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Lichtgeschwindigkeit

"Jeder kann ein Action Hero sein und den Klimawandel bekämpfen", so Arnold Schwarzenegger jüngst in Wien. Er fordert gerade Seite an Seite mit Philips (WKN 940 602) rasche Investitionen in  LED-Lampen - und rennt damit offene Türen ein. Schließlich geben Städte rund die Hälfte ihrer Stromkosten für die Beleuchtung von Straßen, Schulen oder Parks aus.

Durch LED-Technik sinken diese Stromkosten um bis zu 70 Prozent. Weitere Vorteile: LEDs halten 20-mal länger als herkömmliche Glühbirnen und sind intelligenter einsetzbar - wie etwa beim Empire State Building, dessen Spitze dank Philips in allen denkbaren Rot-, Blau- und Grünkombinationen leuchtet. Vor allem für den Ausbau der Infrastruktur ist das niederländische Traditionsunternehmen bestens gerüstet: Noch im ersten Quartal wird ein "LED Street Lighting Toolkit" vorgestellt.

Apple-Hype bei Hue

Im Geschäft mit Privatkunden gibt es nicht nur Lichtblicke  - sondern eine ganze Lichtdisco. Ein Beispiel: Die im Apple Store vertriebenen Hue-Lampen von Philips werden ganz normal in die Wohnzimmerleuchten geschraubt und dann per Smartphone gesteuert. Die LED-Lampen leuchten dabei in 16 Millionen Farben. Weiterer Clou: Die Lampen können etwa als Lichtwecker verwendet oder vom Büro aus an- und ausgeschaltet werden. Ein Set mit drei Lampen und der Basisstation kostet satte 200 Euro. Doch die coole Neuheit kommt sehr gut an. Mehrere Wochen war das Produkt aufgrund der immensen Nachfrage ausverkauft - aktuell beträgt die Lieferzeit laut Apple  Store vier bis sechs Wochen.

Obwohl "Lighting" nur eine von drei Sparten ist, bezeichnet sich Philips als die "größte Lighting-Firma der Welt." Mit LED-Beleuchtung wurden im vierten Quartal bereits 25 Prozent der Umsätze des Lichtbereichs erzielt - das Wachstum betrug 43 Prozent. Und es geht weiter. Schließlich erwarten Experten bis 2020 eine weitere Verdopplung des Weltmarktes für LED-Produkte.

Konzentration

Philips Hue ist nur eines von zahlreichen Produkten, mit denen es Philips dank smarter Lösungen gelingt, überdurchschnittliche Preise und Gewinnmargen zu erzielen. Weitere Beispiele sind SensoTouch-Rasierer (beworben von BVB-Coach Jürgen Klopp), elektrische Zahnbürsten und Kaffeemaschinen. 2009 wurde der italienische Haushaltsgerätehersteller Saeco akquiriert. Philips ist innovativ und findet Nischen, die nicht von der geballten asiatischen Konkurrenz überrollt werden.

Das gelingt jedoch nicht überall. Vor allem im heiß umkämpfen Markt für TV-Geräte hatte Philips seit Jahren Probleme, gegen Giganten wie Samsung und Sharp zu bestehen. Vor einem Jahr wurde daher bereits das Fernsehgeschäft in ein Joint-Venture ausgegliedert. Nun ein weiterer von den Aktionären unter Kursgewinnen bejubelter Schritt: Philips hat Ende Januar den Verkauf der Sparte "Lifestyle Entertainment" bekannt gegeben, die Radios, Kopfhörer und Musikplayer umfasst. Der langjährige japanische Partner Funai Electric überweist dafür 150 Millionen Euro.

Ziel "Beschleunigung"

Der Verkauf des Problembereichs ist ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg, Philips schlanker, profitabler und schlagkräftiger zu machen. Der Konzern hatte bereits 2011 das Programm „Accelerate!" gestartet. Allein 2012 wurden im Rahmen dessen eine halbe Milliarde laufende Kosten reduziert. Wichtiges Ziel der Initiative: Neue Produkte viel schneller als bisher in den Verkauf zu bringen. Schon jetzt sei es gelungen, die Zeit von der Idee bis zur Produkteinführung um bis zu 40 Prozent zu reduzieren.

Die Niederländer sind ganz offensichtlich auch selbst vom Erfolg des Umbaus überzeugt: Seit Mitte 2011 hat der Konzern eigene Aktien im Volumen von 1,5 Milliarden Euro zurückgekauft. Der Erwerb für weitere 500 Millionen Euro ist genehmigt.

Aktionär-Freundlichkeit

Nicht nur der Aktienrückkauf sorgt für eine erfreuliche Kursentwicklung. Philips steht seit Jahrzehnten für eine außergewöhnlich stabile Dividendenpolitik. Seit 17 Jahren gab es keine Kürzung oder gar einen Ausfall der Ausschüttung. Seit 2008 liegt sie bei über 70 Cent pro Aktie. Für 2013 dürften erneut 0,75 Cent ausgeschüttet werden. Damit liegt die Rendite bei starken 3,2 Prozent.

Und die Chancen stehen gut, dass der positive Trend anhält. Schließlich dürfte der operative Gewinn im laufenden Jahr aufgrund der Umstrukturierung um knapp 50 Prozent zulegen. Für langfristiges Wachstum scheint gesorgt. Zumal die Niederländer auf große Trends setzen.

Neben Lighting will Philips in diesem Jahr vor allem die Medizintechnik-Sparte vorantreiben. Rückenwind gibt es genug - die Menschen werden immer älter, chronische Erkrankungen nehmen zu. Hier schafft Philips etwa mit Röntgengeräten, Beatmungsgeräten oder Defibrillatoren Abhilfe. Es brummt. Ende des Jahres lag der Auftragsbestand für Medizintechnik auf dem höchsten Niveau seit 2008.

Zudem ist Philips aufgrund der Marke - die 41.-bekannteste der Welt mit einem Wert von neun Milliarden Dollar - bestens im Bereich "Consumer Lifestyle" positioniert, um weiterhin gut mit dem Verkauf von Damen-Rasierern, Föns und Mixern zu verdienen.

Hohes Momentum

Charttechnisch hat das einst langweilige Papier mittlerweile Schwung aufgenommen. Philips befindet sich in einem voll intakten kurzfristigen Aufwärtstrend. Aufgrund der günstigen Bewertung und der positiven Impulse durch „Accelerate!" steht einer Fortsetzung nichts im Wege.

Dennoch: Geduldige Investoren sollten aufgrund der relativ hohen Volatilität schrittweise einsteigen, um den Einstiegskurs zu glätten.

Guten Morgen Philips

Lange Jahre war Philips ein verschlafener Konzern. Mittlerweile sind die Niederländer aufgewacht, haben sich von Problembereichen gelöst und treffen mit schicken Wohlfühlprodukten wie Lichtweckern wieder den Nerv der Zeit. Auch der Überraschungserfolg der WLAN-Leuchte Hue zeigt das Potenzial des Konzerns. Aufgrund der günstigen Bewertung und soliden Bilanz ist Philips für konservative Anleger bestens geeignet.

Dieser Artikel ist in der AKTIONÄR-Ausgabe 07/2013 erschienen.

Kurs —  
Empf. Kurs
21,70 €
Ziel
30,00 €
Stopp
15,70 €
Status
Aktiv

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