11.12.2019 Nikolas Kessler

Wirecard: Langsam wird es filmreif

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Der Schlagabtausch zwischen Wirecard, Financial Times (FT) und Leerverkäufern hat längst das Zeug zum Thriller. Dabei dürfen natürlich auch Geheimagenten nicht fehlen – und genau die kommen jetzt auch noch ins Spiel.

Laut einem neuen Bericht der FT seien Wirecard-Kritiker und Investoren von Privatermittlern beschatten worden. Ziel der Maßnahme sei es gewesen, Beweise für Manipulationsversuche am Kurs der Wirecard-Aktie zu sammeln. Die FT beruft sich dabei auf zwei namentlich nicht genannte Personen, die mit der Operation vertraut seien.

Hier geht's zum FT-Artikel (Paywall)

Den Auftrag für die Überwachung mit dem Codenamen „Palldium“ soll Rami El Obeidi, ehemals Chef eines libyscher Geheimdiensts und nach eigenen Angaben Wirecard-Aktionär, gegeben haben. Durchgeführt worden sei sie von zwei privaten Sicherheitsdiensten, Sloan Risk Group aus London und APG Protection aus Manchester.

Aus Foto-Aufnahmen und Dokumente, die der FT vorliegen, gehe hervor, dass mindestens acht Personen überwacht wurden. Darunter neben Hedgefonds-Manager und Shortseller Crispin Odey unter anderem auch Matt Earl und Fraser Perring, die Co-Autoren des berüchtigten Zatarra Reports.

Von einem weiteren Investor namens Nick Gold wurden Tonaufnahmen gemacht, in denen er über weitere Negativ-Berichte über den Zahlungsabwickler spricht. Dabei könnte es sich um jene „unwiderlegbare Beweise“ handeln, auf die Wirecard selbst im Juli den Vorwurf einer „Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern der Financial Times und Short Sellern“ stützte (DER AKTIONÄR berichtete).

Weitere Investoren, die in der Vergangenheit auf fallende Kurse der Wirecard-Aktie spekuliert haben, gaben gegenüber der FT an, verfolgt und fotografiert worden zu sein. Einer haben sogar einen GPS-Tracker in seinem Fahrzeug gefunden. Auch der Name von FT-Autor Dan McCrum sei im Zusammenhang mit den Beschattungen gefallen.

Wer steckt dahinter?

Wirecard hat gegenüber der FT jegliche Beteiligung oder Unterstützung derartiger Überwachungsmaßnahmen zurückgewiesen. Pikant allerdings: Im Zusammenhang mit dem Zatarra-Skandal im Jahr 2016 hat die damals von Wirecard beauftragte Anwaltskanzlei Jones Day den Einsatz von Detektiven „in begrenztem und legalen“ Umfang eingeräumt. 

Wirecard (WKN: 747206)

Am Mittwoch geht es für die Wirecard-Aktie daraufhin weiter abwärts. Bereits in den beiden Vortagen hatten neue Fragen zur Bilanzierung und Berichte über eine neue Short-Position des Hedgefonds TCI für kräftige Verluste gesorgt. Der Kurs ist kurzzeitig bis auf 104,60 Euro abgerutscht – der tiefste Stand seit April.

Das zeigt einmal mehr, dass die Comeback-Wette auf die Wirecard-Aktie allenfalls von risikobewussten Anlegern eingegangen werden sollte.

Hinweis nach §34 WPHG zur Begründung möglicher Interessenkonflikte: Aktien oder Derivate, die in diesem Artikel besprochen / genannt werden, befinden sich im "Real-Depot" von DER AKTIONÄR.