Der große DAX-Check – 40 Aktien, 40 Tipps mit Biss
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13.04.2022 von Barron's

Costco vs. Amazon: Wettrennen um die Spitzenposition

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Costco Wholesale

Von Andrew Bary
Barron’s
Übersetzung: Stefanie Konrad

Costco Wholesale macht Amazon die Rolle als bestbewerteter Einzelhandelsriese streitig. Die Großhandelskette überzeugt die Anleger auch weiterhin mit seiner unverwechselbaren Strategie. Costco setzt auf ein einfaches Konzept mit einer begrenzten Produktpalette zu niedrigen Preisen, und das bei einem guten Service. Das Unternehmen hat bewiesen: Ein Einzelhändler braucht keine große Internetpräsenz, um erfolgreich zu sein. Mit einem Online-Anteil von nur sieben Prozent ist es das „Anti-Amazon“.

Die Costco-Aktie hat in letzter Zeit einen Höhenflug erlebt und ist im April um vier Prozent auf 600 Dollar gestiegen, nachdem sie am Donnerstag bei Börsenschluss einen Rekordwert erreicht hatte. Die Aktie ist in den letzten zwölf Monaten um rund 66 Prozent gestiegen. Die Amazon-Aktie hat im Vergleich dazu im vergangenen Jahr 6,4 Prozent eingebüßt.

Costco-Aktien werden jetzt mit dem 46-Fachen des prognostizierten Gewinns von 13 Dollar pro Aktie für das im August endende Geschäftsjahr des Unternehmens gehandelt. Für das folgende Geschäftsjahr, das im August 2023 endet, werden sie mit dem 42-Fachen des geschätzten Gewinns gehandelt.

Unter den großen herkömmlichen Einzelhändlern ist das das höchste Kurs-Gewinn-Verhältnis und liegt damit nur knapp unter Amazons KGV von 43 für 2023.

Amazon hat mit seinem dominierenden Online-Handel und führenden Cloud-Computing-Geschäft schon seit langem das höchste KGV unter den großen Einzelhändlern. Dabei ist es eigentlich teils Einzelhändler und teils Technologieunternehmen. Amazons Einzelhandels-KGV liegt aufgrund der hohen Bewertung seiner Cloud-Sparte Amazon Web Services wohl unter 43.

Basierend auf dem für 2023 prognostizierten EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte) ist Costco sogar wertvoller als Amazon. Es wird mit dem 22-Fachen des für 2023 erwarteten EBITDA gehandelt, Amazon dagegen nur mit dem 16-Fachen. Costcos Marktwert beträgt allerdings nur 270 Milliarden Dollar – ein Bruchteil der 1,6 Billionen Dollar von Amazon.

Costco erzielt weiterhin gute Ergebnisse, wobei der vergleichbare Umsatz im März um etwa zehn Prozent gestiegen ist, unter Berücksichtigung verschiedener Faktoren wie der hohen Benzinpreise. Der Gewinn pro Aktie wird im laufenden Geschäftsjahr voraussichtlich um 18 Prozent und im nächsten Jahr um zehn Prozent steigen. Laut FactSet sind die Gewinne in den letzten fünf Jahren jährlich um 16 Prozent gestiegen. Aufgrund seines hohen KGV ist Costco anfällig für Fehlschläge.

Costco Wholesale (WKN: 888351)

Costco lockt die Kunden mit seinen Tiefstpreisen und seiner Schnäppchenjagd-Atmosphäre weiterhin in seine Warehouse Clubs. Die hohe Inflation macht Costco noch attraktiver für die Verbraucher. Das Unternehmen erwirtschaftet den Großteil seiner Gewinne aus Mitgliedsbeiträgen – der Grundbeitrag beträgt 60 Dollar pro Jahr. Damit bietet das Unternehmen eine Art Abo-Modell an, wobei regelmäßig rund 90 Prozent der Abonnements verlängert werden.

In der Regel erhöht Costco die Preise für die Waren nicht um mehr als 15 Prozent. Daher ist das Preis-Leistungs-Verhältnis von Costco fast unschlagbar. Mit solch niedrigen Preiserhöhungen kann Costco tatsächlich Geld verdienen, da es seine Ausgaben niedrig hält – obwohl es seine Mitarbeiter besser bezahlt als die meisten seiner Konkurrenten, darunter auch Walmart.

Die Mitgliederzahl wächst weiter und ist im aktuellen Geschäftsjahr um sieben Prozent auf 61,7 Millionen gestiegen. Das Unternehmen betreibt 829 Filialen, hauptsächlich in den USA.

Ein weiteres Erfolgsgeheimnis von Costco ist die Bekämpfung von Ladendiebstahl, was zunehmend zum Problem in der Branche wird. Das Unternehmen konnte die auf Diebstahl zurückgehenden Verluste auf einem der niedrigsten Niveaus in der Einzelhandelsbranche halten. Costcos Verlustrate beträgt dabei jährlich 0,1 bis 0,15 Prozent, während sich viele Einzelhändler in einem Bereich von über drei Prozent bewegen.

Die geringe Verlustrate lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen. So gibt es normalerweise nur einen Eingang zu einer Costco-Filiale, und die Mitarbeiter kontrollieren die Kassenbelege. Die Waren sind zudem oft sperrig und können daher nur schwer gestohlen werden. Außerdem sind die Kunden „Mitglieder“. Durch diese Selbstauswahl der Kunden werden die Diebe normalerweise ausgesiebt.

Nachdem Costco im März starke Umsatzgewinne gemeldet hatte, schrieb UBS-Analyst Michael Lasser letzte Woche, dass das Unternehmen „die richtigen Schritte unternimmt, um in einer Welt nach der Corona-Pandemie weiterhin erfolgreich zu sein. Außerdem könnte ein erhöhter Druck auf die Verbraucher zu einem weiteren Anstieg der Mitgliederzahlen und der Ausgaben im Einzelhandel führen. Wir sind der Meinung, dass die Aktien des Unternehmens diese positiven Entwicklungen nicht vollständig widerspiegeln.“ Er stuft die Aktie mit „Buy“ und einem Kursziel von 625 Dollar ein.

Behandelte Werte

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