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31.07.2022 Martin Mrowka

Zahlen-Flut könnte DAX und Co in der neuen Woche weiter pushen

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MDAX

Dank positiver Nachrichten mehrerer Unternehmen dies- und jenseits des Atlantiks wurden die Konjunktur-, Zins- und Rezessionsängste der Anleger verdrängt. Der DAX hat am Freitag sogar ein kleines Kaufsignal gegeben. Mit dem Höhepunkt der Berichtssaison wird es in der neuen Woche erneut spannend. Zudem blicken die Börsianer auf die neuen US-Arbeitsmarktdaten. Der Wochenausblick.

Der deutsche Aktienmarkt hat dank solider Gewinne am Freitag einen versöhnlichen Wochen- und starken Monatsabschluss verzeichnet. Unerwartet gute Quartalsberichte der US-Schwergewichte Amazon und Apple sorgten für gute Laune unter den Anlegern.

Der DAX kletterte zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit Mitte Juni und ging letztlich bei 13.484 Punkten ins Wochenende und überwand dabei auch die 50-Tage-Linie – ein kleines, wenn auch noch nicht nachhaltiges Kaufsignal (siehe Chart). Auf Wochensicht ergibt hat der DAX 1,7 Prozent zugelegt. Für den Monat Juli steht ein DAX-Gewinn von rund 5,5 Prozent zu Buche. Das war der stärkste Juli-Anstieg seit sechs Jahren. Der MDAX der mittelgroßen Unternehmen gewann in der vergangenen Woche 2,2 Prozent bzw. 4,8 Prozent im gesamten Juli auf 27.364 Zähler.

DAX (WKN: 846900)

Satte Unternehmensgewinne und trübe konjunkturelle Aussichten dürften am deutschen Aktienmarkt auch in der neuen Woche die bestimmenden Themen bleiben. Hinzu kommt jedoch das schwelende Risiko der Gasversorgung. Am Ende der soliden Woche für den deutschen Aktienmarkt wiesen Experten darauf hin, dass die Unternehmensgewinne bis dato besser ausgefallen seien als erwartet. Sie könnten auch in der neuen Woche die Stimmung aufhellen.

Die Anleger hätten den Krieg in der Ukraine zwar weiter auf dem Radar, schreiben die Experten von LBBW. "Im Fokus der Finanzmärkte steht aber der Gasfluss nach Europa". Denn Wohl und Wehe der deutschen Wirtschaft hingen am russischen Gashahn – zumindest ein beachtlicher Teil.

"Die Gas-Krise treibt Deutschland wahrscheinlich in die Rezession", schreibt Robert Greil, Chefstratege bei der Privatbank Merck Finck zu den wirtschaftlichen Aussichten. Vor allem im Winter rechnet er deshalb mit einem "spürbaren Rückgang" der deutschen Wirtschaftskraft.

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Wichtige Konjunktursignale

Vor diesem Hintergrund stehen auch inmitten der Berichtssaison Konjunkturdaten im Fokus. Sowohl der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe am Montag als auch der für den Dienstleistungssektor am Mittwoch dürften das Bild in den USA weiter eintrüben, schätzen die Experten von LBBW. Sie richten ihren Blick zudem auf die Bank of England, die am Donnerstag "vor ihrer ersten 'großen' Zinsanhebung seit 27 Jahren" stehe. Der Arbeitsmarktbericht in den Vereinigten Staaten rundet das Programm am Freitag als "US-Daten-Highlight" ab, wie Robert Greil von Finck Merck schreibt.

Dass es angesichts der vielen konjunkturellen Risiken auch am deutschen Aktienmarkt bergab gehe, sei derweil nicht ausgemacht, schreibt Markus Reinwand, Aktienstratege der Helaba. Der deutsche Ltindex habe bereits viel Negatives eingepreist – und bewege sich mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis auf dem Niveau der Finanzkrise von 2008. Unternehmensgewinne hätten sich auch bei den zwölf DAX-Konzernen robust gezeigt, die ihre Bücher bis dato geöffnet haben – bis auf eines hätten alle über den Erwartungen gelegen.

15 DAX-Konzerne mit Quartalszahlen

In der neuen Woche steuert die Berichtssaison hierzulande ihrem Höhepunkt entgegen – fast der halbe DAX öffnet seine Bücher. Den Start machen am Montag Fresenius, FMC und Symrise. Der Duftstoff- und Aromen-Hersteller sei gut aufgestellt, um auch in schwierigen Zeiten gute Ergebnisse zu liefern, schreibt Analyst Thomas Swoboda von Societe Generale. Symrise profitiere dabei unter anderem von einer aktiven Preispolitik. Covestro folgt mit seinen Zahlen am Dienstag, nachdem der Spezialchemie-Konzern am Wochenende mit einer weiteren Prognosesenkung aufwartete.

Am Mittwoch richtete sich der Blick neben Vonovia in Berlin vor allem ins Bayrische: Hier legen Siemens Healthineers, BMW und Infineon ihre Zahlen vor. Beim letzteren ist das Gros der Analystenzunft weiter zuversichtlich. Die Resultate dürften mindestens so gut wie vom Markt erwartet ausfallen, eher besser, schrieb Analyst Sandeep Deshpande von JPMorgan.

Nach Zalando, Merck, Bayer, Adidas und Beiersdorf am Donnerstag komplettieren die Deutsche Post und Allianz am Freitag das üppige Programm. Beim Versicherer rechnen viele Analysten mit soliden Ergebnissen ohne großes Überraschungspotenzial. Weil Versicherungskonzerne nicht direkt von der Realwirtschaft abhingen, sei das Risiko im Falle einer Rezession begrenzt, schreibt Analystin Claudia Gaspari von Barclays.  (Mit Material von dpa-AFX)

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