01.04.2020 Thomas Bergmann

Jeffrey Gundlach: "Im April wird wieder dieses Gefühl von Panik aufkommen"

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S&P 500

Jeffrey Gundlach ist Chef der Investmentboutique DoubleLine und ein sehr erfolgreicher Hedgefondsmanager. Dank seines feinen Gespürs und der seit Langem herausragenden Performance gilt er an Wall Street als "Bondkönig". Ende 2019 warnte er vor einem Crash am US-Aktienmarkt. Dass er Recht behalten würde, hat er zweifelsohne dem Coronavirus zu verdanken. Seiner Ansicht nach haben die Anleger aber das Schlimmste noch nicht durchgestanden.

Mit der Unsicherheit über die weitere Konjunkturentwicklung werden die Tiefs des US-Börsenbarometers S&P 500 aus dem März in diesem Monat wahrscheinlich unterschritten, sagte Gundlach am Dienstag in einem Webcast zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Märkte und Konjunktur. Die jüngsten Hochs dürften seiner Ansicht nach lange nicht mehr erreicht werden. 

“Ich denke, wir werden auch im April etwas haben, das wieder dieses Gefühl von Panik aufkommen lässt”, erklärte der CEO und Investmentchef von DoubleLine Capital. Der S&P 500 ist im März um 12,5% abgesackt und hat sich damit so schwach entwickelt wie seit Oktober 2008 nicht mehr. Mit dem Kursrutsch kam ein in der Länge beispielloser Bullenmarkt zu Ende.

Börsenindizes in Japan, Europa und Schwellenländern hatten allerdings auch im gerade kollabierten Bullenmarkt nicht mehr die Hochs erreicht, auf die sie mehr als ein Jahrzehnt zuvor geklettert waren. Gundlach geht davon aus, dass den US-Aktienmarkt das gleiche Schicksal erwartet. 

“Er wird lange Zeit nicht mehr dahin kommen, wo er einmal war”, sagte Gundlach, und fügte hinzu: “Besonders auf realer Basis.” Die Prognosen großer US-Banken, dass sich die amerikanische Konjunktur schnell von der kommenden Rezession erholen werde, seien zu optimistisch. Die gegenwärtige gesamtwirtschaftliche Lage erinnere an eine “Depression”. 

Das Gesamtvolumen der US-Konjunkturhilfen und der geldpolitischen Stützungsmaßnahmen dürfte 10 Billionen Dollar erreichen, erwartet Gundlach. Die Arbeitslosenquote in den USA werde auf 10 % anziehen, der Dollar mit der ausufernden Staatsverschuldung an Wert einbüßen. 

S&P 500 (ISIN: DE000DB2KFC3)

Bei Crash-Propheten muss man generell vorsichtig sein. Die meisten warnen schon seit Jahren und haben dann irgendwann einmal Recht. Bei Gundlachs Worten muss der Anleger schon genauer hinhören, hatte der Fondsmanager in der Vergangenheit schon oftmals den Markt richtig eingeschätzt. DER AKTIONÄR sieht ebenfalls noch Abwärtsrisiken für die Aktienmärkte, wobei die geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen einen gewissen Schutz gewähren. Mit der anstehenden Berichtssaison in den USA dürfte aber noch einmal Druck auf die Börsen zukommen.