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18.02.2022 Wall Street Journal

Amazon: Ungenutzter Wert von rund 1 Billion Dollar?

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Amazon.com
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Von Juliet Chung, Cara Lombardo und Dana Mattioli
The Wall Street Journal
Übersetzung: Laura Markus


Der aktivistische Investor Daniel Loeb teilte Anlegern am Mittwoch mit, dass er bei Amazon einen ungenutzten Wert von rund einer Billion Dollar sieht. Sein Hedgefonds Third Point zählt den E-Commerce-Riesen zu seinen größten Beteiligungen.

Loeb sagte in einer privaten Telefonkonferenz mit den Investoren des Hedgefonds, dass der Markt den vollen Wert von Amazons E-Commerce-Kerngeschäft und seiner Cloud-Sparte Amazon Web Services, nicht erkennt. In der Telefonkonferenz wurden die Ergebnisse von Third Point für das Jahr 2021 und die Aussichten für die Märkte analysiert. Außerdem wurde über verschiedene Aktien gesprochen.

AWS (Amazon Web Services) hat einen Unternehmenswert von mehr als 1,5 Billionen Dollar – fast so viel wie Amazons aktueller Marktwert von 1,6 Billionen Dollar. Inzwischen könnte das Einzelhandelsgeschäft von Amazon rund eine Billion Dollar wert sein.

Es gibt keine Anzeichen dafür, dass Loeb, einer der bekanntesten Aktionärsaktivisten, eine aktivistische Kampagne gegen Amazon plant. Die grundlegende Sum-of-the-parts-Analyse von Amazon ist in den letzten Jahren an der Wall Street viel diskutiert worden – vor allem seit die Kartellbehörden die zunehmende Macht großer Tech-Unternehmen wie Amazon ins Visier genommen haben. Das hat Gerüchte über mögliche Aufspaltungen befeuert.

Amazon.com (WKN: 906866)

Third Points Beteiligung an Amazon hatte zum Jahresende einen Wert von 784 Millionen Dollar, wie aus einer Einreichung Anfang dieser Woche hervorgeht. Der Fonds hatte drei Monate zuvor eine Beteiligung von rund 608 Millionen Dollar und wurde durch zusätzliche Aktienkäufe von Third Point aufgestockt.

Das erwähnte Loeb in seinem Investorenbrief für das vierte Quartal, der am Donnerstag im Wall Street Journal veröffentlicht wurde. Er schrieb, dass die aufgestockte Beteiligung „unsere Überzeugung verdeutlicht, dass Amazon an einem wichtigen Scheideweg steht. Das neue Management entwickelt einen langfristigen strategischen Plan, um das Unternehmen voranzubringen. Ein solcher Plan könnte mehrere gewagte Initiativen umfassen, die unter Investoren viel Raum für Marktspekulationen bieten“.

Er sagte, zwei kürzliche Entwicklungen hätten ihn bestärkt: dass das Unternehmen im Januar zum ersten Mal seit zehn Jahren Aktien zurückgekauft hat; und dass es detailliertere Finanzergebnisse veröffentlicht hat, inklusive einer Aufschlüsselung der Werbeeinnahmen und Investitionsausgaben nach Kategorien.

Third Point hat in den letzten Wochen anderen Hedgefonds mitgeteilt, warum ein Spin-off für AWS aus seiner Sicht sinnvoll wäre. Unter anderem könnte dies auch dazu beitragen, die Bedenken der Aufsichtsbehörden wegen der Marktmacht des Unternehmens zu zerstreuen.

Obwohl AWS weniger als 13 Prozent des Umsatzes ausmacht, gilt es als Amazons Cashcow.

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Das Unternehmen ist zwar vor allem für seine Verkaufsplattform bekannt, doch es war auch ein Pionier im Cloud-Computing. Amazon hat AWS 2006 auf den Markt gebracht und hatte jahrelang einen Vorsprung vor der Konkurrenz, bevor Unternehmen wie Microsoft und Google anfingen, vergleichbare Dienste anzubieten. Heute ist AWS laut dem Marktforschungsunternehmen Gartner der weltweit größte Cloud-Anbieter. Bei einer Ausgliederung würde es zu den größten Technologie-Unternehmen der Welt zählen. AWS wurde bis Juli von Andy Jassy geleitet. Danach löste er Amazon-Gründer Jeff Bezos als CEO ab.

Amazon stand im Mittelpunkt einer Untersuchung des US-Kongresses über die Monopolmacht von Technologieplattformen wie Apple, der Google-Muttergesellschaft Alphabet und Meta Platforms. Nach einer 16-monatigen Untersuchung legten die Abgeordneten des US-Repräsentantenhauses einen Gesetzesentwurf vor, der Amazon und andere große Unternehmen dazu zwingen soll, sich in zwei Unternehmen aufzuspalten oder ihre Eigenmarken-Produkte vom Markt zu nehmen. Für Amazon könnte das bedeuten, dass es die Produkte und Geräte seiner Eigenmarke, wie die Echo-Lautsprecher, von seinem Online-Marktplatz abspalten muss.

In seiner jetzigen Zusammensetzung aus verschiedenen Unternehmen ist Amazon einer der letzten echten Mischkonzerne. Das Unternehmen hat ganz unterschiedliche Geschäftsbereiche wie zum Beispiel Werbung, Filmproduktion, Buchverlag und Cloud-Computing. Damit ist es der zweitgrößte private Arbeitgeber der USA.

Bisher hat sich Amazon gegen Forderungen nach einer Aufspaltung gewehrt und erklärt, dass „neue Vorstellungen über das Kartellrecht kleine Unternehmen zerstören und den Verbrauchern schaden würden“.

Der Aktienkurs von Amazon stieg 2020 um 76 Prozent, da das Unternehmen von den Corona-Lockdowns profitierte. Da die Menschen weniger in Geschäfte gingen, haben sie vermehrt online bestellt. Amazon war dabei der größte Gewinner. 2021 stieg die Aktie jedoch nur um 2,4 Prozent, verglichen mit der Gesamtrendite von 28,7 Prozent des S&P 500. Im letzten Quartal verlangsamte sich das Gesamtwachstum von Amazon. Die Einnahmen von AWS sind jedoch im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast 39 Prozent gestiegen.

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