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Von Tulpen und Blasen keine Ahnung

Alfred Maydorn


Früher waren es Tulpenzwiebeln, jetzt komplexe Finanzprodukte. Gezockt wird immer, heute wie vor 370 Jahren.

Früher waren es Tulpenzwiebeln, jetzt komplexe Finanzprodukte. Gezockt wird immer, heute wie vor 370 Jahren.

Im Jahr 1636 wurde in Amsterdam ein Haus verkauft. Nichts Besonderes soweit, allerdings lässt der Kaufpreis doch ein wenig aufhorchen: Der Käufer zahlte mit 3 (in Worten „drei“) Tulpenzwiebeln. Diese drei Tulpen waren allerdings 10.000 Gulden wert. Das entsprach in etwa dem 40fachen des Jahresgehaltes eines Zimmermanns zur damaligen Zeit. Die Tulpenspekulation hatte ihren Höhepunkt erreicht. Kurze Zeit später brach der Markt komplett in sich zusammen und viele Tulpen-Investoren fragten sich, wie sie nur so viel Geld für ein paar Tulpenzwiebeln bezahlen konnten.

Gleiches werden sich knapp 370 Jahre später die Anleger gefragt haben, die ihr Geld in Aktien vom Neuen Markt investiert haben. Auch hier wurden auf dem Höhepunkt für Unternehmen mit den Umsätzen einer mittleren McDonald´s-Filiale Preise von mehreren hundert Millionen Euro bezahlt. Wenige Monate später waren über 90 Prozent des investierten Geldes weg. Und in der aktuellen Finanzkrise wurden binnen weniger Monate gleich mehrere Billionen vernichtet, eine ganze Bankenlandschaft brach (fast) in sich zusammen. Was ist schief gelaufen vor 370 Jahren in Holland, vor neun Jahren am Neuen Markt und heute bei den Investmentbankern? Die einfache und ernüchternde Antwort: Es waren jeweils Menschen beteiligt. Und die verhalten sich in der Realität eben nicht so wie der in der Fachliteratur so oft gepriesene Homo Oeconomicus, sondern sind getrieben von Gier und Angst.

Nach jeder geplatzten Spekulationsblase ist das Gejammer groß und die Forderungen nach strengeren Regeln, Gesetzen und Strafen werden laut. Das ist heute nicht anders als vor 370 Jahren. Aber den Kern des Problems, das „Spekulations-Gen“ im Menschen, kann man damit nur temporär aufhalten. Und so bedeutet jedes Platzen einer Spekulationsblase fast unweigerlich die Geburtsstunde einer neuen. Solange Menschen involviert sind, wird gezockt. Wer mitmacht und rechtzeitig den Absprung findet, kann eine Menge Geld verdienen. Aber niemand soll sagen, er habe von Tulpen und Blasen keine Ahnung.

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