19.08.2019 Martin Mrowka

DAX und Co. überraschen – Bundesbank, Hongkong und Trump im Fokus

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DAX
Trendthema

Die Börsen-Woche startet überraschend freundlich. Gute Vorgaben aus Übersee helfen, nachdem es in Sachen Handelsstreit keine weitere Eskalation gab. Die Marktteilnehmer warten derweil auf neue Signale zur deutschen Konjunktur, die schon am Mittag kommen dürften. Von Unternehmensseite her stehen Conti- und Vapiano-Aktien im Fokus. Der Restaurant-Wert verliert weiter an Wert.

Der deutsche Aktienmarkt dürfte zum Wochenauftakt an seine Erholung vom Freitag anknüpfen. Der X-Dax als Indikator für den Leitindex DAX signalisierte vor Xetra-Handelsstart ein Plus von fast ein Prozent auf 11.669 Punkte. Der Euro notierte Morgen bei 1,1093 Dollar, die Feinunze Gold bei 1.508 Dollar.

Vor allem die Aussicht auf ein konjunkturelles Stützungsprogramm der Bundesregierung lässt Aktionäre frohlocken. Ein solches Programm könnte durch einen Notfall - etwa durch eine schwere Rezession - ausgelöst werden, erfuhr die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Vergangene Woche hatte der DAX wegen Rezessionsängsten ein Sechsmonatstief erreicht und etwas mehr als ein Prozent verloren. Zum Wochenausklang war der DAX aber wegen neuer Hoffnungen auf eine Lösung des Handelskonflikts zwischen den USA und China um rund 1,3 Prozent gestiegen. Dieser Trend dürfte sich am Montag fortsetzen, zumal die Börsensignale aus Asien positiv sind. Dort zogen die wichtigsten Märkte in Japan, China und Hongkong an. - Was heute Einfluss auf die Kurse haben dürfte.

Vorgaben aus den USA

Am Ende einer verlustbringenden Woche ist die Wall Street auf Erholungskurs geblieben. Der vor allem am Montag und Mittwoch tief gefallene Dow Jones Industrial knüpfte am Freitag mit einem Anstieg um 1,20 Prozent auf 25 886,01 Punkte an seine moderaten Gewinne vom Vortag an. Sein Wochenminus konnte er so letztlich auf noch 1,5 Prozent reduzieren.

Vorgaben aus Fernost

Die Kurse in Asien folgen am Montag den guten Vorgaben der Wall Street vom Freitag. Japans Nikkei 225 schloss 0,7 Prozent im Plus bei 20.563 Punkten, Hongkongs Hang Seng Index notierte gut zwei Prozent stärker bei 26.302 Zählern und Chinas CSI 300 gewinnt 1,5 Prozent auf 3.767 Punkte.

In Hongkong waren allen Drohungen aus Peking zum Trotz wieder mehr als eine Million Anhänger der Demokratie-Bewegung auf die Straße gegangen. Bei der zentralen Kundgebung in der ehemaligen britischen Kolonie war der Victoria-Park am Sonntag bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Menschen ließen sich auch von heftigem Regen nicht davon abbringen, lautstark Freiheit und Demokratie zu verlangen. Bis zum späten Abend blieb alles friedlich, weshalb Investoren erleichtert Aktien kauften.

Handelskonflikt China vs. USA

US-Präsident Donald Trump äußerte sich am Wochenende erneut zum Handelskonflikt. Die USA kämen gut mit China voran und würden gemeinsam reden, betonte der US-Präsident. Trump machte gleichzeitig deutlich, dass er für eine Unterschrift unter einen Vertrag noch nicht bereit sei. China sei angesichts seiner schwierigen ökonomischen Lage deutlich stärker auf einen Deal angewiesen als die USA.

Trump warnte in diesem Zusammenhang die Regierung in Peking angesichts der neuen Massenproteste in Hongkong auch vor dem Einsatz von Gewalt. Falls es zu Gewalt gegen die Demonstranten käme, wäre es "sehr schwierig", sich mit China noch auf ein Handelsabkommen zu verständigen, betonte der US-Präsident.

