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03.05.2022 von Barron's

Berkshire Hathaway veröffentlicht Q1-Zahlen – Details bleiben unklar

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Berkshire Hathaway

Von Andrew Bary
Barron’s
Übersetzung: Stefanie Konrad

Berkshire Hathaway verzeichnet im ersten Quartal vierteljährliche Aktienkäufe in Höhe von 51,1 Milliarden Dollar. Dazu gehören auch große Aktienkäufe von Chevron und Occidental Petroleum. Dieser Rekordwert machte wohl die größten Schlagzeilen in dem am Samstag veröffentlichen Quartalsbericht – und stellt alles andere in den Schatten.

Die Aktienverkäufe des Unternehmens in Höhe von 9,7 Milliarden Dollar in dem im Bericht genannten Zeitraum fanden dagegen wenig Beachtung. Und das zu Recht. Berkshire Hathaway hat die verkauften Aktien nicht offengelegt, und CEO Warren Buffett ging bei der Aktionärsversammlung des Unternehmens am Samstag in Omaha nicht auf das Thema ein.

Dabei deutet einiges darauf hin, dass Verizon Communications im Fokus dieser Veräußerungen stand.

Berkshire hat im vergangenen Quartal anscheinend auch Finanztitel im Wert von etwa zehn Milliarden Dollar gekauft. Das geht aus den Daten des sogenannten Q-10-Formulars des Unternehmens hervor. Das wäre eine Umkehr von Buffetts großem Verkauf von Finanzwerten wie JPMorgan Chase, Goldman Sachs und Wells Fargo in den Jahren 2020 und 2021. Berkshires gesamtes Aktienportfolio, mit Apple an der Spitze, beläuft sich auf insgesamt 390 Milliarden Dollar.

Mitte Mai werden wir mehr Klarheit darüber bekommen, was Berkshire im ersten Quartal genau gekauft und verkauft hat. Dann meldet das Unternehmen der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC seine vierteljährlichen Aktienbestände mit Stand vom 31. März im Formular 13-F.

Aus Barron’s Analyse des 10-Q-Formulars von Berkshire geht hervor, dass das Unternehmen seine Beteiligung an Verizon im ersten Quartal ganz oder größtenteils veräußert haben könnte.

Und das ist der Grund dafür: Berkshire gab an, dass es im ersten Quartal realisierte Verluste aus Aktienverkäufen in Höhe von 739 Millionen Dollar hinnehmen musste. Ende 2021 hielt Berkshire eine Beteiligung von fast 159 Millionen Verizon-Aktien im Wert von 8,3 Milliarden Dollar. Die Beteiligung hatte eine Kostenbasis von 9,4 Milliarden Dollar, was etwa 59 Dollar pro Aktie entspricht.

Verizon wurde im ersten Quartal meist zwischen 53 und 54 Dollar pro Aktie gehandelt. Das bedeutet, dass Berkshire bei einem Verkauf seiner gesamten Verizon-Beteiligung einen geschätzten Verlust von etwa 800 Millionen Dollar hinnehmen musste. Ein vollständiger Verkauf bei 54 Dollar pro Aktie hätte Berkshire rund 8,6 Milliarden Dollar eingebracht.

Ende 2021 war Verizon die einzige der 15 größten Berkshire-Beteiligungen, die in Buffetts Jahresbrief aufgeführt wurden, bei der das Unternehmen einen Verlust im Verhältnis zu seinen Kosten verzeichnete. Der Großteil der Verizon-Beteiligung wurde 2020 gekauft.

Verizon Communications (WKN: 868402)

Im 10-Q-Formular heißt es: „Die steuerpflichtigen Anlagegewinne/-verluste aus den im ersten Quartal verkauften Aktien, die sich im Allgemeinen aus der Differenz zwischen den Verkaufserlösen und den ursprünglichen Kosten der verkauften Wertpapiere ergeben, beliefen sich im Jahr 2022 auf Verluste in Höhe von 739 Millionen Dollar und im Jahr 2021 auf Gewinne in Höhe von 1,8 Milliarden Dollar.“

Falls Buffett Verizon verkauft hat, schien das ein guter Schachzug gewesen zu sein, denn die Aktie wird jetzt bei 46 Dollar gehandelt. Berkshire wollte sich dazu nicht sofort äußern.

Aus Berkshires 10-Q-Formular geht hervor, dass die Kostenbasis des Unternehmens für Finanztitel im ersten Quartal um 9,6 Milliarden Dollar gestiegen ist. Das könnte bedeuten, dass Berkshire Finanzwerte in Höhe von etwa 9,6 Milliarden Dollar gekauft hat.

Buffetts großer Kauf im ersten Quartal war Chevron. Berkshire hat ungefähr 121 Millionen Aktien gekauft, um seinen Anteil auf rund 159 Millionen Aktien im Wert von 25,9 Milliarden Dollar zu erhöhen. Was Berkshire für die zusätzlichen Chevron-Aktien gezahlt hat, ist unklar, da die Aktie in diesem Zeitraum von 117 auf 162 Dollar pro Aktie gestiegen ist. Geht man vom durchschnittlichen Preis in diesem Zeitraum aus, hätte Berkshire etwa 17 Milliarden Dollar bezahlt.

Berkshire kaufte im vergangenen Quartal Aktien von Occidental Petroleum im Wert von etwa sieben Milliarden Dollar, von HP im Wert von vier Milliarden Dollar und von Apple im Wert von etwa 600 Millionen Dollar.

Buffett sagte bei der Versammlung am Samstag, dass Berkshire mit etwa 9,5 Prozent an Activision Blizzard beteiligt ist. Das sind etwa 74 Millionen Aktien, die jetzt ungefähr 5,6 Milliarden Dollar wert sind. Es ist unklar, wie viele Käufe Berkshire im ersten Quartal getätigt hat. Zum Jahresende besaß Berkshire rund 15 Millionen Aktien.

Nach Buffets Aussagen bei der Versammlung könnten die Activision-Käufe hauptsächlich im April getätigt worden sein. Er sagte, dass er den Aktienkurs von Activision von ungefähr 82 Dollar nach der im Januar erfolgten Ankündigung von Microsoft, den Gaming-Konzern für 68,7 Milliarden Dollar zu übernehmen, als nicht besonders attraktiv für eine Arbitrage-Situation erachtet.

Microsoft zahlt 95 Dollar pro Aktie. Bis April wurde Activision mit ungefähr 80 Dollar gehandelt und schloss am Freitag bei 75,60 Dollar. Nach der Bekanntgabe des Berkshire-Kaufs stieg die Aktie am Montag um drei Prozent, wird aber aufgrund kartellrechtlicher Bedenken immer noch mit einem Abschlag von etwa 19 Prozent auf den Übernahmepreis gehandelt.

Bei der Versammlung gab Buffett auch bekannt, dass Berkshire im ersten Quartal Aktien von drei deutschen Unternehmen gekauft hat. Die Namen nannte er jedoch nicht.

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