Ein Paukenschlag aus Washington sorgt für kräftige Kursgewinne im E-Commerce-Sektor: Der Oberste Gerichtshof der USA hat zentrale Strafzölle von Präsident Donald Trump kassiert. Mit 6 zu 3 Stimmen entschieden die Richter, dass das Internationale Notstandsgesetz (IEEPA) keine ausreichende Grundlage für die Verhängung von Zöllen bietet. Das Gesetz nennt Zölle nicht ausdrücklich – ein schwerer juristischer Dämpfer für Trumps Handelspolitik.
An der Börse kam das gut an: Amazon legt um mehr als zwei Prozent zu, Etsy schießt um mehr als sieben Prozent nach oben. Auch Shopify, Wayfair und eBay gewinnen jeweils bis zu 3,9 Prozent. Pinduoduo, die Mutter von Temu, steigt um vier Prozent.
Die weitreichenden Zölle hatten viele Online-Händler massiv belastet. Margen gerieten unter Druck, Preise wurden angehoben, Lieferketten umgebaut, teils kam es zu Stellenabbau. Zusätzlich hatte Trump die „De-minimis“-Regelung gestrichen, die zollfreie Einfuhren von Paketen mit geringem Warenwert erlaubte. Gerade kleine Händler auf Plattformen wie Etsy, eBay oder Shopify traf das empfindlich. Auch Temu und Shein mussten reagieren und bauten ihre US-Logistik aus.
Parallel kühlte sich die Konsumlaune ab. Amazon-Chef Andy Jassy sprach von schleichenden Preissteigerungen; Kunden greifen häufiger zu günstigeren Produkten und zögern bei höherpreisigen Käufen. Etsy verweist auf eine schwächere Nachfrage nach nicht lebensnotwendigen Gütern und gibt einen verhaltenen Ausblick. Der Einzelhandelsverband NRF sieht im Urteil nun mehr Planungssicherheit. Unternehmen prüfen zudem, bereits gezahlte Milliardenbeträge an Zöllen zurückzufordern – allein Apple summieren sich diese auf rund 3,3 Milliarden Dollar.
Amazon und Ebay sind auch laufende Empfehlungen des AKTIONÄR. Beide Titel haben zuletzt neuen Schwung erfahren. Anleger bleiben dabei und setzen auf eine Fortsetzung der Erholungsbewegung.
Hinweis auf Interessenkonflikte:
Aktien der Amazon befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.
Heute, 20:10