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06.04.2022 Wall Street Journal

Analysten warnen: Ertragslage ist angespannt

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S&P 500

Von Justin Lahart
The Wall Street Journal
Übersetzung: Stefanie Konrad

2021 haben die steigenden Kosten die Gewinnmargen noch nicht beeinträchtigt. Dieses Jahr sieht es allerdings anders aus. Die Anleger sind seit einem Jahr darüber besorgt, dass die höheren Kosten die Gewinne der Unternehmen erheblich schmälern könnten. Im ersten Quartal scheint das bereits der Fall gewesen zu sein.

Nach Schätzungen von Analysten liegt der Gewinn pro Aktie der Unternehmen im S&P 500 im ersten Quartal nun um 6,4 Prozent über dem Vorjahresniveau, so das Researchunternehmen Refinitiv. Für den Nettogewinn wird ein geringerer Anstieg von 4,3 Prozent erwartet. Darin sind die positiven Effekte der Verringerung der Aktienanzahl der Unternehmen jedoch nicht enthalten.

In der Regel fallen die veröffentlichten Ergebnisse besser aus als die Schätzungen. Daher sollte das tatsächliche Wachstum etwas höher sein. Dennoch liegt es weit entfernt von dem Gewinnanstieg pro Aktie von 32,1 Prozent und dem Nettogewinnplus von 30,1 Prozent im vierten Quartal.

Zudem wird das Wachstum wahrscheinlich langsamer steigen als der Umsatz des S&P 500, den die Analysten aktuell auf 10,9 Prozent schätzen, oder als das US-Bruttoinlandsprodukt. Dieses ist nach Schätzungen der Wirtschaftsexperten von JPMorgan Chase im ersten Quartal ohne Inflationsbereinigung um 10,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Im ersten Quartal waren die Unternehmen mit steigenden Rohstoffkosten konfrontiert. Besonders gravierend war der plötzliche Anstieg der Treibstoffkosten nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine Ende Februar. Langfristig können die Unternehmen diese Kosten an die Verbraucher weitergeben. Da einige Kosten allerdings so plötzlich gestiegen sind – Diesel ist von durchschnittlich 4,03 Dollar pro Gallone im Februar auf 5,11 Dollar im März gestiegen –, konnten die Unternehmen womöglich nicht schnell genug handeln, um die negativen Folgen der Inflation auf ihre Gewinne im ersten Quartal zu verhindern.

Börsennotierte Unternehmen könnten mit einem viel größeren und folgenreicheren Problem konfrontiert sein: einer Kombination aus steigenden Arbeitskosten und einem veränderten Konsumverhalten.

Die Arbeitskosten sind im letzten Jahr gestiegen. Der Beitrag der Unternehmen zur US-Wirtschaft ist allerdings ebenfalls gestiegen. Aus den Zahlen des US-Handelsministeriums, dem Commerce Department, geht hervor, dass die Nachsteuergewinne der Unternehmen – sowohl die der börsennotierten als auch die der privaten Unternehmen – im vergangenen Jahr 10,5 Prozent des BIP ausmachten. Das ist der höchste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1929. Dieser Gewinnanteil könnte jetzt jedoch geringer ausfallen, da die vom US-Arbeitsministerium ermittelte wöchentliche Gesamtlohnsumme für Beschäftigte in der Privatwirtschaft im ersten Quartal um 11,1 Prozent höher war als im Vorjahr.

Die US-Verbraucher geben zudem wieder mehr Geld für Dienstleistungen und weniger für Waren aus. Dies wirkt sich auf die Erträge des S&P 500 aus, da dieser Index mehr Unternehmen enthält, die Waren verkaufen, als in der Wirtschaft insgesamt. Die Situation könnte sich demnach so entwickeln: Unternehmen, die Waren verkaufen, werden mit steigenden Arbeitskosten konfrontiert, da sie bis zu einem gewissen Grad mit Dienstleistungsunternehmen um Arbeitskräfte buhlen. Sie können diese Kosten jedoch angesichts eines langsameren Umsatzwachstums nur schwer weitergeben.

Außerdem könnten die Gewinnmargen auch weiterhin unter Druck stehen, da Arbeitnehmer aufgrund des angespannten Arbeitsmarktes besser verhandeln können, sodass ihre Gehälter mit der Inflation Schritt halten oder sie sogar übertreffen. Analysten gehen davon aus, dass sich das Gewinnwachstum des S&P 500 erholen und im dritten Quartal wieder über dem Umsatzwachstum liegen wird. Das könnte aber auch nur Wunschdenken sein.

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