umfassenden Fahrplan, um die Treibhausgasemissionen der von uns betriebenen Anlagen auf der ganzen Welt zu reduzieren. Und dort, wo wir nicht der Betreiber sind, arbeiten wir mit unseren Partnern zusammen, um ähnliche Ergebnisse bei der Emissionsreduzierung zu erzielen“, sagte Exxon-CEO Darren Woods.

Bei der Jahreshauptversammlung letzten Mai hat Exxon drei Sitze in seinem Vorstand an den Hedgefonds Engine No. 1 verloren. Dieser war der Ansicht, dass der Energiekonzern schneller handeln müsse, um sich neu aufzustellen und in erneuerbare Energien zu investieren. Nach der Schlappe hat der Vorstand von Exxon ernsthaft über eine Netto-Null-Verpflichtung nachgedacht.

Weitere große Ölkonzerne sind nach dieser Ankündigung sogenannte Netto-Null-Verpflichtungen zur Reduzierung oder zum Ausgleich von Treibhausgasemissionen eingegangen. BP und Royal Dutch Shell haben sich 2020 dazu verpflichtet, und mit der Zeit sind auch die größten amerikanischen Ölkonzerne diesem Beispiel gefolgt. Chevron kündigte im Oktober ein Netto-Null-Ziel an.

Exxon Mobil (WKN: 852549)

Für „Netto-Null“ gibt es keine Standarddefinition. Die Einzelheiten variieren von Unternehmen zu Unternehmen, weshalb einige solche Versprechen als Maßnahme zur Imagepflege abtun.

Unternehmen wollen ihren CO2-Fußabdruck in der Regel auf ein neutrales Niveau senken, indem sie die Emissionen verringern und zu Maßnahmen wie CO2-Kompensation greifen, um die weiterhin entstehenden Emissionen auszugleichen. Einige Analysten behaupten, dass es nicht genügend CO2-Kompensationen gibt, um diese Ziele zu erreichen. Ohne bedeutende technologische Fortschritte können viele Unternehmen das Netto-Null-Ziel nicht erreichen.

Woods erklärte vor kurzem, dass Netto-Null-Verpflichtungen nur der Imagepflege dienen, wenn ein Unternehmen versucht, seine Ziele zu erreichen, indem es Ölreserven an die Konkurrenz verkauft und somit die CO2-Emissionen lediglich verlagert.

Umweltschützer und andere Organisationen kritisieren Ölkonzerne dafür, dass sie sich nicht dazu verpflichten, Treibhausgase aus ihren Produkten, die sogenannten Scope-3-Emissionen, auf Null zu reduzieren. Einige Unternehmen argumentieren, dass sie nicht dafür verantwortlich gemacht werden können, den Verbrauch von Benzin und anderen Kraftstoffen zu reduzieren.

Exxon unterstützt seit Jahren die Ziele des Pariser Klimaabkommens. Ziel des Abkommens ist es, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf weniger als zwei Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen und weiterhin zu versuchen, den Anstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen. Eine Netto-Null-Verpflichtung wurde aber nie eingegangen.

Im Dezember kündigte Exxon an, die unternehmensweiten Treibhausgasemissionen bis 2030 um ungefähr 20 Prozent zu senken. In einem seiner wichtigsten Standorte, dem Permian-Becken in Texas und New Mexico, will das Unternehmen bis 2030 sogar Netto-Null-Emissionen erreichen.

Exxon erklärte am Dienstag, dass es ein unternehmensweites Netto-Null-Ziel für seinen Betrieb erreichen werde, indem es sich auf Energieeffizienzmaßnahmen, die Eindämmung von Methanlecks, die Aufrüstung von Anlagen und die Abschaffung der Entlüftung und des routinemäßigen Abfackelns von Erdgas konzentriert.

Im Gegensatz zu einigen seiner europäischen Konkurrenten hat Exxon nicht in die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien als Geschäftsbereich investiert. Am Dienstag erklärte das Unternehmen aber, dass es weiterhin an der Elektrifizierung seines Betriebs arbeiten werde, indem es dafür erneuerbare oder emissionsärmere Energien nutzt.

Exxon kündigte letztes Jahr an, die Ausgaben für Projekte zur Reduzierung der Kohlenstoffemissionen bis 2027 auf 15 Milliarden Dollar zu erhöhen, anstatt drei Milliarden Dollar bis 2025. Im Februar 2021 hat Exxon eine Tochtergesellschaft gegründet, die sich auf kohlenstoffarme Technologien spezialisiert. Sie soll Technologien wie Kohlenstoffabscheidung und -speicherung, Wasserstoff und Biokraftstoffe kommerzialisieren. Die meisten dieser Geschäftsbereiche sind nach Ansicht von Analysten nicht rentabel. Ohne erhebliche staatliche Unterstützung und technologische Fortschritte könnten sie das auch nicht werden.

Hinweis auf Interessenkonflikte: Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren: Exxon Mobil.

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