07.08.2019 Martin Mrowka

Wirecard, Munich Re, Commerzbank, Pro7... – etliche Quartalszahlen lassen DAX und Co. anfangs steigen

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DAX
Trendthema

Während es in den zurückliegenden Stunden zu keiner weiteren Eskalation im Handelsstreit kam, stehen viele Quartalszahlen im Fokus. Aus dem DAX melden Wirecard, MunichRe, Continental und E.on ihre Zahlen. Im MDAX stehen unter anderem Commerzbank und Pro7Sat.1 im Vordergrund. Insgesamt geht es anfangs mit den Aktienindizes aufwärts.

Die Kurserholung an der Wall Street am Vorabend dürfte am Mittwoch am deutschen Aktienmarkt zumindest weitere Kurseinbußen zunächst verhindern. Der Dow Jones hatte sich im späten Handel von seinen vorherigen Verlusten erholt und war wieder über die runde Marke 26.000 Punkte gestiegen. Der DAX wurde kurz vor Xetra-Handelsauftakt 0,8 Prozent im Plus gesehen bei 11.658 Punkten.

Die jüngste Eskalationsspirale im Handelskrieg zwischen den USA und China hatte den Dax in den vergangenen Tagen deutlich nach unten gezogen. "Die Märkte sind zurecht verunsichert", kommentierte der Vermögensverwalter DWS. Denn mit den von den USA angekündigten weiteren Strafzöllen auf Importe aus China steige das Risiko, dass Peking das Interesse an einer raschen Lösung des Konfliktes verliert. Stattdessen könnte China einen Machtwechsel in den USA abwarten und notfalls die USA sogar gezielt provozieren, um eine Wiederwahl Trumps zu verhindern. - Folgende Themen dürften heute Einfluss auf die Kurse nehmen.

Vorgaben aus den USA

Von ihrem bislang schlimmsten Tag des Jahres zum Wochenbeginn haben sich die New Yorker Börsen am Dienstag gut erholt. Der Dow Jones Industrial ging mit plus 1,2 Prozent und 26.029 Punkten knapp unter seinem Tageshoch aus dem Handel. In den vergangenen vier Sitzungen hatte der Leitindex wegen der Zuspitzung im Handelsstreit fast fünfeinhalb Prozent eingebüßt. Nach den hohen Kursverlusten seit dem Monatswechsel sei der Markt überverkauft und reif für eine Gegenbewegung gewesen, analysierten die Experten vom Börsenstatistik-Magazin Index Radar.

Vorgaben aus Fernost

Asiens wichtigste Börsen haben sich nach den Kurseinbußen der vergangenen Tage am Mittwoch etwas stabilisiert. Am Markt dominierte die Erleichterung, dass sich der Handelskonflikt zwischen den USA und China zumindest vorerst nicht weiter verschärft. Dass Chinas Notenbank den Mittelkurs des Yuan zum US-Dollar nach einer starken Abwertung am Montag und einer leichten Erholung am Dienstag nun wieder etwas niedriger festlegte, beunruhigte die Anleger zunächst nicht. Allerdings schauten sie weiter nervös auf eine mögliche Eskalation des Handelsstreits, schriebAnalyst Craig Erlam vom Broker Oanda. In Japan fiel der Nikkei 225 um 0,3 Prozent auf 20.516 Punkte.

Der chinesische CSI 300 schaffte zuletzt ein knappes Plus von 0,1 Prozent auf 3.639 Punkte. Er beendete damit eine fünftägige Verlustserie. Der Hongkonger Hang-Seng-Index, der zuletzt auch unter den weiter heftigen Protesten gegen die Regierung der chinesischen Sonderverwaltungszone gelitten hatte, verlor am Mittwoch lediglich noch 0,1 Prozent auf 25.960 Zähler.

Handelsstreit zwischen USA und China

Im zuletzt eskalierten Handelskrieg zwischen den USA und China hat US-Verteidigungsminister Mark Esper Peking eine "räuberische" Wirtschaftspolitik vorgeworfen. China verstoße damit gegen die internationale regelbasierte Ordnung, "die wir aufrechtzuerhalten versuchen", sagte Esper bei einem Treffen mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe in Tokio. Esper warf China zudem "militärische Aggression" vor. "China destabilisiert weiterhin die Region", sagte Esper laut Kyodo bei seiner ersten Auslandsreise als neuer US-Verteidigungsminister.

Derweil haben 46 Staaten ein UN-Abkommen zur Lösung kommerzieller Konflikte unterschrieben. Die sogenannte Singapur-Konvention wurde am Mittwoch in dem südostasiatischen Stadtstaat unterzeichnet. Die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik sind bei den Erst-Unterzeichnern ebenfalls dabei. Die Europäische Union (EU) muss erst noch entscheiden, ob sie als Ganzes mitmacht oder ob Mitgliedsländer einzeln unterschreiben.

Konjunkturdaten

Zahlen zur Industrieproduktion in Deutschland standen bereits um 8 Uhr auf der Agenda. Die deutsche Industrie hat ihre Produktion im Juni demnach deutlich zurückgefahren. Im Vergleich zum Vormonat ging die Herstellung des verarbeitenden Gewerbes um 1,5 Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Der Rückgang war dreimal so stark wie Analysten im Mittel erwartet hatten. Zudem wurde der Zuwachs im Vormonat von 0,3 auf 0,1 Prozent nach unten angepasst.  Aus den USA kommen um 21 Uhr deutscher Zeit noch Juni-Zahlen zu Konsumentenkrediten.

