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Prof. Dr. Norbert Walter | 21.01.2010

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Exit vom Nullzins

Prof. Dr. Norbert Walter, Walter & Töchter Consult

Wird die Geldpolitik wieder restriktiver? Asien hat schon, USA wird bald, die EZB muss vielleicht erst Ende des Jahres die Leitzinsen erhöhen.

Eine der wichtigsten Fragen in diesem Jahr ist, ob die Geldpolitik zu normalen Verhältnissen zurückkehrt. Krisenzinsen, wie sie nach dem Lehman- Kollaps zur Sicherung der Zahlungssysteme der Welt angebracht waren, würden - falls fortgesetzt - unweigerlich zu neuen Blasen, zu fehlerhaftem Verhalten der Banken und am Ende zu Inflation führen. Die Zentralbanken diskutieren seit Monaten das "Ob" und das "Wie" des Ausstiegs aus der Nullzinspolitik.

Die asiatischen Länder - von der Finanzmarktkrise weit weniger tangiert - laufen der westlichen Welt mit Zinssteigerungen und mit restriktiven Maßnahmen zur Einschränkung der Kreditexpansion voraus. Australien, Korea, aber auch China und Indien sind hier zu nennen. Die Amerikaner sind die Nächsten. Zwar waren zuletzt die Arbeitsmarktentwicklungen ungünstig und die Neuigkeiten vom Immobilienmarkt gemischt. Aber bis zum Frühsommer sehe ich Zinssteigerungen für das US-Zentralbankgeld, weil sonst Carry-Trades sich weiter lohnen und damit Blasenbildung fördern.

Die europäische Zentralbank war und ist expliziter bezüglich ihrer Absicht, die stimulierende Geldpolitik zu beenden. Freilich sagt sie nicht genau, wann sie die Zinsen erhöhen will. Es vermutet jedoch kaum jemand, dass die Zinserhöhung erst nach der Jahresmitte erfolgt. Die europäische Konjunktur ist freilich eher noch schwächer als die der USA. Mein eigenes Urteil über das Timing der EZB ist weit ambivalenter. Nur falls der Wechselkurs des Euro zur Schwäche tendiert, glaube ich an eine EZB-Zinserhöhung zur Jahresmitte. Da Chinesen, Russen und Araber in den letzten Jahren so extrem viele US-Dollar aufgesammelt haben, ist deren Wunsch nach Diversifizierung der Währungsreserven vermutlich ein stärkeres Argument für Wechselkursanpassungen als Zins- und Wachstumsdifferenz, die beide leicht zugunsten eines aufwertenden Dollars sprechen. Geht die Reise in Richtung 1,60 Dollar für einen Euro, so ist nicht zu erwarten, dass die EZB zur Sicherung der Preisstabilität in diesem Jahr noch die Zinsen erhöhen muss. Dann reicht es, wenn die Zinsanhebung zu Weihnachten 2010 stattfindet.

Und wann erhöht die Bank von Japan ihre Refinanzierungszinsen? Ich glaube, nie mehr! Mindestens ist 2010 die Deflation noch so ausgeprägt, dass in  diesem Jahr ein solcher Schritt völlig unangebracht wäre.

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