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Foto: Toyota
11.01.2022 Wall Street Journal

Tesla, Ford, GM, Rivian & Co: Wer kann mit seinen E-Autos überzeugen?

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Ford Motor

Von Ben Foldy und Nora Eckert
The Wall Street Journal
Übersetzung: Laura Markus


Das Rennen um Elektroautos wird immer spannender: Sowohl Ford als auch General Motors haben neue E-Pickups vorgestellt. In den nächsten zwei Jahren wollen Autohersteller zahlreiche neue Elektromodelle auf den Markt bringen. Jetzt müssen sie aber noch die Verbraucher überzeugen, auf E-Autos umzusteigen. Welcher Autobauer fährt auf der Überholspur?

Die Führungskräfte der Automobilindustrie haben in den letzten Jahren über ihre Ambitionen gesprochen und Milliarden von Dollar investiert, um mehr Elektrofahrzeuge in ihre weltweiten Produktpaletten aufzunehmen. Doch bisher fand der Wandel meist hinter den Kulissen statt, wo Ingenieure und Designer die nächste Fahrzeuggeneration entwickelten.

Im kommenden Jahr werden die Autokäufer diese Bemühungen in den Autohäusern sehen können. Laut den Analysten der Bank of America planen die Autohersteller, in den nächsten zwei Jahren Dutzende neuer Elektromodelle in verschiedenen Ausführungen und zu unterschiedlichen Preisen auf den Markt zu bringen.

Mit der Einführung dieser Elektroautos verlagert sich der Druck auf die Autohersteller von der Entwicklung auf die Überzeugung der Verbraucher, sie zu kaufen.

Ford teilte am Dienstag mit, dass es die Produktion seines neuen Elektro-Pickups F-150 Lightning drastisch ausweitet – und zwar um fast das Doppelte, da die Zahl der Vorbestellungen höher ist als erwartet. Der Pickup Truck wird im Frühjahr in begrenzter Stückzahl in den Verkauf gehen.

Die Ford-Aktie stieg daraufhin rasant an, wodurch der Marktwert des Unternehmens zum Börsenschluss am Freitag auf 97,6 Milliarden Dollar stieg. Damit übertraf sie GM und den Börsenneuling Rivian.

GM stellte am Mittwoch seinen eigenen Elektro-Pickup vor: eine batteriebetriebene Version des beliebten Chevy Silverado. Laut der Vorstandsvorsitzenden Mary Barra sollen in den nächsten zwei Jahren etwa zehn Elektromodelle auf den Markt kommen – bisher hat GM nur zwei.

Der Autohersteller Stellantis, zu dem Jeep, Ram und andere Automarken gehören, will die Fahrzeuge der fast 100 Jahre alten Marke Chrysler bis 2028 komplett auf Elektroantrieb umstellen. Der Autokonzern hat außerdem einen Vertrag mit Amazon über den Verkauf von E-Lieferwagen abgeschlossen. Damit steht er in Konkurrenz zu Rivian, das ebenfalls E-Lieferwagen an den Online-Händler verkaufen wird.

Die Rivian-Aktie fiel nach dieser Meldung am Mittwoch um elf Prozent und lag dadurch zum ersten Mal seit dem Börsengang kurzzeitig unter dem IPO-Preis von 78 Dollar pro Aktie. Sie schloss am Freitag bei 86,28 Dollar.

Eine Sprecherin von Rivian sagte, dass das Stellantis-Geschäft für die gesamte Branche eine gute Nachricht sei und dass Rivians eigene Amazon-Partnerschaft weiterhin floriere und wachse.

Ford Motor (WKN: 502391)

Die Umstellung auf Elektromobilität verschärft den Kampf zwischen den traditionellen Autoherstellern und den Newcomern, die in das mehr als hundert Jahre alte Automobilgeschäft einsteigen.

Alteingesessene Autokonzerne wie GM, Volkswagen und Toyota haben viel Geld, gut ausgebaute Lieferketten und Expertise im Fahrzeugbau, was ihnen die Umstellung erleichtert.

