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Euro/US-Dollar: Fed lässt Zinsen wohl sehr lange niedrig

Carsten Englert

Die US-Notenbank hat angedeutet, ihre Niedrigzinspolitik über einen geraumen Zeitraum fortzuführen. Doch der Markt interpretiert die Ansage einfach ins Gegenteil um und drückt den Euro kurzzeitig unter die Marke von 1,40 Dollar. Wie weit wird die europäische Gemeinschaftswährung noch abstürzen?

Die amerikanischen Notenbank Federal Reserve um ihren Vorsitzenden Ben Bernanke hat gestern Abend entschieden, den Leitzins unverändert zu belassen. Darüber hinaus bekräftigte die Fed, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ein "außergewöhnlich niedriges Zinsniveau über einen längeren Zeitraum" erforderten. Obwohl diese Nachricht für den Eurokurs eigentlich eine gute ist, purzelte die Gemeinschaftswährung weiter in die Tiefe und notierte zeitweise sogar unter der Marke von 1,40 Dollar. Begründet wurde dies von einigen Marktteilnehmern damit, dass die Entscheidung nicht einstimmig war. Eins von zwölf Mitgliedern des Federal Open Market Committee (FOMC), der Präsident der Kansas City Fed Thomas M. Hoenig, stimmte dagegen. Er begründete seine Haltung mit einer verbesserten Verfassung der Wirtschaft und der Finanzmärkte.

Griechenland und China

Derweil beschäftigt den Euro auch weiterhin das Thema Griechenland. Die Finanznot der Griechen schürt Ängste vor einem Staatskollaps. Zuletzt kamen Gerüchte auf, dass die Griechen Staatsanleihen für 25 Milliarden Euro nach China "verscherbeln" wollen. Jedoch konnte diese Spekulation keine Entlastung bringen, da sie schnell entkräftet wurde. Die griechische Regierung hat bereits mit einem "kategorischen" Dementi reagiert. Zudem hat Yu Yongding, ehemaliger Berater der chinesischen Notenbank, dringend davon abgeraten, griechische Treasuries zu kaufen. Gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg verwies Yu darauf, dass griechische Staatspapiere ein höheres Risiko aufweisen als US-Staatspapiere. "Ein Ökonom kann keine Diversifizierung von einer unsicheren Vermögensklasse auf eine noch viel weniger sichere Vermögensklasse befürworten", sagte Yu. Er sieht die europäischen Regierungen und die EZB in der Pflicht, Griechenland beizuspringen. Yus Meinungsäußerungen geben in der Regel die Regierungslinie weiter.

Keine Entlastung

Die Charttechnik kann auch keine Entlastung für den Euro bringen. Zwar konnte der Euro zunächst die 1,40-Dollar-Marke zurückgewinnen, dennoch ist das Momentum eher negativ. Der RSI-Indikatior notiert aktuell bei einem Wert von knapp 31 und ist somit noch nicht im überverkauften Bereich. Zudem ist der kurzfristige Abwärtstrend noch voll intakt. Die erste massive charttechnische Unterstützung befindet sich erst wieder bei 1,3738 Euro, resultierend aus dem März-2008-Hoch und Juni-2008-Tief. Spätestens dort sollte jedoch eine ausgeprägte Erholungsbewegung starten.

Großer Abwärtsdruck

Der Druck auf den Euro ist weiterhin groß. Das wird durch die Tatsache bestätigt, dass eine eigentlich positive Nachricht vom Markt ins Gegenteil uminterpretiert wird. Die Wahrscheinlichkeit ist recht hoch, dass noch eine weitere Abwärtswelle bis auf etwa 1,3738 Dollar folgt. Sehr risikobereite Anleger traden einen möglichen Kursrückgang mit dem Turbo-Short WKN BN4 UDT (aktueller Kurs: 2,75 Euro; Stoppkurs: 1,90 Euro). Das Papier hat sowohl Basispreis als auch Knock-Out-Schwelle bei 1,44 Dollar und einen Hebel von 35.

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