Thomas Gebert
Die griechische Tragödie ist noch nicht zu Ende. Vorsicht ist in nächster Zeit ratsam. Einiges spricht dafür, die Cash-Quote im Depot zu erhöhen.
Das griechische Problem lässt sich aus meiner Sicht nicht einer sinnvollen Lösung zuführen. Bei gegebener Schuldnerqualität muss Griechenland 6,4 Prozent für seine Anleihen zahlen statt 3,1 wie Deutschland. Bei diesem Zinsniveau lassen sich die fällig werdenden Schulden Griechenlands nicht lange refinanzieren. Die vom griechischen Premier aufgestellte Forderung, Griechenland müsse zu den Konditionen der anderen Euroländer wie etwa Deutschland leihen können, würde voraussetzen, dass jemand die gesamten Staatsschulden Griechenlands garantiert. Dazu wird niemand bereit sein. Selbst angedachte kurzfristige Finanzhilfen der EU führen nicht aus dem Dilemma. Die EU müsste ab diesem Moment jeden weiteren Finanzierungsbedarf Griechenlands sicherstellen.
Eine etwaige Zahlungsunfähigkeit Griechenlands könnte eine Kettenreaktion in Gang setzen und die Risikoprämien für die Kreditaufnahme anderer Länder in die Höhe treiben, was denen wiederum die Finanzierung erschweren und sie ebenfalls in die gleiche Spirale wie Griechenland zwingen würde. Dies wäre dann die Finanzkrise 2.0 oder, wie das Wall Street Journal einen amerikanischen Wirtschaftsprofessor zitiert, die "Mutter aller Finanzkrisen".
Auch andere Krisen, die ich beobachtet habe, köchelten lange vor sich hin, bevor sich ein lawinenartiges Ausmaß entwickelte, das die Börsen in die Tiefe riss. Der Beginn der Immobilienkrise in den USA ließ sich von Anfang 2007 an beobachten: Die Hauspreise begannen zu stürzen und die Zahl der nicht mehr bedienten Hypothekendarlehen schoss in die Höhe. Die Börse zeigte sich lange unbeeindruckt, bis die Löcher in den Bilanzen der Banken sichtbar wurden.
Auch die Entwicklung der Asienkrise, die im Spätsommer 1998 den DAX 50 Prozent seines Wertes kostete, ließ sich von 1997 an im Zeitlupentempo beobachten. Zu jedem Zeitpunkt dieser Spanne dachte man, dass die Börse die ungünstige Entwicklung bereits eskomptiert hätte. Doch dem war nicht so. Ohne dass ein neues Ereignis hinzugekommen wäre, fing auf einmal alles an zu rutschen.
Erschwerend kommt in der jetzigen Situation hinzu, dass bei der letzten Krise fast alle Industriestaaten schon bis an die Grenze ihrer Verschuldungsmöglichkeit gegangen sind und im Falle einer erneuten Krise kein trockenes Pulver mehr haben. Schon eine erneute Rezession mit dem dazugehörigen Einbruch bei den Steuereinnahmen könnte ausreichen, mehrere Staaten in die Nähe eines Bankrotts zu treiben.
Wahrscheinlich wird es nicht so kommen, doch die Möglichkeit besteht. Deshalb halte ich für sinnvoll, Risiko aus dem Depot zu nehmen und die Barquote deutlich zu erhöhen.