16.07.2019 Maximilian Völkl

Siemens macht den nächsten Schritt – zieht die Aktie jetzt nach?

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Am Montag hat Siemens-Chef Joe Kaeser gemeinsam mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer von der CDU und Reimund Neugebauer, dem Chef der Fraunhofer-Gesellschaft, den „Zukunftspakt für Görlitz“ unterzeichnet. Gegründet wurde damit eine Wasserstoff-Allianz, mit der die Zukunftstechnologie in Deutschland deutlich vorangetrieben werden soll.

Siemens will dabei zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Einerseits kann der Standort Görlitz erhalten bleiben, der wegen der Probleme im Turbinengeschäft geschlossen werden sollte. Siemens umgeht damit die harsche Kritik, die Arbeitnehmer, Politiker und sogar Aktionäre an den Plänen geäußert hatten. Andererseits wird die sogenannte Power-to-Gas-Technologie – also die Umwandlung von Strom zu Wasserstoff – immer wichtiger.

Viel Forschungsbedarf

„Die Wasserstoffwirtschaft wird das Wachstumsthema in der Welt in den nächsten Jahrzehnten sein“, ist sich Siemens-Energie-Forschungschef Armin Schnettler gegenüber dem Handelsblatt sicher. Dazu investieren die Partner nun zunächst 30 Millionen Euro in den Ausbau des Standorts Görlitz. Zunächst einmal sollen vor allem Fragen wie Lebensdauer, Wartung oder Nutzungsstunden pro Jahr der Elektrolyseure erforscht werden. Mit Elektrolyse kann überschüssiger Strom in Wasserstoff umgewandelt werden.

Siemens will dafür sorgen, dass Deutschland hier eine führende Rolle einnimmt. „Wir müssen es schaffen – anders als bei Photovoltaik –, die Kompetenzen in Deutschland zu halten“, so Schnettler weiter. Wasserstoff sei deshalb eine Kerntechnologie von Siemens – auch wenn die Auswirkungen auf die Bilanz bislang noch überschaubar sind.

Siemens (WKN: 723610)

Siemens positioniert sich früh beim potenziellen Megatrend Wasserstoff. Das macht Sinn. Die tolle Kursentwicklung von Wasserstoff-Spezialisten wie Nel oder Hydrogenics an der Börse zeigt, wie viel Fantasie in dem Thema steckt. Klar ist aber auch, dass es noch viel Zeit und Forschung benötigt, bis positive Impulse in der Bilanz zu erwarten sind. Die Siemens-Aktie bleibt derzeit eine Halteposition.