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26.04.2021 Fabian Strebin

Commerzbank: Schluss mit gratis – kostenloses Girokonto ist Geschichte

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Commerzbank

Kundenwachstum um jeden Preis, Profitabilität egal. Das war überspitzt formuliert die Strategie der Commerzbank in den letzten Jahren. Dafür wurden aufwendige Werbekampagnen gefahren und Kunden mit Guthaben gelockt. CEO Manfred Knof will kein Wachstum um jeden Preis mehr. Im Gegenteil. Die Anpassung der Preismodelle freut Aktionäre, aber geht zu Lasten der Kunden. Die sollen jetzt zahlen.

Bereits im Februar ließ die Commerzbank verlauten, dass es nur noch unter bestimmten Bedingungen wie einem Mindestzahlungseingang pro Monat oder Wertpapiergeschäften bei der Online-Tochter Comdirect ein kostenloses Girokonto gebe. Alle anderen zahlen bereits ab 1. Mai 4,90 Euro monatlich. Niedrigzinsen und wegfallende Erträge durch den Umbau zwingen nun also auch die Commerzbank zu kräftigen Gebührenerhöhungen.

Gebühren werden erhöht

Doch das war nur der erste Streich: Ab dem 1. Juli zahlen auch Bestandskunden der Commerzbank selbst 4,90 Euro pro Monat, sofern sie das Konto nicht regelmäßig mit mindestens 700 Euro füllen. Andere Leistungen wie eine kostenlose Kreditkarte oder Papier-Kontoauszüge werden dann kostenpflichtig. Das geht aus Änderungen des Leistungsangebots der Commerzbank hervor. Laut dem Blog Finanz-Szene dürfte ein Großteil der elf Millionen Privatkunden davon betroffen sein. Alleine zwischen 2012 und 2019 gewann die Bank unter dem Strich 2,5 Millionen Neukunden.

Damit verabschiedet sich die Bank endgültig von der bis noch vor einem Jahr praktizierten Strategie, um jeden Preis neue Kunden zu gewinnen. Dabei wurden in den letzten Jahren bis zu 200 Euro pro neuem Sparer geboten, innerhalb von 18 Monaten würde man mit den Kunden Erträge erzielen, sagte die Commerzbank. In den harten Zahlen bildete sich das aber nicht ab. Nun erwartet man bis zu 300 Millionen Euro weniger Erlöse in den kommenden Jahren durch Kunden, die die Bank aufgrund der Preiserhöhungen verlassen.

Commerzbank (WKN: CBK100)

Das Manöver der Commerzbank ist riskant, aber langfristig unvermeidbar. Die Bank leidet unter den Negativzinsen der EZB und gibt diese nun über höhere Gebühren an ihre Kunden weiter. Andere Finanzinstitute sind den Schritt schon gegangen oder werden demnächst folgen. Die Zeiten kostenloser Bankdienstleistungen dürften in Deutschland bald der Vergangenheit angehören.

Die Aktie konnte am Freitag wieder Boden gut machen und ist bis an die 200-Tage-Linie bei 5,00 Euro herangelaufen. Ein nachhaltiger Bruch wäre ein starkes Signal. Gelingt das nicht, bleibt die Unterstützungszone um 4,70 Euro im Fokus. Investierte bleiben dabei und beachten den Stopp von 4,00 Euro.

Hinweis auf Interessenkonflikte:


Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren: Commerzbank.


Hinweis auf Interessenkonflikte gemäß § 85 WpHG: Aktien von Commerzbank befinden sich im Aktionär-Depot von DER AKTIONÄR

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