12.07.2019 Martin Weiß

Chinesischer Online-Reisevermittler Ctrip steigt ins Fahrdienstgeschäft ein

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UBER TECH.
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In China ist Ctrip mit mehr als 100 Millionen Kunden schon die Nummer eins unter den Online-Reisevermittlern, doch Firmenchefin Jan Sue hat größere Ziele: Sie will die Welt erobern. Deshalb bietet Ctrip chinesischen Touristen jetzt einen Service, den diese gar nicht ablehnen können.

Ctrip ist Chinas größter Online-Reisevermittler (60 Prozent Marktanteil) und nach Marktkapitalisierung (21 Mrd.$) weltweit die Nummer zwei nach Booking Holdings (81 Mrd.$). Ctrips Ambitionen bei der internationalen Expansion sind jedoch mindestens so groß wie der Abstand zu Booking Holdings beim Börsenwert.

"Binnen fünf Jahren wird unser internationales Geschäft das heimische überholt haben", gibt sich Firmenchefin Jane Sue selbstbewusst. Zuletzt betrug der Umsatzanteil 35 Prozent. Chinas Outbound-Traffic ist laut McKinsey mit 160 Millionen Abflügen schon heute der größte weltweit.

Mit dem Einstieg in das Geschäft für Fahrdienstleistungen zielt Sue nun vor allem auf chinesische Touristen im Ausland ab. Der neue Service umfasst einen 24-Stunden-Kundenservice, Online-Zahlungen in der Heimatwährung Renminbi und einen Übersetzungsdienst für chinesische Touristen, um besser mit lokalen Fahrern zu kommunizieren.

Ctrip (WKN: A0BK6U)

Mit dem neuen Angebot schlägt Ctrip mehrere Fliegen mit einer Klappe. Vom Unternehmen befragte Auslandsreisende hatten vor allem Sprachbarrieren, Wechselkurse, Abzocke bei Taxifahrten und generelle Sicherheitsbedenken als größte Probleme genannt.

Der eigentliche Clou bei dem neuen Service: Ctrip wird keinen eigenen Fahrdienst aufbauen, sondern den Service an Mainstream-Ride-Hailing-Plattformen im Ausland wie Grab integrieren. Chinesische Touristen können sich so den Donwload einer ausländische App sparen. Der Service ist seit dem Start in über 785 Städten in 47 Ländern in Südostasien, den Vereinigten Staaten und Europa verfügbar.

Ctrip ist Chinas größter Online-Vermittler von Reisen und treibt nun die internationale Expansion voran. Die Aktie ist mit KGV 25 auf Basis der für 2019 erwarteten Gewinne kein Schnäppchen, notiert aktuell jedoch auf dem niedrigsten Bewertungsniveau seit Jahren. DER AKTIONÄR ist optimistisch, dass die übergeordneten Branchentrends (positives) Überraschungspotenzial bei den nächsten Quartalszahlen bieten