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Mit Vollgas zur Weltspitze

Ein billiger Ford-Klon - Als Hyundai 1975 mit dem Pony I das erste eigene Auto auf den Markt brachte war dies bestenfalls eine Randnotiz. Zu Recht, denn während die Konkurrenz um Ford Mustang oder Golf GTI schon zu dieser Zeit attraktive Rennpferde im Stall hatte, machte der Pony seinem Namen alle Ehre.

Davon ist heute nicht viel übrig. Das jüngst eingeführte neue Modell des Kompaktwagens i30 wird von der Fachpresse gefeiert. In puncto Verarbeitung und Verbrauch habe Hyundai bereits sogar den Wolfsburger Klassenprimus Golf überholt. Selbst Martin Winterkorn kam nicht um ein Lob herum. „Da scheppert nix. BMW kann's nicht, wir können's nicht. Aber die können's", polterte der Volkswagen-Chef, als er die Lenkradverstellung des neuesten Hyundai-Sprösslings auf der Fachmesse IAA unter die Lupe nahm - sehr zur Freude von mittlerweile mehr als 1,6 Millionen Zuschauern, die den versteckt aufgenommenen Videoclip bisher bei Youtube angesehen haben. Eine bessere Werbung hätte sich Hyundai für den neuen Golf-Konkurrenten nicht wünschen können.

Gelungener Auftakt statt Krise

Die ersten Verkaufszahlen bestätigen, dass Hyundai mit dem i30 einen weiteren Volltreffer gelandet hat. Mithilfe des neuen Modells hat Hyundai in Deutschland im Juni erstmals mehr als 10.000 Fahrzeuge verkauft. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutete dies ein Plus von rund 36 Prozent. Auch im Rest Europas verkaufen sich die Autos der Koreaner wie geschnitten Brot. Während der europäische Automobilmarkt im ersten Halbjahr um rund sieben Prozent geschrumpft ist, hat Hyundai seinen Absatz um fast zwölf Prozent gesteigert. Die ebenfalls zum Konzern gehörende Schwestermarke Kia hat sogar ein Plus von rund 25 Prozent verbucht. Insgesamt haben Hyundai und Kia im ersten Halbjahr über 391.000 Fahrzeuge an ihre europäischen Kunden übergeben. Damit haben sie in dieser Beziehung sogar erstmals den deutschen Konkurrenten Daimler überholt.

Der Zuwachs ist besonders bemerkenswert, da Hyundai noch immer stark auf Klein- und Kompaktwagen fokussiert ist, ein Markt, der im ersten Halbjahr überdurchschnittlich eingebrochen ist. Ähnlich ausgerichtete Hersteller wie Ford, Fiat, Opel, Peugeot oder Renault mussten allesamt Einbußen im zweistelligen Prozentbereich hinnehmen. Bei Renault waren es etwa fast 20 Prozent. Selbst Volkswagen verbuchte bei seiner Kernmarke ein Minus von gut zwei Prozent.

Modern statt schlicht und praktisch

„In diesen Zahlen schlägt sich nieder, dass ein Großteil unserer Modelle durch und durch europäisch ist: Sie werden im Forschungs-, Entwicklungs und Designzentrum in Rüsselsheim konzipiert und in Europa gefertigt", erläutert Markus Schrick, Geschäftsführer von Hyundai Motor Deutschland eines der Erfolgsrezepte der Koreaner.

Ein besonderer Design-Coup ist der Schwestermarke Kia gelungen. 2006 holte sie Peter Schreyer an Bord, der zuvor jahrelang als Chefdesigner für Volkswagen tätig war. Aus seiner Feder stammten unter anderem der VW New Beetle oder der Audi TT. Nun hat er für Kia die besonders wichtigen Volumenmodelle Rio und Ceed schrittweise auf Vordermann gebracht. Mit den Designsünden der Vorgänger haben die aktuellen Modelle nichts mehr gemeinsam. Die explodierenden Verkaufszahlen des ersten Halbjahres bestätigen, dass Schreyer von seinem Talent nichts verloren hat.

Weltweit auf dem Vormarsch

Um die unterschiedlichen Geschmäcker von Afrikanern, Amerikaner, Asiaten und Europäern besser zu treffen, hat Hyundai nicht nur in Rüsselsheim, sondern über den Globus verteilt insgesamt fünf Design-Zentren errichtet. Das zahlt sich aus, denn nahezu weltweit ist Hyundai auf der Überholspur.

