15.10.2019 Fabian Strebin

Deutsche Bank: Sieht so der Kulturwandel aus?

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Die Deutsche Bank hat 2013 einen Kulturwandel ausgerufen. Es sollte endlich Schluss sein mit den Skandalen und zahlreichen Rechtsstreitigkeiten, die das Image des Finanzinstituts stark angekratzt hatten. Doch wie sich jetzt zeigt, brachte das wenig.

Ein Recherchenetzwerk von Süddeutscher Zeitung, WDR und New York Times hat aufgedeckt, wie die Deutsche Bank ihr Geschäft in China aufbaute. Zwischen 2002 und 2014 kaufte man sich mit Geschenken und Gefälligkeiten Zugang zu Politikern und Managern. Laut interner Dokumente wurden Geschenke im Gesamtwert von 200.000 Dollar verteilt.

Zudem soll die Deutsche Bank einen Berater engagiert haben, der der Familie des damaligen Premiers Wen Jiabao nahestand. Er soll zwei Millionen Euro bekommen haben für seine Hilfe, Anteile an der staatlich kontrollierten Hauxia-Bank zu übernehmen. Weitere 100.000 Dollar sollen an eine mutmaßliche Briefkastenfirma geflossen sein, um ein Treffen zwischen dem damaligen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Staatspräsident Jiang im Februar 2002 zu ermöglichen.

Doch das ist noch nicht alles. Die Bank stellte mehr als einhundert Kinder von bestehenden oder künftigen Geschäftspartnern ein. Meist erhoffte sich die Deutsche Bank im Gegenzug Aufträge. Nicht selten arbeiteten sie bei staatlichen Unternehmen. Auch JP Morgan Chase betriebt diese Praxis in China. 2013 bekam die amerikanische Börsenaufsicht SEC Kenntnis von den Vorgängen. 

Am 22. August kam es zu einem Vergleich. Die Deutsche Bank musste eine Strafe von 16 Millionen Dollar zahlen. JP Morgan Chase kam nicht so glimpflich davon. Die Amerikaner mussten 264 Millionen Dollar berappen.

Auch wenn die Strafe am Ende zu verschmerzen ist: Sie wirft ein Schlaglicht darauf, wie die Deutsche Bank im Ausland Geschäfte machte und versuchte, Marktanteile zu gewinnen. Die SEC hat es dem Geldhaus beim Strafmaß angerechnet, dass kooperiert wurde. Es könnte allerdings neue Probleme geben, falls der Konzern Informationen zurückgehalten haben sollte. 

Der Fall zeigt, dass die Unsicherheit bei der Deutschen Bank groß bleibt, ob nicht weitere Skandale und rechtliche Verwicklungen aus der Vergangenheit auftauchen. Operativ läuft es ohnehin schlecht. Deutschland dürfte sich in der Rezession befinden, was dem Geldhaus, dass sich auf den Heimatmarkt zurückbesinnen wollte, einen Strich durch die Rechnung machen dürfte.

Anleger meiden die Aktie.

Deutsche Bank (WKN: 514000)