Leon Müller

Branchenbeobachter sehen in den Kursausschlägen der vergangenen Tage ein klares Indiz für eine bevorstehende Übernahme von Xing durch einen Wettbewerber. Gern ins Spiel gebracht wird LinkedIn, der große US-Konkurrent, der in Deutschland keinen Fuß in die Tür kriegt. Zwischen den Parteien sollen sogar Verhandlungen laufen.
Xing, Deutschlands führendes Online-Business-Netzwerk, soll den Appetit des US-Wettbewerbers LinkedIn angeregt haben. Das berichtet der Branchendienst TechCrunch. Prominente Aktionäre der Gesellschaft, darunter aktive und ehemalige Mitarbeiter, sollen bereit sein, Anteile in erheblichem Umfang abgeben zu wollen. Sollte das stimmen, müsste auch der Gründer und ehemalige Vorstandschef Lars Hinrichs in die Verhandlungen involviert sein. Er hält nach wie vor über seine LH Cinco Capital GmbH 27,7 Prozent aller ausstehenden Aktien und ist damit größter Teilhaber.
Hinrichs schweigt, Xing ebenfalls
Bislang haben sich weder der ehemalige noch der aktive Vorstandschef, Dr. Stefan Groß-Selbeck, zu den Spekulationen geäußert. Während von letzterem diesbezüglich wohl mit keinem Statement zu rechnen ist, hatte Hinrichs in der Vergangenheit gerne den Kurznachrichtendienst Twitter genutzt, um seine Meinung in der Öffentlichkeit kundzutun. Aber auch dort: Fehlanzeige. Stattdessen lobt der Entrepreneur in seinem neuesten Eintrag die Herauslösung von Skype bei Ebay (siehe auch "Ebay: Zwei Milliarden für Skype") als "brillianten Schachzug" (twitter.com/LarsHinrichs).
Ernstgenommener Wettbewerber
In einem Gespräch mit dem AKTIONÄR im Mai dieses Jahres hatte der amtierende Chef Groß-Selbeck LinkedIn als ernstzunehmenden Wettbewerber bezeichnet. "Aber in Deutschland haben wir mit rund drei Millionen Mitgliedern die mit Abstand größte Business Community. [...] Xing wächst im deutschsprachigen Raum auch nachdem LinkedIn seine Seite ins Deutsche übersetzt hat weiter sehr erfreulich. Wir wollen uns aber auch in unseren Heimatmärken nicht auf unserem Vorsprung ausruhen und sehen in Deutschland mehr als ausreichend Marktpotenzial, um unsere Mitgliederzahlen in den nächsten Jahren zu verdoppeln."
LinkedIn mit Motiv
Nachdem LinkedIn auf dem deutschen Markt trotz der Übersetzung in die Landessprache nicht gegen Xing ankommt - der Vorsprung des Platzhirsches ist hier enorm - hätten die Amerikaner guten Grund die Farce zu beenden und Xing zu übernehmen. Dann wären sie auf einen Schlag Marktführer in Deutschland und würden weitere Marktanteile in anderen europäischen Ländern gewinnen. Denn Xing ist außerhalb der deutschsprachigen Länder Deutschland, Österreich und der Schweiz auch in der Türkei, in Spanien und Italien gut positioniert.

Xing-Aktie bleibt ein klarer Kauf
Die von TechCrunch ins Feld geführten Kursausschläge der vergangenen Tage sind nichts Ungewöhnliches für die Xing-Aktie, wie ein Blick auf den Chart zeigt. Aus diesen Bewegungen auf eine bevorstehende Übernahme zu schließen entsprechend wenig stichhaltig. Unabhängig davon hat LinkedIn ein starkes Motiv für eine Übernahme. Der Kaufpreis dürfte ebenfalls kaum abschrecken. An der Börse ist Xing derzeit gerade einmal 150 Millionen Euro wert, wird lediglich mit dem 11-fachen des für 2010 erwarteten Gewinns gehandelt. Insofern ist die Aktie vollkommen losgelöst von Übernahmespekulationen ein klarer Kauf. Das Kursziel beträgt 40,00 Euro. Der Stoppkurs sollte bei 21,00 Euro platziert werden.