Frank Phillipps
Seit Empfehlung liegt die Aktie von Nektar schon rund 230 Prozent im Plus. Kann der Höhenflug des Papiers weiter anhalten? DER AKTIONÄR über die Perspektiven für die amerikanische Biotech-Firma.
Als DER AKTIONÄR die Aktie von Nektar Therapeutics im November 2008 zum Kauf empfahl, deutete wenig darauf hin, dass sich das Papier der amerikanischen Biotech-Firma noch zum Überflieger entwickeln würde. Im Gegenteil, das Papier befand sich damals auf kontinuierlichem Sinkflug, der sich auch nach der Besprechung im AKTIONÄR noch fortsetzte. Nur knapp entging die Aktie dem Schicksal, ausgestoppt zu werden. Zum Glück, denn Anfang 2009 setzte das Papier zu einer fulminanten Aufwärtsbewegung an, die sich vor Kurzem noch einmal durch gute Daten aus klinischen Studien beschleunigte. Unter dem Strich steht derzeit ein Gewinn von knapp 230 Prozent. Doch wie geht es jetzt weiter?
Weichen gestellt
Nach dem starken Anstieg der letzten Monate ist eine Korrektur bei der Aktie von Nektar eigentlich überfällig. Wer der Empfehlung des AKTIONÄRS gefolgt ist, sollte durchaus darüber nachdenken, einen Teil der bisher erzielten Gewinne zu sichern. Mit der Restposition kann dann munter weiter spekuliert werden. Und das hauptsächlich auf den Erfolg von Nektar mit dem Medikamentenkandidaten NKTR-102. Den experimentellen Krebswirkstoff hat Nektar auf Basis der hauseigenen Technologieplattform entwickelt. Aktuell laufen verschiedene klinische Tests der Phase II bei unterschiedlichen Krebsarten wie Brust- oder Darmkrebs. Erst vor Kurzem hatte Nektar positive Daten aus Phase-II-Tests in der Indikation Eierstockkrebs präsentiert. Für das laufende Jahr werden noch mehrere Resultate aus den klinischen Studien erwartet, die als Katalysator für den Aktienkurs dienen könnten. Unter anderem wird Nektar beim ASCO-Meeting Ende Mai präsentieren.
Übernahmekandidat
Liefert Nektar gute Daten, wären diese auch eine exzellente Grundlage für einen lukrativen Deal mit einem größeren Partner, der die teuren Phase-III-Studien finanziert. Denn die kann das kleine Biotech-Unternehmen aus eigener Kraft nicht stemmen. Zum Ende des vergangenen Jahres hatte das Unternehmen zwar noch rund 50 Millionen Dollar an Cash in der Kasse, doch allein im vierten Quartal 2009 steckte Nektar knapp 25 Millionen in Forschung und Entwicklung. Unterstellt man, dass die Amerikaner das Geld in diesem Tempo weiter "verbrennen", wäre zum Halbjahr Ebbe in der Kasse.
Crashkurs Börse
Wie funktioniert die Börse? Wie kommen Kurse zustande? Warum funktioniert Charttechnik? Welche Kennzahlen sind wichtig? Wie und wo kann ich ein Depot eröffnen? Wenn auch Sie sich solch grundlegende Fragen rund um das Börsengeschäft stellen, dann sind Sie bei diesem Buch gut aufgehoben.
Alle weiteren Informationen und eine Leseprobe finden Sie hier.
Ein potenzieller Partner wäre der britische Pharmakonzern AstraZeneca, mit dem Nektar bereits bei der Entwicklung des Opioidantagonisten NKTR-118 verbandelt. Der hat die zweite Phase klinischer Studien bereits erfolgreich abgeschlossen. Nicht ausgeschlossen, dass AstraZeneca sich Nektar gleich komplett einverleibt. Die aktuelle Börsenbewertung von 1,5 Milliarden Dollar plus einer Übernahmeprämie von 50 bis 70 Prozent dürfte für die Briten kein allzu großes Hindernis darstellen.

Noch ausreichend Fantasie
Auf den ersten Blick scheint die Nektar-Aktie arg heiß gelaufen und mit einem Börsenwert von knapp 1,5 Milliarden Dollar auch nicht mehr unbedingt ein Schnäppchen zu sein. Allerdings steckt in dem Wert noch einiges an Fantasie. Zum einen durch die vielversprechende Pipeline. Neben NKTR-102, dem Analysten Umsätze im hohen dreistelligen Millionenbereich zutrauen, verfügt Nektar über eine Handvoll weiterer Kandidaten in klinischen Studien, die im Alleingang oder mit Partnern wie UCB oder Bayer durchgeführt werden.
Hinzu kommt die Fantasie, dass Nektar noch im laufenden Jahr einen Partner für NKTR-102 präsentieren könnte. Wer dabei ist, kann Teilgewinne mitnehmen und bleibt mit der Restposition mit einem Zielkurs von 12,50 und einem Stopp bei 8,50 Euro engagiert. Wer neu einsteigen will, sollte vorher eine Korrektur abwarten.