2011 haben Hyundai und Kia insgesamt 6,56 Millionen Fahrzeuge verkauft, ein Plus von rund 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit belegt Hyundai bereits Platz 5 der größten Autobauer der Welt. 2012 soll die Marke von sieben Millionen Fahrzeugen purzeln. Insgesamt hat Hyundai den weltweiten Fahrzeugabsatz allein in den vergangenen drei Jahren um über 40 Prozent gesteigert. Als Konzernchef Chung Mong-Koo 1999 das Ruder bei Hyundai übernahm, lag die Gruppe noch auf Platz 11

Bestseller im Doppelpack

Der Hyundai Elantra, ein Schwestermodell des hierzulande erhältlichen i30, war im vergangenen Jahr nach dem Toyota Corolla sogar das meistverkaufte Auto der Welt. Mit einem Absatz von einer Million Fahrzeugen hat er die Spitzenposition zudem nur haarscharf verfehlt. Die Schwestermarke Kia ist mit dem Rio ebenfalls in die Top 5 gefahren. Der deutsche Branchenprimus VW Golf schaffte es mit 648.000 Exemplaren dagegen nur auf den zehnten Platz. Besonders gut ist Hyundai in den rasant wachsenden asiatischen Märkten aufgestellt. Sowohl in Indien als auch in China rangieren die Koreaner bereits auf Platz 2.

Disziplin + Ehrgeiz = Erfolg

Auch in Zukunft dürfte Hyundai überdurchschnittlich wachsen. Die Marktforscher von Booz & Company erwarten, dass Hyundai neben Volkswagen in den kommenden fünf Jahren die stärksten Marktanteilszuwächse verzeichnen wird. Angesichts des beeindruckenden Wachstumstempos rechnen viele Experten sogar damit, dass Hyundai im Laufe des Jahrzehnts die Spitzenposition erobern wird. Die Voraussetzungen für einen weiteren Vormarsch an die Weltspitze bringt Hyundai jedenfalls mit, denn die jüngsten Erfolge der Koreaner beruhen keineswegs allein auf modernem Design. Hyundai gilt als effi zientester Autobauer der Welt. Während bei Volkswagen im Schnitt etwa 17 Fahrzeuge pro Mitarbeiter produziert werden, sind es bei Hyundai 48. Trotz der nach wie vor verhältnismäßig niedrigen Preise fährt Hyundai dadurch schon seit Jahren höhere Renditen ein als die Konkurrenz.

Autoritäre Unternehmensführung

Dass dabei die Qualität nicht auf der Strecke bleibt, ist sowohl dem strengen Regiment des Konzernchefs Chung Mong-Koo als auch der Mentalität der Koreaner zu verdanken. Selbst kleinere Fehler werden konsequent bestraft. Einen amerikanischen Produktionsleiter soll der Patriarch etwa nach Südkorea versetzt haben, weil dieser bei einer Werksführung nicht wusste, wie sich die Motorhaube öffnen lässt. Die Kombination aus Ehrgeiz und Disziplin treibt die Mitarbeiter zu Höchstleistungen.

Dabei kommt Hyundai die extreme Autoritätshörigkeit der Koreaner zugute. Statt zu streiken, sind 60-Stunden-Wochen und freiwilliger Verzicht auf Urlaub an der Tagesordnung. Das eigene Wohl ist bei Koreaner schließlich eng mit dem Wohl der Firma verbunden. Auch in den ausländischen Niederlassungen ist diese Mentalität stark verankert. Der Fleiß zahlt sich aus. In den vergangenen beiden Jahren hat Hyundai jeweils die Goldmedaille im Qualitätsreport der Fachzeitschrift Auto Bild gewonnen.

In zwei Jahrzehnten zur Elite

Auch bei der Forschung und Entwicklung zahlt sich der Ehrgeiz aus. Besonders bemerkenswert sind die Fortschritte bei der Motorenentwicklung. Obwohl Hyundai den ersten eigenen Motor erst 1991 auf den Markt brachte, sind die neuesten Motorgenerationen der Koreaner bereits auf Augenhöhe mit den spritsparenden Modellen der Konkurrenz aus Deutschland und Frankreich. Um die technologische Aufholjagd fortzusetzen, beschäftigt Hyundai rund 10.000 Ingenieure, von denen viele an den besten Universitäten der Welt studiert haben.

Überflieger zum Schnäppchenpreis

Hyundai wächst schneller und profitabler als alle anderen großen Automobilhersteller. Innerhalb weniger Jahre haben sich die Koreaner so vom kaum bekannten Billigheimer in die Champions League katapultiert. Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Dennoch wird die Aktie gerade einmal mit einem KGV von 7 bewertet. Neben Volkswagen sind die Koreaner damit eines der Top-Investments der Branche.

Kurs —  
Empf. Kurs
23,27 €
Ziel
30,00 €
Stopp
18,00 €
Status
Aktiv

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