Biokraftstoffe erobern den Markt. Die Leipziger Verbio AG (WKN A0J L9W) ist für diesen Trend hervorragend positioniert. Die nächsten Quartale werden zeigen, welches Potenzial in der Firma steckt.
W er mit dem Maserati frei nach Neue-Deutsche-Welle-Star Markus Mörl mit 210 Sachen über die Straßen jagen will, kann das im Gegensatz zum Songtext aus den Achtzigern auch sparsam und vernünftig machen. Zum Beispiel wenn das "gute Super" durch Biogas ersetzt wird. Ungeachtet der Diskussion um die Einführung von E10 Anfang dieses Jahres wird die Bedeutung von Biokraftstoffen immer mehr zunehmen. Einziger deutscher Hersteller, der Biodiesel, Bioethanol und Biogas im industriellen Maßstab herstellt, ist die Leipziger Verbio AG.
Starke zweite Halbzeit
Verbios Produktionskapazitäten belaufen sich auf 450.000 Tonnen Biodiesel und 300.000 Tonnen Bioethanol pro Jahr. Damit könnten 9.000 Lkw oder 120.000 Autos ein Jahr lang umweltfreundlich fahren. Trotz der aussichtsreichen Positionierung musste Verbio die Ergebnisziele für das laufende Jahr nach einem schwachen ersten Halbjahr aufgeben. Bei Umsätzen von 650 bis 750 Millionen Euro wollen die Sachsen ein EBITDA zwischen 25 und 30 Millionen Euro erwirtschaften. Zuvor lag die Messlatte beim Ergebnis bei 35 bis 40 Millionen Euro. Grund für die Anpassung waren einmalige Effekte, wie die Diskussion um den Biokraftstoff E10 und technische Probleme beim Wachstumsträger Biogas, die mittlerweile gelöst sind. „Das Leiden beschränkte sich auf das zweite Quartal, in dem selbst bereits kontrahierte Mengen von den Mineralölgesellschaften nicht abgenommen wurden", so Verbio-Chef Claus Sauter gegenüber dem AKTIONÄR. Für das zweite Halbjahr ist er jedoch zuversichtlich: "Unsere Produktion ist für 2011 ausverkauft. Für 2012 haben wir auch schon erste Mengen im Buch, wobei die eigentlichen Vertragsverhandlungen in den nächsten Wochen laufen", so Sauter weiter.
Biogas im Tank
Der Kick für die Aktie speist sich jedoch aus den Biogasaktivitäten. Das aus Abfallstoffen aus der Ethanol-Produktion gewonnene Biogas verkauft Verbio in erster Linie an Erdgastankstellen. Die Produktionskapazität liegt momentan bei rund 60 Megawatt, wobei die Auslastung aktuell bei rund 80 Prozent liegt, nachdem die anfänglichen technischen Probleme gelöst wurden. 2012 sollen die Kapazitäten auf 125 Megawatt verdoppelt werden. Dann sollen die Anlagen auch auf Volllast fahren. 40 Millionen Euro wird der Ausbau kosten, was Verbio aus dem laufenden Geschäft finanzieren kann. "Aber ich will mehr, viel mehr", gibt sich Sauter ehrgeizig, der eine weitere Verdopplung der Biogaskapazitäten auf 250 Megawatt im Blick hat. Die ersten Pläne für ein Projekt in Ungarn liegen bereits auf dem Tisch, weitere Anlagen in Osteuropa sind angedacht. Diese hängen jedoch noch an Finanzierungsfragen, die entweder über eine Anleihe oder Projektpartner gelöst werden dürften. "Wir prüfen im Moment verschiedenste Optionen bis hin zu Kooperationen zur Finanzierung unserer Ausbaupläne", erklärt Sauter.

Volle Kapazität, voller Spaß
Das dritte und vierte Quartal sollten bei Verbio einen erfreulichen Vorgeschmack auf 2012 geben, wenn das Biogasgeschäft rund läuft. Gut 27 Millionen Euro EBIT wären dann realistisch, 2013 bei voller Kapazität von 125 Megawatt sogar bis zu 40 Millionen. Dann ist auch für die Aktionäre bei KGVs von 11 (2012) und 8 (2013) Spaß garantiert. Die jüngste Kursrallye dürfte erst der Anfang einer nachhaltigen Aufwärtsbewegung gewesen sein.