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Freundliche UFOs

Drohne. Ein dunkles Wort. Es stammt von "dröhnen" ab, erinnert an "drohen" und wird primär mit unbemannten Kriegswaffen in Verbindung gebracht. Doch es gibt auch freundliche Drohnen. Die AR.Drone der französischen Parrot (WKN A0J 3D7) erzeugt keine Angst, sondern Kinderlachen und helle Begeisterung. Das Spielzeugfluggerät kann schwebend mittels zweier eingebauter Kameras die Nachbarschaft erkunden oder zu spielerischen, halb virtuellen Luftkämpfen eingesetzt werden. Zahlreiche Sensoren gleichen starke Windböen aus und ermöglichen gestochen scharfe Luftaufnahmen. Selbst Sportprofis wie etwa Schwimmer benutzen daher die mit 19 Patenten geschützte Drohne zur Analyse ihrer Bewegungsabläufe.

Doch der 2010 vorgestellte und 2012 erneuerte Kassenschlager war erst der Anfang.

Größer, weiter, teuerer

Jetzt will die französische Technologiefirma ihr Produktportfolio um Drohnen für gewerbliche Anwendungen ergänzen. Zu diesem Zweck haben die Franzosen im Juli für fünf Millionen Franken die Mehrheit an der Schweizer Firma SenseFly erworben. Dass es Parrot mit diesem Vorstoß ernst meint, zeigt die gleichzeitige Übernahme von Pix4d, einem Bild-Spezialisten für 3D-Luftaufnahmen.

http://www.deraktionaer.de/upload_beitrag/Parrot_AR.Drone_520x220_778789.jpg

Während die AR.Drone nur 300 Euro kostet, erzielt SenseFly für seine fliegende Kamera „Swinglet" fünfstellige Verkaufspreise. Dafür kann das Gerät mit 30 Minuten doppelt so lange in der Luft schweben, bevor der Akku neu geladen werden muss. 

Die Anwendungsmöglichkeiten für kommerzielle Mini-Drohnen sind breit gefächert. Käufer sind Meteorologen, Baufirmen, Landwirte, Journalisten oder Rohstofffirmen, die ein Gelände von oben ohne kostspielige Hubschrauber filmen oder kontrollieren wollen. Auch Hochwasserprognosen, Verkehrssimulationen oder die Überwachung der Wanderbewegungen von Wildtieren sind denkbar. Gaskonzerne prüfen bereits ihre Pipelines mit Drohnen, die sich autark per GPS orientieren.

Neuer Milliardenmarkt

Bislang macht das im „Multimedia"-Geschäft gebündelte Drohnen-Business weniger als zehn Prozent der Konzernumsätze von Parrot aus. Doch insbesondere das gerade erst gestartete Geschäft mit kommerziellen Drohnen könnte bald richtig abheben. SenseFly rechnet damit, dass der Markt für ul­traleichte zivile Drohnen im Jahr 2020 bereits eine Milliarde Dollar umfassen wird. Haupttreiber ist der jährlich um 15 Prozent wachsende Bedarf an detailliertem Kartenmaterial.

Geballtes Know-how

Derzeitiges Hauptgeschäft der Franzosen sind integrierte Freisprecheinrichtungen für Autohersteller wie Ford, Nissan und Daimler.

Parrot beherrscht dabei längst das Zusammenspiel mit dem Internet, Smartphones und dem Autoradio und bietet komplette Infotainment-Systeme an. Autofahrer könnten etwa mit dem Asteroid-Radio direkt ins Internet gehen und Musik downloaden, Apps und die Navigation nutzen oder drahtlos telefonieren.

Nicht nur im Auto sind Parrot-Produkte anzutreffen. Die Technologiefirma trifft auch mit großen knallbunten Wohnzimmer-Boxen, die von Smartphones angesteuert werden können, den Nerv der Zeit.

Die Kreativität kommt nicht von ungefähr: Allein in den letzten zwei Jahren ist die Belegschaft um 200 auf nunmehr rund 700 angewachsen. Bemerkenswert: Mehr als die Hälfte davon sind der Forschungs- und Entwicklungsabteilung zuzurechnen.

Gewinnsprung

Die neuen Mitarbeiter bezahlen das Vertrauen zurück. Im zweiten Quartal hat der Konzern erneut respektable Zahlen erwirtschaftet. So stieg der Umsatz um zehn Prozent auf 70,7 Millionen Euro und der Nettogewinn überproportional um 60 Prozent auf 9,3 Millionen Euro. Und das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Parrot-Chef und -Gründer Henri Seydoux sagte im Interview mit dem AKTIONÄR: „Wir ruhen uns definitiv nicht aus. Wir haben in der Vergangenheit bewiesen, das wir leicht eine operative Marge von über 15 Prozent erzielen können".

Zum Vergleich: Die EBIT-Marge im zweiten Quartal 2012 lag „nur" bei 11,8 Prozent.

Bärenstarke Bilanz

Auch die Bilanzdaten überzeugen. So weist Parrot zum Halbjahr eine Nettocashposition in Höhe von 95 Millionen Euro oder rund einem Drittel der gesamten Marktkapitalisierung aus. Die Bewertung ist auch aus KGV-Sicht einer Wachstumsfirma nicht angemessen: Das laufende KGV liegt bei gerade einmal 10 und das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei 1. Zudem lädt die Charttechnik derzeit zu einem Investment ein: Der Aufwärtstrend ist voll intakt und die Aktie vollzieht derzeit eine saubere Konsolidierung oberhalb der wichtigen 22 Euro-Marke.

Der Papagei hebt ab

Der Name ist Programm. Parrot (englisch für Papagei) setzt auf ein buntes Produktportfolio mit viel Überraschungspotenzial. Den Franzosen ist dabei nicht nur im Kernbereich Auto- und Wohnzimmer-Entertainment noch einiges zuzutrauen. Vor allem der Einstieg in den Zukunftsmarkt Ultra-Leicht-Drohnen könnte die sehr günstig bewertete Technologie-Aktie schnell in neue Höhen tragen.

Dieser Artikel ist als Hot-Stock der Woche in der AKTIONÄR-Ausgabe 41/2012 erschienen.

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