Ganz Europa zittert aktuell vor den drei großen Ratingagenturen. Ganz Europa? Nein! Ausgerechnet dem lange Zeit belächelten Polen stellt die Ratingagentur Standard & Poor's sogar eine Verbesserung der Bonitätsnote in Aussicht. Der Ausblick könnte schon bald von "stabil" auf "positiv" angehoben werden.
Wirtschaftsfreundliche Regierung
Die positive Einschätzung der amerikanischen Ratingagentur hat gute Gründe. Die polnische Staatsverschuldung liegt lediglich bei 56 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die für 2012 geplante Einführung des Euro wurde angesichts der Probleme des Euroraums auf 2014 verschoben. Polen machte zudem deutlich, dass die Eurostaaten bis dahin ihre Probleme lösen müssen.
Die polnische Regierung nutzt ihre Spielräume geschickt und fährt seit Jahren eine wirtschaftsfreundliche Politik. Besonderes Geschick stellt Polen bei der Nutzung der europäischen Fördermöglichkeiten unter Beweis. Rund 70 Prozent der Infrastrukturausgaben stammen aus Fördertöpfen der EU.
Hohes Wachstum
Die wirtschaftsfreundliche Politik zahlt sich aus. Seit dem Jahr vor dem EU-Beitritt 2004 wächst das Land deutlich stärker als der europäische Durchschnitt. Im Krisenjahr 2009 war Polen sogar das einzige EU-Mitglied mit positiven Wachstumsraten. Für die kommenden Jahre erwarten Experten ein deutlich überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum.
Spottbillig
An den Aktienmärkten ist der wirtschaftliche Wandel Polens noch nicht angekommen. Obwohl vor allem die polnischen Großunternehmen kerngesund sind, rauschte der nationale Leitindex WIG20 im Zuge der allgemeinen Börsenturbulenzen zeitweise um fast 30 Prozent in die Tiefe. Das durchschnittliche KGV beträgt dadurch nicht einmal mehr 8 und steht in einem krassen Missverhältnis zur wirtschaftlichen Lage.
Sonderkonjunktur durch Fußball-EM
Eine kleine Sonderkonjunktur verspricht die Fußball-Europameisterschaft im Sommer 2012. Polens Regierung rechnet mit einem wirtschaftlichen Zusatzeffekt von sieben Milliarden Euro. Das entspricht rund zwei Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. Vor allem aber werden deutlich mehr Anleger einen Blick auf das Land werfen und feststellen, dass der Leitindex WIG20 deutlich unterbewertet ist.
20 auf einen Streich
Anleger, die vom bevorstehenden Boom der polnischen Aktienmärkte profitieren wollen, greifen zum Indexzertifikat der Royal Bank of Scotland mit der WKN 393 750 auf den WIG 20, der die 20 größten Aktiengesellschaften des Landes abbildet.