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11.01.2022 Wall Street Journal

Wettrennen um das Metaverse: Microsoft und Apple verlieren Mitarbeiter an Meta

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Meta Platforms

Von Aaron Tilley
The Wall Street Journal
Übersetzung: Thomas Steer

Im vergangenen Jahr haben rund 100 Mitarbeiter das Augmented-Reality-Team von Microsoft verlassen. Viele von ihnen sind zu Meta Platforms gewechselt, wie ehemalige Mitarbeiter des Software-Unternehmens mitteilten und aus Online-Jobprofilen hervorgeht. Der Kampf um qualifizierte Arbeitskräfte zum Aufbau des Metaverse wird immer härter. Konkurrenzunternehmen schnappen Microsoft Mitarbeiter weg, die Erfahrung in der Entwicklung der HoloLens haben, Microsofts Augmented-Reality-Headset. Wie ehemalige Microsoft-Mitarbeiter berichten, wird ihnen dabei manchmal das Doppelte ihres bisherigen Gehalts geboten. Microsofts Augmented-Reality-Team zählt rund 1.500 Mitarbeiter, hieß es.

Die LinkedIn-Profile von mehr als 70 ehemaligen Mitarbeitern des HoloLens-Teams zeigen, dass sie Microsoft im vergangenen Jahr verlassen haben. Mehr als 40 von ihnen sind zu Meta (ehemals Facebook) gewechselt. Aus den Jobprofilen auf LinkedIn geht hervor, dass Meta einen großen Vorstoß im Bereich der Augmented-Reality-Technologie unternimmt. 

Unter den ehemaligen Mitarbeitern sind auch einige langjährige Teamleiter. Charlie Han, der für das Kundenfeedback zur HoloLens verantwortlich war, verließ das Unternehmen im Sommer und wechselte zu Meta. Josh Miller, der im Display-Team arbeitete, stieg in den letzten Monaten zum Display-Direktor bei Meta auf. Han und Miller gaben keine Stellungnahme zu ihrem Stellenwechsel ab.

Ein Microsoft-Sprecher sagte, das Unternehmen sei bei Innovationen im Bereich der Metaverse-Technologie seit Jahren führend. Und es „wird auch weiterhin modernste Hardware entwickeln, die noch immersiver, erschwinglicher und in verschiedenen Formfaktoren erhältlich ist.“

Microsoft wollte keine Einzelheiten über sein HoloLens-Team mitteilen. Das Unternehmen sagte aber, dass die Mitarbeiterfluktuation für viele Teams eine ständige Herausforderung sei und Microsoft alles dafür tue, um Mitarbeiter zu halten und bei Bedarf neue einzustellen.

Meta wollte sich nicht zu seinen Methoden der Personalgewinnung äußern.

Es ist nichts Neues, dass sich führende Technologieunternehmen gegenseitig Mitarbeiter abluchsen oder sie kleineren Unternehmen wegschnappen. Auffällig sind aber mittlerweile das Ausmaß und die Geschwindigkeit, mit der große Unternehmen wie Meta versuchen, schnell zu wachsen, so Matt Stern. Er ist Chief Operating Officer bei Mira Labs, einem Start-up, das Unternehmen bei der Einführung von Augmented Reality am Arbeitsplatz unterstützt.

„Das hat die Preise auf dem Markt in die Höhe getrieben“, sagte er. „Es ist schwierig für kleinere Unternehmen, im Wettbewerb mitzuhalten.“

Im Oktober änderte Facebook seinen Namen in Meta und kündigte an, das Unternehmen rund um das Metaverse neu auszurichten. Dafür hat es eine neue Abteilung geschaffen. Die Ausgaben dafür würden den gesamten operativen Gewinn in den Geschäftszahlen für 2021 um etwa zehn Milliarden Dollar schmälern. Um seine Metaverse-Produkte zu entwickeln, wolle das Unternehmen viele neue Mitarbeiter einstellen (darunter 10.000 Neueinstellungen in Europa in den nächsten fünf Jahren).

Meta Platforms (WKN: A1JWVX)

Microsoft ist nicht das einzige Unternehmen, das mit Metas wachsendem Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern konfrontiert ist. Apple verliert ebenfalls Angestellte an Meta. Das berichten ehemalige Microsoft-Mitarbeiter, die zu Meta gewechselt sind, und geht aus LinkedIn-Profilen ehemaliger Apple-Mitarbeiter hervor. Bloomberg hatte schon früher über die Versuche von Apple berichtet, die Personalabgänge zu begrenzen. Apple war zu keiner Stellungnahme bereit.

Das Metaverse ist ein noch weitgehend unverwirklichter virtueller Raum, in dem die Menschen einmal arbeiten, spielen, lernen und einkaufen sollen. Führende Technologieunternehmen wie Microsoft, Meta und Apple investieren Milliarden in die Entwicklung von Hardware und Software für die erweiterte und virtuelle Realität, was den Grundstein dieser neuen digitalen Welt bilden könnte.

Bei der virtuellen Realität tauchen die Nutzer vollständig in eine virtuelle Welt ein – zum Beispiel in ein Videospiel –, wobei sie sich mit einem Headset von der realen Welt abschotten. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens International Data Corporation (IDC) dominierte Oculus von Meta diesen Headset-Markt mit einem Anteil von rund 75 Prozent im Jahr 2021. Im vergangenen Jahr wurden 9,4 Millionen Virtual-Reality-Headsets verkauft – eine Zahl, die laut IDC bis Ende 2022 auf 13,6 Millionen ansteigen könnte.

