Einstiegschance – bei diesen 11 Top-Aktien
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12.04.2022 von Barron's

Angst vor einer Rezession? Davor fürchten sich Anleger wirklich

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S&P 500

Von Ben Levisohn
Barron’s
Übersetzung: Stefanie Konrad

Anleger müssen keine Horrorfilme anschauen, um sich zu gruseln. Ein Blick auf das Wachstum reicht völlig. Der S&P 500 ist in der vergangenen Woche um 1,3 Prozent eingebrochen. Mögliche Gründe dafür könnten die Angst vor einem Wirtschaftsabschwung oder Wachstumsängste sein. Die Konjunkturdaten schwächeln, und die Angst wurde durch die kürzliche Umkehrung der Renditekurve noch verstärkt – was oftmals ein Vorbote eines Wirtschaftsabschwungs ist.

Was noch viel schlimmer ist: Die Federal Reserve ist offenbar dazu bereit, die Wirtschaft in eine Rezession zu führen, um die Inflation einzudämmen. Die Fed-Gouverneurin Lael Brainard ist der Meinung, die Notenbank müsse ihre Bilanz verkleinern – und zwar schnell. Ein Blick auf den Dow Jones Transportation Average Index, der in der vergangenen Woche in einen Bärenmarkt abgerutscht ist, reicht aus, um diese Wachstumssorgen zu bestätigen.

Michael Darda, Chefvolkswirt bei MKM Partners, ist da anderer Meinung. Die Wachstumsangst ist ein Relikt aus dem letzten Konjunkturzyklus, als das Wachstum den Trend nur schwer erreichen konnte, und die Inflation nicht einmal annähernd an das 2-Prozent-Ziel der Fed herankam. Wenn der Aktienmarkt wie 2013 oder 2015 einen Sell-off erleben würde, würden sich die Credit Spreads aufblähen, die Anleiherenditen fallen und die Inflationserwartungen sinken – alles Anzeichen dafür, dass die Anleger eine schwächelnde Wirtschaft einpreisen.

Nichts von alledem ist aktuell der Fall. Der ETF iShares iBoxx $ Investment Grade Corporate Bond ist in diesem Jahr um mehr als zehn Prozent eingebrochen, während die Anleiherenditen gestiegen sind. Die Credit Spreads haben sich jedoch nicht allzu sehr vergrößert. Die Inflationserwartungen bleiben weiterhin hoch. Die Preise für Industriemetalle sind nach wie vor stabil. „Das ist nicht das ‚Taper Tantrum’ von 2013 oder die Startpanik von 2015“, schreibt Darda. „Das Problem ist nicht die Wachstumsangst, sondern der Bewertungsdruck.“

Es geht tatsächlich um die Bewertung. Der Markt ist trotz der Volatilität immer noch nicht billig. Der S&P 500 wurde zu Jahresbeginn mit dem 21,5-Fachen der 12-Monats-Gewinnprognose gehandelt, während die Zehnjahresrendite bei 1,5 Prozent lag. Derzeit wird der Index mit dem 19,4-Fachen des Gewinns gehandelt, die Zehnjahresrendite lag Ende letzter Woche jedoch bei 2,7 Prozent. Das bedeutet, dass die Aktien zu Beginn des Jahres um zehn Prozent überbewertet waren und dann wieder auf den Marktwert gesunken sind. Gemäß Dardas Aktien-Risikoprämien-Modell sind sie jetzt aber um 15 Prozent überbewertet.

Damit die Risikoprämie für Aktien wieder ihren gleitenden Fünfjahresdurchschnitt erreicht, müssten seiner Meinung nach die Aktienkurse um mehr als 15 Prozent fallen, die Anleiherenditen um fast einen Prozentpunkt sinken oder die Gewinne um mehr als 18 Prozent steigen – oder eine Kombination aus diesen drei Faktoren.

Besonders deutlich wurde das Bewertungsproblem beim Nasdaq Composite, der letzte Woche mit einem Minus von 3,9 Prozent schloss. Der Index hat in diesem Jahr zwar zwölf Prozent eingebüßt. Er wird aber immer noch mit dem 27,5-Fachen der Gewinne gehandelt – fast zehn Punkte höher als der 17,7-fache Wert des Dow Jones Industrial Average, der die Woche mit einem Minus von 0,3 Prozent beendete.

Noch schlimmer sieht es bei den teuren Wachstumsaktien im iShares Expanded Tech-Software Sector ETF aus, in dem ServiceNow, Snap und Zoom enthalten sind. Dieser wird mit dem 38,8-Fachen des Gewinns gehandelt, nachdem er in der vergangenen Woche um 4,3 Prozent eingebrochen ist.

Die Entwicklung der hoch bewerteten Technologiewerte erinnert Andrew Slimmon, Senior Portfolio Manager bei Morgan Stanley Investment Management, an den Nasdaq im Jahr 2001, als der Index eine gewaltige Bärenmarktrally erlebte. „Es würde mich nicht überraschen, wenn wir bei einigen der Super-Wachstumswerte einen neuen Tiefstand erleben“, sagt er. „Wenn Blasen platzen, bewegen sie sich nicht V-förmig. Ihnen geht plötzlich die Luft aus.“

Daran sollten Sie denken, bevor Sie den Dip kaufen.

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