07.04.2020 Fabian Strebin

Deutsche Bank: Reißt es das Investmentbanking ein weiteres Mal raus?

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Deutsche Bank

Mit der seit Sommer geltenden Strategie hat die Deutsche Bank das Investmentbanking zurückgefahren. Bis 2022 soll es deutlich gestutzt werden, der globale Aktienhandel wird aufgegeben und der Handelsbereich insgesamt verkleinert. In volatilen Märkten, wie wir sie seit Wochen erleben, kann das Investmentbanking für Institute allerdings das Zünglein an der Waage sein. Bereits im vierten Quartal 2019 überraschte die Deutsche Bank mit einem starken Handelsergebnis.

Gerade im März ist die Volatilität in allen Märkten angestiegen, da viele Anleger in Cash geflüchtet sind. Der Abverkauf ging viel schneller als in früheren Krisen. Für die Banken hatte das trotz sinkender Börsenbewertungen auch sein Gutes. Die Ratingagentur Standard & Poor's schreibt in einem Report, den das Handelsblatt zitiert: „Die Handelsumsätze der Investmentbanken sind aufgrund des hohen Transaktionsvolumens und höherer Spreads zwischen Angebot und Nachfrage stark gestiegen.“ Prinzipiell ist das positiv für Investmentbanken, denn das Handelsgeschäft ist im Schnitt für zwei Drittel der Erträge verantwortlich und damit wichtiger als das Geschäft mit Emissionen, Fusionen und Übernahmen.

Beratungsgeschäft sackt ab

So gehen die S&P-Analysten davon aus, dass das Volumen der Unternehmenstransaktionen im ersten Quartal 2020 „deutlich unter dem Normalwert liegen wird“, was die Gebühreneinnahmen erheblich drücke. Beispielsweise seien die Einnahmen aus Kapitalmarktmaßnahmen und der M&A-Beratung im Januar und Februar noch gut, im März fielen sie jedoch stark ab.

Falsches Timing?

Die Deutsche Bank konnte zusammen mit dem Gesamtsektor im vierten Quartal 2019 das Handelsergebnis stark steigern. Aber der Abbau von Personal und Segmenten ist weiter fortgeschritten. Gerade aus dem Handelsgeschäft wird sich der Konzern weiter zurückziehen, da dieser Bereich in der Vergangenheit sehr volatil war. Während er in der Finanzkrise hohe Verluste produzierte, könnte er für etliche Großbanken – vor allem aus den USA – den Wegfall von Erträgen in anderen Bereichen kompensieren. Die Deutsche Bank wollte sich aber ausgerechnet auf den M&A-Markt und die Beratung von Unternehmenskunden konzentrieren.

Langfristig könnte es der richtige Weg sein, sich aus dem Handelsgeschäft zurückzuziehen. Keiner weiß, ob dieser Geschäftsbereich für viele Player im Laufe der Krise noch zum Boomerang wird. Im ersten Quartal könnten der Deutschen Bank aber wichtige Erträge verloren gegangen sein. Das Brot-und-Butter-Geschäft mit Privat- und Firmenkunden leidet nämlich derzeit. DER AKTIONÄR rät weiterhin von einem Einstieg ab.

Deutsche Bank (WKN: 514000)