Neustart: Das 100.000 Euro Depot
24.01.2020 Emil Jusifov

EZB will eigenes Digitalgeld – Gefahr für Facebooks Libra?

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Facebook
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Als Antwort auf Facebooks Libra hat die Europäische Zentralbank zusammen mit anderen Notenbanken der Welt eine Arbeitsgruppe zur Einführung einer staatlichen Digitalwährung ins Leben gerufen. Konkretere Pläne wurden noch nicht bekannt gegeben. DER AKTIONÄR findet, dass eine staatliche Digitalwährung keinen Mehrwert zu Libra darstellt und listet hierfür fünf Gründe auf.

1) „Libra“ ist ein Stablecoin

Bei Facebooks Libra handelt es um einen auf Blockchain basierenden Stablecoin.  Das bedeutet, dass jeder Libra-Coin durch eine Reserve aus anderen Assets gedeckt sein wird. Bei dieser Reserve handelt es sich um einen Währungskorb, welcher sich aus FIAT-Geld (USD, EUR, GBP, JPY und andere) und kurzfristigen Staatsanleihen zusammensetzt.  

Damit soll „Libra“ im Gegensatz zu den meisten anderen Kryptowährungen – wie z.B. Bitcoin – keinen Schwankungen unterliegen und somit nicht für Spekulationszwecke geeignet sein.

2) Libra wird nicht durch Facebook kontrolliert

Libra soll über eine Stiftung („Libra Association“), bestehend aus global agierenden Konzernen verwaltet und weiterentwickelt werden (Facebook ist nur ein Mitglied in dieser Stiftung). Libra Association wird nicht mit Libra handeln oder diese herausgeben. Das Eintauschen von Libra gegen andere Währungen wird über unabhängig agierende und miteinander konkurrierende Börsenplätze erfolgen. Zur Vermeidung von Geldwäsche sollen diese durch staatliche Institutionen überwacht und kontrolliert werden.

3) Schnelle und kostengünstige Transaktionen

Die Überweisung mit Libra soll genauso kostengünstig sein wie das Versenden einer einfachen Textnachricht. Daneben soll Libra deutlich schnellere und einfachere Transaktionen als im herkömmlichen Internet-Banking (eine länderübergreifende Banküberweisung kann bis zu fünf Werktage dauern) ermöglichen.

4) Riesige, weltweit verteilte Nutzerbasis

Facebook hat mittlerweile über 2,5 Milliarden aktive Nutzer, welche über die ganze Welt verteilt sind. Da Libra als globale, weltweit verfügbare Kryptowährung konzipiert wird, gehört dieser Nutzerkreis zu den potentiellen „Libra“-Kunden.

Laut einer Erhebung der Weltbank müssen derzeit über 1,7 Milliarden Menschen – entspricht einem Anteil von 31 Prozent der Weltpopulation – ohne ein Bankkonto auskommen. Die Nutzung von Libra soll jedem Nutzer mit Internet-Zugang vorbehalten sein. Damit wird Libra auch für viele Nutzer in den Entwicklungsländern ohne Zugang zum Bankenwesen interessant.

5) Privatsphäre soll geschützt werden

Das „Libra“-Projekt wurde vielfach in den Medien aufgrund der Bedenken bezüglich des Schutzes der Privatsphäre kritisiert. Tatsächlich sollen die Transaktionen mit Libra – anders als im Internet-Banking oder bei Zahlungen mit Kreditkarte – anonymisiert und verschlüsselt stattfinden. Eine Rückverfolgung auf den Nutzer soll damit unterbunden werden.

Facebook (WKN: A1JWVX)

Gelingt es Facebook die politischen Widerstände aufzuweichen und Libra großflächig einzuführen, dann dürfte dies der Facebook-Aktie einen deutlichen Auftrieb geben. Der Anleger bleibt aus diesem und anderen Gründen an Bord und lässt seine Gewinne laufen.

Der Autor Emil Jusifov hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die durch die Publikation etwaig resultierende Kursentwicklung profitieren: Facebook.

Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die durch die durch die Publikation etwaig resultierende Kursentwicklung profitieren: Facebook.

Buchtipp: Die Facebook-Gefahr

Facebook ist in die Kritik geraten. Bots, Trolle und Fake News sind Synonyme für die Pro­bleme des Konzerns. Spätestens seit Brexit und Trump sehen Nutzer die Reichweite und die Algorithmen mit Argwohn. Einer von Ihnen: Roger McNamee. Einst stolz darauf, zu den ersten Facebook-Investoren zu gehören, ist der Kapitalgeber und Tech-Experte nun zum scharfen Kritiker geworden. In seinem Buch rechnet er mit Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg ab. Ihre Reaktion auf den Missbrauch des sozialen Netzwerks ist seiner Ansicht nach völlig unzureichend und geht am Kern des Problems vorbei: der Bedrohung unserer demokratischen Grundordnung. „Die Facebook-Gefahr“ ist ein nicht zu überhörender Weckruf – für das Silicon Valley, für die Politik, für uns alle.

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