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20.12.2021 Wall Street Journal

Facebook: Aktionäre fordern Führungswechsel

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Meta Platforms

Von Emily Glazer
The Wall Street Journal
Übersetzung: Stefanie Konrad

Die Aktionäre von Facebook fordern verstärkt, dass Meta Platforms auf den Druck von Gesetzgebern und anderen reagiert und sich um die schädlichen Inhalte auf seinen Plattformen und die allgemeine Unternehmensführung kümmert.

Zu den Aktionären zählen der Pensionsfonds des Bundesstaates New York und der Finanzminister von Illinois. Sie gehören zu einer Investorengruppe, die gemeinsam acht Aktionärsanträge eingereicht hat, die auf der Jahreshauptversammlung des Unternehmens geprüft werden sollen.

Laut der Investor Alliance for Human Rights, einer Initiative der religiösen Investorengruppe Interfaith Center on Corporate Responsibility, beinhalten die Beschlüsse die Forderung, dass der Vorstand die Maßnahmen zur Reduzierung schädlicher Inhalte überwacht. Außerdem soll das Risiko der Metaversum-Pläne bewertet und der Prüfungs- und Risikoausschuss des Social-Media-Unternehmens geprüft werden.

Letztes Jahr haben Mitglieder derselben Gruppe sechs Anträge eingereicht. Diese wurden von den Aktionären auf der Jahreshauptversammlung abgelehnt. Darunter befand sich auch die Forderung nach einem unabhängigen Vorstandsvorsitzenden.

Meta hat eine Zwei-Klassen-Aktienstruktur, die bestimmten Inhabern ein größeres Mitbestimmungsrecht gewährt. Vorstandsvorsitzender und CEO Mark Zuckerberg kann gemäß der Stimmrechtsvollmacht die Kontrolle über stimmberechtigte Aktien ausüben, die etwa 58 Prozent der Stimmen repräsentieren.

„Facebook ist bereit, ein gewisses Maß an Hassreden, politischen Fehlinformationen und kontroverser Rhetorik zuzulassen, um so mehr Geld zu verdienen“, behauptet Michael Frerichs, Finanzminister von Illinois. „Genau aus diesem Grund muss sich die Führungsstruktur des Vorstands ändern.“

Meta-Sprecher Ryan Moore sagte, dass das Unternehmen die Ansichten seiner Anleger schätze und sich regelmäßig mit ihnen austausche. „Wir sind uns der Verantwortung bewusst, die mit dem Betrieb einer globalen Plattform einhergeht. Auf dieser müssen wir uns mit einigen der komplexesten Themen auseinandersetzen, die sich auf die Gesellschaft und das Internet im Allgemeinen auswirken“, teilte er in einer Stellungnahme mit. „Wir haben sowohl einen kommerziellen als auch einen moralischen Anreiz, zu versuchen, so vielen Menschen wie möglich eine positive Erfahrung auf Facebook zu ermöglichen.“

Die Aktionäre stellen ihre Anträge zu einer Zeit, in der das Social-Media-Unternehmen nach den Enthüllungen in der Artikelserie „Facebook Files“ des Wall Street Journals Anfang des Jahres verstärkt kritisiert wurde. Darin wurde aufgezeigt, dass das Unternehmen sich der Fehler seiner Plattformen, die einigen Nutzern schadeten, zwar bewusst war, diese aber nicht behob.

Zuckerberg meint, dass durch diese Kritik ein falsches Bild des von ihm mitbegründeten Unternehmens vermittelt wird.

Meta ist mit einer Reihe von Anhörungen und Untersuchungen konfrontiert, die sich mit den Vorwürfen befassen, dass seine Plattformen Schaden verursacht haben. Der Chef von Instagram sagte letzte Woche im Kongress aus und geriet mit den Gesetzgebern über die Auswirkungen der Foto-Sharing-App auf junge Nutzer aneinander. Mitte November erklärte eine überparteiliche Koalition von Generalstaatsanwälten, dass sie untersucht, wie Instagram junge Menschen anspricht und beeinflusst.

Ein Meta-Sprecher behauptet, die Untersuchung beruhe auf einem Missverständnis von Problemen, die auch andere Social-Media-Plattformen betreffen.

Meta Platforms (WKN: A1JWVX)

Die Aktionäre werden ihre Argumente vermutlich auf der Jahreshauptversammlung von Meta, die in der Regel im Mai stattfindet, weiter vorbringen. Im Winter treffen sich Unternehmen oft privat mit Großaktionären, die ihre Argumente für Änderungen vorbringen. Einige Aktionäre reichen auch Anträge ein, ohne vorher mit dem Unternehmen zu sprechen.