Bei der erweiterten Realität werden digitale Inhalte wie 3-D-Bilder oder visuelle Anweisungen eingeblendet, während der Nutzer die reale Welt betrachtet. Einige in der Technologiebranche sehen darin größere Absatzmöglichkeiten als in der virtuellen Realität. Die Entwicklung ist jedoch schwieriger. Im vergangenen Jahr wurden nur etwa 325.000 Augmented-Reality-Headsets verkauft. Laut IDC könnte diese Zahl 2022 auf 1,35 Millionen Stück ansteigen.

Die meisten großen Technologieunternehmen planen jetzt die Markteinführung ihrer eigenen Smartglasses. Das sind Brillen in normaler Größe, die einige Funktionen im Bereich der erweiterten Realität bieten. Ingenieure mit Erfahrungen im Bereich der erweiterten und virtuellen Realität haben daher derzeit die Chance auf bessere Jobs und höhere Gehälter. In Stellenangeboten wird der Begriff „Metaverse“ immer häufiger verwendet. Laut dem Jobportal Indeed wurde das Metaverse in Stellenanzeigen im Dezember zehnmal so oft erwähnt wie ein Jahr zuvor.

Microsoft war einer der Pioniere im Bereich der erweiterten Realität. Die HoloLens-Brille wurde vor mehr als fünf Jahren angekündigt und hat sich zu einem der fortschrittlichsten Headsets der Welt entwickelt. Das Unternehmen hat den Fokus zwar auf kommerzielle Anwendungen gerichtet, entwickelt aber auch eine abgespeckte, erschwinglichere Version für Verbraucher. Nach Aussage ehemaliger Microsoft-Mitarbeiter wird die Markteinführung aber wahrscheinlich noch Jahre dauern.

Microsoft (WKN: 870747)

Meta arbeitet ebenfalls an Augmented-Reality-Brillen, was laut ehemaligen Microsoft-Mitarbeitern der Grund für die zahlreichen Neueinstellungen ist. Im September hat das Unternehmen in Zusammenarbeit mit EssilorLuxottica, dem Hersteller von Ray-Ban-Brillen, einen ersten Versuch unternommen, seine eigenen Smartglasses auf den Markt zu bringen. Die Brille bietet vorerst nur grundlegende Funktionen wie die Aufnahme von Fotos und kurzen Videos.

Da Microsoft im Bereich der erweiterten Realität der Konkurrenz einen Schritt voraus ist, sind seine Mitarbeiter besonders attraktiv für Headhunter, sagen Analysten.

„Bis ein anderes Unternehmen ein weiteres Augmented-Reality-Produkt auf den Markt bringt, hat Microsoft immer noch einen riesigen Vorsprung in diesem Bereich“, so Jitesh Ubrani, Forschungsleiter bei IDC.

Microsoft-Chef Satya Nadella kündigte die erste Generation der HoloLens im Jahr 2015 an. Anstatt sein Headset als Spiele- und Unterhaltungsplattform zu vermarkten, hat sich Microsoft darauf konzentriert, es als Produktivitätstool für Arbeitsplätze zu nutzen.

Microsoft hat Milliarden von Dollar in die Entwicklung der Technologie investiert, aber die HoloLens-Headsets, die jeweils 3.500 Dollar kosten, haben sich im Vergleich zu populärer Unterhaltungselektronik kaum verkauft.

Laut IDC hat Microsoft seit der Markteinführung zwischen 200.000 und 250.000 Stück seiner HoloLens ausgeliefert. In Expertenkreisen heißt es, dass einige leitende Angestellte von Microsoft sogar erwogen haben, die Finanzmittel des HoloLens-Programms zu kürzen, bevor das Team dann einen großen Militärauftrag an Land ziehen konnte.

Im vergangenen März erhielt Microsoft einen Auftrag der U.S. Army zur Entwicklung von Augmented-Reality-Headsets, mit denen Soldaten durch Rauch sehen und sich in Einsatzgebieten orientieren können. Laut Microsoft könnte der Vertrag in den nächsten zehn Jahren ein Volumen von mehr als 20 Milliarden Dollar haben.

Nach Angaben ehemaliger Mitarbeiter hat das Unternehmen seitdem nicht mehr genügend Ingenieure eingestellt, um die zusätzliche Arbeit zu bewältigen. Das hat dazu geführt, dass einige Mitarbeiter das Engagement von Microsoft bei der Entwicklung der Technologie in Frage stellen und die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass sie sich auf Angebote der Konkurrenz einlassen.

Beim Projekt mit der U.S. Army traten unerwartete technische Schwierigkeiten auf. Beispielsweise erwies es sich als schwierig, hochwertige Nachtsichtfunktionen in die HoloLens zu integrieren, so die ehemaligen Mitarbeiter. Durch die Personalabgänge könnte es nun schwieriger werden, diese Art von Herausforderungen zu meistern, sagten sie.

Microsoft teilte mit, es habe ein starkes Team und mache Fortschritte bei dem Projekt.

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