13.08.2019 Nikolas Kessler

Bankencrash! Hier droht die Pleite...

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Hierzulande sorgen derzeit Commerzbank und Deutsche Bank für Schlagzeilen: Die eine hat am Dienstag ein neues Allzeittief markiert, die andere ist nahe dran. Doch was gerade bei den argentinischen Banken passiert, stellt diese Entwicklung locker in den Schatten.

Die Aktien argentinischer Banken und Finanzunternehmen wie Grupo Financiero Galicia, Banco Macro oder Grupo Supervielle sind am Montag um über 50 Prozent eingebrochen. Der Grund: Die überraschende Wahlschlappe für Argentiniens wirtschaftsliberalen Präsident Mauricio Macri bei den Vorwahlen.

Deutliche Gewinne hat dagegen sein Herausforderer Alberto Fernandez verzeichnet, der mit der ehemaligen Staatschefin Cristina Kirchner als Vizepräsidenten im Schlepptau für das Präsidentenamt kandidiert. Die Aussicht auf ein Comeback der wegen Korruptionsverdacht angeklagten und als Investoren-Schreck verrufenen Kirchner hat vor allem ausländische Investoren in die Flucht geschlagen und die Angst vor einer erneuten Staatspleite geschürt.

Peso, Anleihen und Aktien brechen ein

Die Reaktion folgte prompt und heftig: Am Devisenmarkt kam es am Montag zu einem massiven Kurseinbruch beim argentinischen Peso. Die Landeswährung wurde zuletzt am Montagabend bei 53 Peso für einen US-Dollar gehandelt. In einer ersten Schockreaktion nach Bekanntgabe des Vorwahl-Ergebnisses waren zeitweise bis zu 62 Peso für einen Dollar gezahlt worden – so viel wie noch nie. In der vergangenen Woche hatte der Kurs nur bei etwa 45 Peso gestanden.

Heftige Reaktionen zeigten sich auch bei argentinischen Staatsanleihen. Die in US-Dollar notierten Papiere mit längeren Laufzeiten verzeichneten im Schnitt Verluste von etwa 25 Prozent. Bei kürzeren Laufzeiten zeigten sich Einbrüche von etwa 35 Prozent.

Die Kursentwicklung der Kreditausfallversicherungen zeigt, dass der Markt die Wahrscheinlichkeit für einen Zahlungsausfall in den kommenden fünf Jahren auf mittlerweile 75 Prozent einschätzt.

Auch Argentiniens Aktienmarkt hat die Sorge vor einer kommenden Finanzkrise zum Wochenauftakt mit voller Wucht zu spüren bekommen. Der Leitindex Merval brach in Buenos Aires am Montag um mehr als ein Drittel ein. Besonders hart traf es dabei den Finanzsektor.

GR.SUPERVIELLE B ... (WKN: A2AC61)

Angst vor der nächsten Pleite

Mit den jüngsten Marktturbulenzen werden Erinnerungen an schwere Finanzkrisen in den vergangenen Jahren wach. Nach der Staatspleite von 2001 lag Argentinien mehrfach im Clinch mit Investoren, verweigerte Rückzahlungen und musste im Rechtsstreit mit US-Hedgefonds Zahlungsausfälle abwenden. Bis heute hat sich das Land nicht vollständig erholt, da droht möglicherweise schon die nächste Pleite.

„Bei einem Wahlsieg des Linksperonisten Fernandez ist mit einer Abkehr vom wirtschaftsliberalen Kurs und einer Renaissance des 'Kirchnerismus' zu rechnen“, so Analyst Manuel Andersch von der BayernLB. Denn dann würde Cristina Kirchner wieder an die Schalthebel der Markt zurückkehren. Eine Politikerin, die „das Land mit ihrer planwirtschaftlichen Wirtschaftspolitik in den Abgrund gezogen hat“, sagte Andersch. Die eigentliche Präsidentschaftswahl findet am 27. Oktober statt.

Mit Material von dpa-AFX.