19.09.2019 Nikolas Kessler

Rocket Internet: Starke Zahlen, aber…

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Rocket Internet
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Starke Halbjahreszahlen haben der Aktie von Rocket Internet am Donnerstagvormittag spürbaren Rückenwind verliehen. Inzwischen ist sie allerdings ins Minus abgerutscht und gehört mit einem Abschlag von rund eineinhalb Prozent zu den Schlusslichtern im MDAX. Was ist passiert?

Die guten Nachrichten zuerst: Rocket Internet hat im ersten Halbjahr 2019 kräftige Zuwächse bei Umsatz und Gewinn verzeichnet. Die Erlöse stiegen zwischen Januar und Juni um ein Drittel auf 32 Millionen Euro. Der Gewinn nach Steuern hat sich im selben Zeitraum sogar beinahe verdoppelt, von 297 Millionen Euro im Vorjahr auf nun 548 Millionen Euro. Das entspricht einem Gewinn pro Aktie von 3,65 Euro. Die vollständige Unternehmensmeldung finden Sie hier.

Den Netto-Cash-Bestand bezifferte das Unternehmen zum Stichtag 31. August auf drei Milliarden Euro. Den Wert der börsennotierten Beteiligungen wie Global Fashion Group, Jumia oder Home24 gibt Rocket Internet zu diesem Termin mit 0,4 Milliarden Euro an.

Rocket Internet

Darum fällt die Aktie trotzdem

Mit den Kennzahlen zu Umsatz und Gewinn hat Rocket Internet die Erwartungen der Analysten übertroffen. Zudem lobten die Experten den nach wie vor üppigen Cash-Bestand, der für neue Investitionen in junge Unternehmen zu Verfügung stehen.

Das ist jedoch der Knackpunkt: Während die Start-up-Schmiede in den letzten Jahren zahlreiche Beteiligungen in die Eigenständigkeit entlassen hat, fehlt langsam der Nachschub am andere Ende der Pipeline. Zwar betont CEO Oliver Samwer, dass seit Januar 2018 bereits 15 neue internetbasierte Geschäftsmodelle inkubiert wurden. Auf das „nächste große Ding“ warten die Anleger allerdings immer noch.

Dass Samwer in der anschließenden Analystenkonferenz die Erwartungen an schnelle weitere Börsengänge von Beteiligungen gedämpft hat, kommt vor diesem Hintergrund nicht überraschend – hat aber dennoch dazu beigetragen, dass die Aktie ihre anfänglichen Gewinne abgeben musste.

Doch kein Delisting?

Auch den Spekulationen, wonach sich Rocket Internet von der Börse zurückziehen könnte, hat Samwer nun eine Absage erteilt: „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist es nicht die Strategie des Unternehmens, das Unternehmen wieder zu privatisieren.“

Zwar seien in den kommenden fünf Jahren weitere Aktienrückkäufe möglich. Gemäß der Unternehmensstrategie wolle Samwer einen Teil der üppigen Cash-Reserven in Start-ups und börsennotierte Unternehmen investieren.

Rocket Internet (WKN: A12UKK)

Selbst gute Zahlen können der Rocket-Aktie derzeit keine Impulse für eine neue Aufwärtsbewegung liefern. Stattdessen droht sich das Chartbild nun wieder einzutrüben. Investierte Anleger brauchen daher weiterhin Geduld. 

Mit Material von dpa-AFX.