Den Titel "Beste Privatbank der Welt" würde sich sicherlich jede Bank gerne auf die Fahnen schreiben. Doch der ist von Euromoney, einer führenden Fachzeitschrift für internationales Bankwesen und Kapitalmärkte, schon zum zweiten Mal hintereinander an die Schweizer Credit Suisse vergeben worden.
Viel Lob, das auch durch gute Zahlen untermauert wird. Doch nicht nur die sprechen für die Aktie der Schweizer Großbank, auch die Wachstumsziele und vor allem die günstige Bewertung lassen Spielraum für Fantasie und Kursgewinne.
Starkes Geschäft
Wie gut die Schweizer bei den Kunden ankommen, zeigt sich an den Zuflüssen in den Bereichen Private Banking und Vermögensverwaltung. "Das Private Banking verzeichnete einen hohen Netto-Neugeldzufluss. Dies spricht für unser attraktives Leistungsversprechen und belegt, dass wir das Vertrauen der Kunden genießen", so Vorstandschef Brady W. Dougan mit berechtigter Überzeugung: Im Privatkundengeschäft verzeichnete Credit Suisse im Gesamtjahr 2010 einen Nettozufluss in Höhe von 54,6 Milliarden Schweizer Franken, was gegenüber 2009 einer Steigerung um 31,3 Prozent entspricht. Im Bereich Vermögensverwaltung konnte die Bank 45,3 Milliarden Franken neu einwerben. Über 80 Prozent davon im internationalen Geschäft - insbesondere aus den Emerging Markets. Damit ist klar, dass auch das Ergebnis erfreulich ausgefallen ist: Der Vorsteuergewinn belief sich auf 7,2 Milliarden Franken, netto verdiente die Credit Suisse fünf Milliarden Euro. Da fällt auch ein positiver Ausblick leicht: "Wir streben eine Eigenkapitalrendite von über 15 Prozent und für Netto-Neugelder ein Wachstum von über sechs Prozent an. Unsere Ziele basieren auf einer vorsichtigen Einschätzung der langfristigen Geschäftsentwicklung in unserer Branche", so Dougan weiter.
Starke Bilanz
Auf das für die Banken striktere regulatorische Umfeld hat sich die Credit Suisse schon längst eingestellt. Mit einer Kernkapitalquote von 17,7 Prozent haben sie eine der stärksten Bilanzen in der Branche. Was das betrifft setzt die alpenländische Eidgenossenschaft ohnehin die Messlatte hoch. Die Schweiz will von ihren beiden systemrelevanten Großbanken UBS und Credit Suisse mit 19 Prozent doppelt so hohe Eigenkapitalquoten verlangen wie im Rahmen des internationalen Banken-Regelwerks Basel III vorgesehen ist.
In Sachen Eigenkapitalbeschaffung hat die Credit Suisse vor Kurzem neue Wege beschritten. Die Großaktionäre Katar Holding und Olayan Group wollen 2013 eine Pflichtwandelanleihe im Volumen von insgesamt rund sechs Milliarden Franken zeichnen. Das Erfüllen der strengen, ab 2019 geltenden Schweizer Eigenkapitalvorschriften sollte kein Problem darstellen. Das Besondere an diesen Anleihen: Sie werden automatisch in Aktien gewandelt, wenn die Eigenkapitalquote der Credit Suisse unter sieben Prozent sinkt.
Der Zeitpunkt der Anleiheemission ist darauf zurückzuführen, dass Katar und Olayan 2008 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise Anleihen gezeichnet hatten, die ab Oktober 2013 fällig werden. Es ist davon auszugehen, dass es zu einem Austausch kommt, der zudem die Zinskosten senkt.

Ein Muss im Depot
Das stabile Geschäft mit vermögenden Privatkunden, die günstige Bewertung und die solide Bilanz sprechen klar für die Credit-Suisse-Aktie. Wenn man von einem Comeback der Bankenwerte in 2011 ausgeht, dann darf die "beste Privatbank der Welt" nicht im Depot fehlen.