Bis vor kurzem setzten die Anleger jedoch vor allem auf Tesla und andere Start-ups, die sich ausschließlich auf E-Fahrzeuge konzentrieren. Diese Unternehmen haben in den letzten Jahren Milliarden von Dollar aufgebracht und stehen nicht vor der finanziellen Herausforderung ein Unternehmen umgestalten zu müssen, das auf Benzinmotoren spezialisiert ist. Tesla war bei Börsenschluss am Freitag mehr als eine Billion Dollar wert und ist damit der wertvollste Autohersteller der Welt.

Trotz aller Begeisterung müssen die neuen und alten Autofirmen die Verbraucher erst noch davon überzeugen, auf E-Autos umzusteigen.


Foto: Tesla

Die Verkäufe von Elektrofahrzeugen sind im Aufschwung und stiegen 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 88 Prozent. Dennoch machen sie nur etwa 3,2 Prozent des gesamten US-Automarktes aus, so das Forschungsunternehmen Motor Intelligence.

Tesla hat einen deutlichen Vorsprung vor der Konkurrenz. Die weltweiten Verkaufszahlen des Unternehmens stiegen letztes Jahr um 87 Prozent auf rund 986.000 Fahrzeuge.

Allein in den USA hat Tesla 2021 rund 352.500 Fahrzeuge verkauft, was etwa 72 Prozent des gesamten Absatzes von E-Fahrzeuge entspricht, so die Einschätzung des Marktforschungsunternehmens Motor Intelligence.

Im Gegensatz dazu verkaufte Ford 2021 rund 27.000 E-Fahrzeuge und GM rund 25.000. Für beide Unternehmen entspricht das weniger als zwei Prozent ihres Gesamtabsatzes in den USA.

Der Absatz von Elektrofahrzeugen stieg 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 88 Prozent, macht aber nach Angaben von Motor Intelligence immer noch nur etwa 3,2 Prozent des gesamten US-Automarktes aus

Tesla (WKN: A1CX3T)

E-Autos lassen sich nach wie vor nur schwer verkaufen, unter anderem weil Ladestationen nicht flächendeckend verfügbar und Benziner günstiger sind - auch wenn Steuervorteile E-Fahrzeuge für Verbraucher attraktiver machen sollen.

„Wir führen viele Beratungsgespräche über E-Autos“, so Ryan Gremore, Vorsitzender von O'Brien Auto Team in Illinois. „Aber die Kunden kommen nicht zu uns und sagen: ‚Ich will unbedingt ein E-Auto.‘"

Das hat den Ehrgeiz der Autoindustrie jedoch kaum gebremst. Immerhin müssen mehr emissionsfreie Fahrzeuge produziert werden, um die weltweit strengeren Vorschriften zur Luftreinhaltung zu erfüllen.

Und je größer das Angebot, desto stärker ändert sich die Einstellung der Käufer. Eine Umfrage des Beratungsunternehmens AlixPartners vom August ergab, dass 19 Prozent der befragten US-Amerikaner mit großer Wahrscheinlichkeit beim nächsten Autokauf ein Elektroauto kaufen werden. 2019 waren es noch fünf Prozent.

„Bei E-Fahrzeugen geht es im Moment weniger um die Nachfrage als um das Angebot", sagte Dan Levy, Analyst bei Credit Suisse.

Brad Sowers, ein Autohändler in Missouri, sagte, dass der Wirbel um Elektrofahrzeuge mehr Interesse bei seinen Kunden weckt. Sowers habe innerhalb einer Stunde nach der Vorstellung des neuen elektrischen Silverado 30 Bestellungen erhalten. Der neue Truck wird erst Anfang 2023 in den Handel kommen.

Der Finanzmanager Weston Wellington sagte, er sei bereit, seinen nächsten Truck elektrisch zu betreiben, da die Leistung besser sei als bei Pickups mit Verbrennungsmotor. Er tendiert zum neuen R1T-Elektrotruck von Rivian, aber der neue batterieelektrische Silverado hat es ihm auch angetan.

„Ich weiß nicht, welchen ich nehmen soll", sagte Wellington. „Ich glaube aber, dass es eine große Auswahl geben wird."

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