Quartalszahlen aus dem DAX

Aus Unternehmenssicht dürften erneut Quartalszahlen für Kursbewegung sorgen. So hat der Zahlungsdienstleister Wirecard kann weiter auf den Boom beim Onlineshopping zählen und erhöhte nach guten Quartalszahlen zum zweiten Mal in diesem Jahr sein Ergebnisziel für 2019. Auch für den Umsatz im kommenden Jahr zeigte sich das Unternehmen optimistischer als bisher. Die Aktien stiegen im vorbörslichen Geschäft auf der Handelsplattform Tradegate im Vergleich zum Xetra-Schlusskurs vom Vortag um gut ein Prozent.

Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re hält trotz eines knappen Milliardengewinns im zweiten Quartal an seinen Zielen fest. Für das laufende Jahr rechnet Vorstandschef Joachim Wenning weiterhin mit einem Überschuss von rund 2,5 Milliarden Euro, wie der DAX-Konzern am Morgen in München mitteilte. Für das kommende Jahr sieht Wenning die Munich Re auf Kurs, den Gewinn auf 2,8 Milliarden Euro zu steigern.

Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental hat im abgelaufenen zweiten Quartal wegen der Branchenschwäche auch unter dem Strich kräftig Federn lassen müssen. Der auf die Aktionäre entfallende Gewinn sackte um 41 Prozent auf 484,8 Millionen Euro ab.

Der schwierige britische Markt bereitet dem Energieriesen Eon weiterhin Probleme und hat im ersten Halbjahr für einen Ergebnisrückgang im Geschäft mit Kundenlösungen gesorgt. Vor allem die neu eingeführte Preisobergrenzen führte dort zu deutlichen Einbußen, teilte der Essener Konzern am Mittwoch mit. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Umsatz im ersten Halbjahr zwar um rund 5 Prozent auf 16,1 Milliarden Euro. Das bereinigte Ebit sank allerdings im Vergleich zum starken Vorjahr um 12 Prozent auf rund 1,7 Milliarden Euro. Die E.on-Aktie bewegt sich vorbörslich kaum.

Quartalszahlen aus anderen Indizes

Belastet vom Zinstief und faulen Krediten hat die Commerzbank im zweiten Quartal nur dank geringerer Steuern einen Gewinneinbruch verhindern können. Unter dem Strich stand ein Überschuss von 271 Millionen Euro und damit eine Million weniger als ein Jahr zuvor, wie das im MDAX gelistete Institut mitteilte. Das war deutlich mehr als von Analysten im Schnitt erwartet. Der operative Gewinn brach hingegen stärker als gedacht um ein Viertel auf 298 Millionen Euro ein. Die CoBank-Aktie gab vorbörslich nach.

Hohe Investitionen in das Entertainment-Geschäft und sinkende TV-Werbeeinnahmen haben dem Medienkonzern ProSiebenSat.1 im zweiten Quartal einen deutlichen Gewinnrückgang eingebrockt. Der Umsatz stieg unerwartet stark um vier Prozent. Die Anteilsscheine legten auf Tradegate kräftig zu.

Beim Chemikalien-Händler Brenntag hinterlässt die konjunkturelle Abschwächung in Folge der Handelskonflikte deutliche Spuren. Der Umsatz legte im zweiten Quartal nur dank positiver Währungseffekte um 1,2 Prozent zu. Der auf die Aktionäre entfallende Gewinn lag etwas über Vorjahr. Im Juni hatte Brenntag sein Gewinnziel für das Gesamtjahr 2019 gekappt. Auf Tradegate verteuerten sich die Papiere um 1,5 Prozent.

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport profitiert weiter von der anhaltenden Reiselust. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um gut 15 Prozent, der Gewinn zog um 13 Prozent an. Das Ergebnis fiel damit in etwa wie von Experten erwartet aus. Der Konzern bestätigte zudem seine Jahresziele. Die Aktien kletterten auf Tradegate um 0,5 Prozent nach oben.

Auch folgende Unternehmen wollen heute ihre Quartalszahlen präsentieren: ABN Amro, Ahold Delhaize, Dürr, ElringKlinger, Glencore, Hapag-Lloyd, Medigene, Morphosys, Porsche, Toshiba, Unicredit und Voestalpine.

Metro-Frist läuft ab

Der Kampf um den Handelskonzern Metro geht in die Schlussphase: Heute um Mitternacht läuft die Annahmefrist für das freiwillige Übernahmeangebot des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky ab. Zum 5. August konnte das Bieterkonsortium EPGC des Investors lediglich rund 36,5 Prozent der Aktien einsammeln, hieß es in einer Mitteilung vom Dienstag.

Der Milliardär bietet den Metro-Aktionären einen Preis von 16 Euro je Stammaktie und 13,80 Euro je Vorzugsaktie. Er bewertet den Handelskonzern demnach mit rund 5,8 Milliarden Euro. Das Angebot ist allerdings an die Bedingung geknüpft, dass Kretinsky sich damit mindestens 67,5 Prozent aller Stammaktien sichern kann.

Mit Material von dpa-AFX