Bastian Galuschka
Eine Analystenaufstufung hat den eh schon raketenhaften Anstieg der Novelos-Aktie zusätzlich befeuert. Damit summiert sich das Kursplus seit der AKTIONÄRs-Empfehlung im Sommer auf inzwischen satte 250 Prozent. Wie sollen Anleger sich nun verhalten?
Welch wichtige Rolle die Psychologie an der Börse spielt, könnte man fast an keinem Beispiel besser verdeutlichen als an der Novelos-Aktie. Wochen- ja monatelang interessierte sich kein Marktteilnehmer für den Titel, die Aktie dümpelte im Pennystock-Bereich vor sich hin. Im Dezember dann die Kursexplosion: Unter extrem hohem Volumen verdreifachte sich der Titel in gerade einmal zwei Handelswochen.
Dabei waren die Fakten schon seit langer Zeit bekannt, DER AKTIONÄR hatte mehrmals auf das Potenzial von Novelos' Medikamentenkandidaten NOV-002 zur Behandlung verschiedener Krebskrankheiten hingewiesen. Aber erst jetzt scheint sich der Markt dessen allmählich bewusst zu werden.
Analysten erhöhen Kursziel
Zuletzt beflügelte die Aktie ein Analystenupdate der Experten von Rodman & Renshaw. Diese sehen mittlerweile die Wahrscheinlichkeit, dass die im ersten Quartal 2010 erwarteten Phase-III-Daten von NOV-002 positiv ausfallen werden, bei 70 Prozent und erhöhten ihr Kursziel von 3 auf jetzt 4 Dollar je Aktie. Der vollständige Bericht kann hier eingesehen werden.
Mehrere Strategien
Bei so einem schnellen Kursanstieg kommen Anleger natürlich leicht in Versuchung, erste Gewinne zu realisieren. Verdenken kann man es keinem. DER AKTIONÄR hat nachfolgend einige mögliche Handelsszenarien aufgelistet:
1. Wer auf Nummer sicher gehen will, freut sich über den Kursgewinn von 250 Prozent in nicht einmal sechs Monaten und stellt seine Position komplett glatt. Damit wäre man zwar bei einem weiteren Kursanstieg nicht mehr dabei, hätte aber in kürzester Zeit eine mehr als respektable Performance eingetütet.
2. Die zweite Möglichkeit wären Gewinnmitnahmen. Man verkauft einen Teil der Position und lässt den Rest weiterlaufen. Anbieten würde sich hier beispielsweise, seinen ursprünglichen Einsatz wieder aus dem Markt zu nehmen. Sollte NOV-002 scheitern und die Novelos-Position im Extremfall ein Totalverlust werden, hätte man in diesem Fall zumindest nichts verloren, der Anfangseinsatz wurde ja gesichert.
3. Lust, but not least, können risikofreudige Naturen die Position natürlich auch voll weiterlaufen lassen. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die Gewichtung der Aktie im Depot auch nach der Kursrallye überschaubar ist. Sollte das nicht der Fall sein, sollte man aus Risikogesichtspunkten lieber wie unter 2. geschildert verfahren.

Stoppkurse helfen nur bedingt
Für welche Strategie Anleger sich auch entscheiden werden, über eines müssen sie sich im Klaren sein: Stoppkurse werden bei Novelos nicht vor großen Verlusten schützen. Sobald die Ergebnisse von NOV-002 im nächsten Jahr wie in den häufigsten Fällen nach Börsenschluss in Amerika vorgelegt werden, wird der Titel nachbörslich entweder deutlich zweistellig einbrechen oder die Kursrallye fortsetzen. Die Folge ist, dass die Aktie am darauffolgenden Tag dann mit einem gewaltigen Gap in Deutschland aufmachen wird, ehe Anleger überhaupt reagieren können.
Es bleibt daher dabei, wer sich des hohen Risikos bewusst ist, für den ist die Novelos-Aktie genau die richtige "Spielwiese", alle anderen lassen die Finger von dem Titel.