Die Sorgen um die Handelskonflikte hatten am Freitag wieder etwas nachgelassen. Analyst Michael Hewson vom Broker CMC Markets führte die Kursgewinne an den wichtigsten Aktienmärkten vor allem auf die Erholung der Zinsen an den Anleihemärkten zurück. Zuvor war die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fünf Wochen in Folge zurückgegangen, so Hewson. Investoren mieden zuletzt Aktien und kauften Anleihen, was stark auf deren Rendite drückte.

DAX (WKN: 846900)

Konjunkturdaten

Aus Japan kamen bereits Zahlen zu den Exporten. Die Handelskriege und die weltweite Konjunkturflaute belasten Japans Exporte weiter. Im Juli gingen die Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahr zum achten Mal in Folge zurück. Der Wert der Exporte fiel vor allem wegen der Rückgänge bei Ausfuhren der Auto- und Halbleiterbranche um 1,6 Prozent, wie das japanische Finanzministerium am Montag in Tokio mitteilte. Immerhin verlangsamte sich damit der Rückgang im Vergleich zu den Vormonaten - zudem hatten Experten mit einem noch schwächeren Wert gerechnet.

Um 11 Uhr werden dann noch die Verbraucherpreise der Euro-Zone für Juli erwartet.

Monatsbericht der Bundesbank

Um 12 Uhr wird die Bundesbank ihren Monatsbericht für August vorlegen. Mit Spannung wird erwartet, wie stark das Bruttoinlandsprodukt von den Handelsstreitigkeiten beeinflusst wurde. Zuletzt war bekannt geworden, dass die konjunkturelle Grundtendenz im Vormonat insgesamt schwach war. "Ausschlaggebend dafür war, dass sich der Abschwung in der überwiegend exportorientierten Industrie weiter fortsetzte", hieß es im jüngsten Monatsbericht der Notenbank. Eine Erholung des Exportgeschäfts und der Industrie seien noch nicht erkennbar.

Unternehmens-News

Nachdem die Quartalsberichtsaison der Unternehmen so gut wie beendet ist, dürfte es von dieser Seite am Montag ruhiger zugehen. Einen Blick wert sein könnten die Aktien von Grand City Properties, nachdem der Wohnimmobilien-Konzern am Morgen über seine aktuelle Geschäftslage informiert hatte. In den ersten sechs Monaten stiegen die Miet- und Betriebseinnahmen. Auf der Handelsplattform Tradegate verloren die Aktien im Vergleich zum Xetra-Schlusskurs vom Freitag 0,5 Prozent.

Vapiano-Papiere sackten auf Tradegate um 12 Prozent ab. Der Chef der angeschlagenen Restaurantkette, Cornelius Everke, hatte am Sonntag überraschend seinen Rücktritt für Ende August angekündigt. In einer Mitteilung des Unternehmens wurden persönliche Gründe genannt. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Aufsichtsratschefin Vanessa Hall das Unternehmen bis mindestens April 2020 führen.

Der Chemiekonzern BASF will trotz der jüngsten Gewinnwarnungen seine Dividende perspektivisch anheben. "Ich denke, die Investoren haben die Gründe für die schwächere Performance und Prognose ganz gut verstanden. ... Wir wollen die Dividende nicht nur mindestens halten, sondern kontinuierlich steigern", sagte Konzernchef Martin Brudermüller dem Handelsblatt. BASF-Titel stiegen auf Tradegate um 0,8 Prozent.

Angesichts der Flaute im weltweiten Autogeschäft will der Zulieferer ElringKlinger in diesem Jahr 50 Millionen Euro an Sachkosten einsparen und zudem deutlich weniger investieren. "Wir haben Unterauslastung in einigen Werken oder Bereichen", sagte Vorstandschef Stefan Wolf in Zeitungsinterviews. ElringKlinger hatte im zweiten Quartal einen Verlust von 8,6 Millionen Euro verbucht und bereits ein Sparprogramm angekündigt. Die Aktien büßten auf Tradegate 1 Prozent ein.

Die Papiere von Continental fielen auf Tradegate um 1,2 Prozent. Die US-Investmentbank Goldman Sachs stufte die Aktien von "Buy" auf "Neutral" ab und senkte das Kursziel von 142 auf 118 Euro. Der jüngste Kursanstieg bei den Autozulieferern sei angesichts der jüngsten Fundamentaldaten ungerechtfertigt, schrieb Analystin Gungun Verma in einer Branchenstudie. Risiken bestünden weiter für die weltweite Produktion und die Margen.

Mit Material von dpa-AFX