Nachdem die Facebook Files veröffentlich wurden, diskutierten mehr als 50 Investoren darüber, wie sie auf die Erkenntnisse reagieren sollten, dass die Plattformen von Facebook Schaden anrichten, sagte Anita Dorett, Direktorin der Investoreninitiative, die Vermögenswerte im Wert von mehr als sechs Billionen Dollar verwaltet.

Einige Investoren sagten, dass der Fundus an internen Facebook-Dokumenten und -Daten eine neue Gelegenheit biete, auf mehr Transparenz und strukturelle Veränderungen zu drängen. Mindestens ein halbes Dutzend Investoren in der Gruppe hat sich an Facebook gewandt, um ihre Bedenken zu äußern und um mehr Informationen anzufordern, so Dorett. Sie fügte hinzu, dass sich die neuen und zusätzlichen Anträge, die die Gruppe dieses Jahr eingereicht hatte, auf die Schäden konzentrieren, die Facebook verursacht und beziehen sich dabei auch auf die neuen Informationen aus den internen Dokumenten.

Moore, der Sprecher von Meta sagte, dass das Unternehmen 2021 mehr als fünf Milliarden Dollar für Sicherheit ausgegeben hat und 40.000 Mitarbeiter an diesem Thema arbeiten. Er fügte hinzu, dass Meta in neue Methoden investiert hat, um Hassreden zu erkennen und zu entfernen. Die Anzahl der Beiträge auf Facebook mit Hassreden ist im letzten Jahr um mehr als die Hälfte gesunken.

Die Frist für Aktionärsanträge endete am 10. Dezember.

„Wenn die Aktie steigt, will sich niemand über die Unternehmensführung bei Meta Platforms beschweren, aber die Risiken bestehen immer“, sagte Julie Goodridge, Geschäftsführerin von NorthStar Asset Management. Zusammen mit dem Pensionsfonds des Bundesstaates New York hat sie einen Antrag eingereicht, in dem sie fordern, dass jede Aktie das gleiche Stimmrecht hat. „Die jüngsten Enthüllungen durch die Whistleblowerin Frances Haugen haben bestätigt, was wir bereits wussten: Zuckerberg kann von niemandem zur Rechenschaft gezogen werden, außer von sich selbst. Diese Struktur ist weder für das Unternehmen noch für unsere Gesellschaft gut.“

Laut Moore verfügt das Unternehmen über wirksame Richtlinien hinsichtlich der Unternehmensführung. Er verwies dabei auf den leitenden unabhängigen Direktor und den regelmäßigen Austausch mit den Investoren.

Die gemeinnützige Organisation As You Sow hat einen Aktionärsantrag eingereicht, in dem sie eine stärkere Überwachung durch den Vorstand fordert, was die Maßnahmen zur Reduzierung schädlicher nutzergenerierter Inhalte betrifft. „Die Aktionäre müssen verstehen, warum diese Technologien beim Schutz der Gesellschaft weiterhin versagen“, meinte Andrew Behar, CEO von As You Sow.

Moore sagte, dass die Verbreitung falscher, kontroverser, hasserfüllter und aufstachelnder Inhalte der Meta-Gemeinschaft schadet. Das Unternehmen veröffentlicht seine Fortschritte durch Transparenzberichte. Der Prüfungs- und Risikoausschuss von Meta erhält beispielsweise Berichte der Geschäftsleitung zu Themen wie Sicherheit, Schutz, Menschenrechte und Bürgerrechte.

Die Boutique-Investmentfirma Arjuna Capital forderte in ihrem Antrag den Vorstand dazu auf, einen Bericht in Auftrag zu geben, der mögliche Risiken des Metaversum-Projekts des Unternehmens bewerten soll. „Die gleichen Probleme, mit denen Facebook zu kämpfen hat – Diskriminierung, Menschen- und Bürgerrechtsverletzungen, Anstiftung zur Gewalt und Verletzung der Privatsphäre – werden sich im Metaversum nur verschärfen“, behauptet Natasha Lamb, geschäftsführende Gesellschafterin von Arjuna Capital.

Moore verwies auf frühere Aussagen von Zuckerberg und anderen Führungskräften über einen verantwortungsvollen Aufbau des Metaversums und über die Gewährleistung der Sicherheit der Menschen in der virtuellen Realität.

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