„Wir hatten verlernt, unsere Hände zu benutzen" - so heißt es im neusten Werbespot der Hornbach-Baumarktkette. Er zeigt ein Dorf, in dem zunächst nichts vorwärts geht. Auf das eigene Unternehmen trifft dieser Anfang jedoch nicht zu. Dort sind Innovationen an der Tagesordnung. Und auch die Mitarbeiter wissen offensichtlich Hände und Kopf zu benutzen. Für sie gab es von Analystenseite zuletzt hohes Lob. „Für Hornbach spricht im Vergleich zu den Wettbewerbern die Qualität der fachlichen Beratung", sagt Christoph Schlienkamp, Investmentanalyst beim Bankhaus Lampe.
Während andere Baumarktketten wie beispielsweise Praktiker in der jüngsten Vergangenheit massive Imageprobleme bekommen haben, gelang es Hornbach (WKN 608 343) durch ein ausgefeiltes Marketingkonzept den Kunden zwar Tiefstpreise zu offerieren, dabei aber nicht das typische Image eines Discounters abzubekommen.
Zahlungskräftige Kunden
Was also macht Hornbach anders oder besser als die Konkurrenz? Der Konzern setzt bei seiner Verkaufsstrategie vor allem auf besonders große Märkte mit einem entsprechend umfangreichen Sortiment. Damit gelingt es Hornbach, die Kunden zum Point of Sale zu ziehen. Dabei hat Hornbach ein anderes Konzept als viele der Mitbewerber. „Hornbach spricht als Projektmarkt diejenigen Kunden an, die ganzheitlich beraten werden wollen, und damit Profis, Handwerker, die höhere Einkaufsvolumina haben", sagt Schlienkamp. Aber erklärt alleine diese Tatsache, dass Hornbach den Umsatz vom Geschäftsjahr 2009/10 auf 2010/11 von 2,85 Milliarden auf rund 3,02 Milliarden Euro gesteigert hat und im laufenden Geschäftsjahr 2011/12 rund 3,20 Milliarden Euro erreichen will?
Branche im Aufwind
Sicherlich nicht. Neben der Schwäche des Konkurrenten Praktiker ist es vor allem dem Engagement von Hornbach im Bereich Marktforschung zu verdanken, dass der Konzern auf der Überholspur bleibt. „Durch Marktforschung und Kooperationen erkennt Hornbach frühzeitig Trends wie Ressourcenschonung oder etwa Energiesparen und nutzt diese konsequent für die Positionierung", meint Schlienkamp.
Hinzu kommt: Die gesamte Branche hat in den vergangenen beiden Jahren enormen Auftrieb bekommen. Der Branchenumsatz stieg von 17,55 Milliarden Euro im Jahr 2008 auf 18,43 Milliarden im vergangenen Jahr - und der Trend dürfte sich fortsetzen. Dadurch dass die Menschen derzeit den Banken misstrauen und die Zinsen unverändert niedrig sind, investieren viele in ihr eigenes Zuhause. Hornbach als Big Player der Branche dürfte von diesem Trend profitieren.
Das zeigt sich auch an den Zahlen für das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2011/12. Der Umsatz kletterte um 7,5 Prozent, das EBIT sogar um 12,7 Prozent auf 157,8 Millionen Euro. Um das künftige Wachstum zu sichern, dürfte Hornbach auch auf eine weitere Expansion setzen. Im laufenden Geschäftsjahr hat der Konzern planmäßig drei neue Standorte eröffnet, mittlerweile betreibt die Nummer 4 unter den deutschen Baumarktketten 134 Filialen.
Konsum beflügelt
Mit einem Kurs/Buch-Verhältnis von 0,8 und einem KGV von 10 sind die im SDAX notierten Vorzüge der Hornbach Holding mehr als günstig bewertet. Die in den vergangenen Monaten gestiegene Konsumlust der Deutschen sollte sich auch weiter bei den Zahlen von Hornbach positiv bemerkbar machen. Für Anleger gibt es in Anlehnung an den Slogan von Hornbach vor allem eines zu tun: Aktie kaufen.